Fünfsternhotels leiden unter Airbnb

Das starke Wachstum der Buchungsplattform befeuert die Debatte um eine Regulierung.

Vor allem in Städten bleiben Hotelbetten leer, weil Gäste verstärkt über Airbnb Wohnungen mieten. Foto: Keystone

Vor allem in Städten bleiben Hotelbetten leer, weil Gäste verstärkt über Airbnb Wohnungen mieten. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Beschluss machte weltweit Schlagzeilen: Die beliebte spanische Ferieninsel Mallorca sperrt Buchungsportale wie Airbnb aus. Pünktlich zur Haupt­saison wird die private Vermietung von Wohnungen an Touristen verboten. Das Vorgehen der Baleareninsel heizt nun in der Schweiz die Diskussionen an, wie mit der Vermietungsplattform umgegangen werden soll.

Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer fordert jetzt eine gesamtschweizerische Lösung für das Einziehen von Taxen für Gäste in Airbnb-Wohnungen. Derzeit bemühen sich die Kantone in Einzelverhandlungen mit dem Anbieter um automatisierte Verfahren. Nach einer Einigung mit den Kantonen Zug und Baselland werden offenbar Gespräche mit dem Tessin, Freiburg und Genf geführt. «Es kann nicht sein, dass das jeder allein machen muss», sagt Platzer. Zudem sorgt sich die Branche, dass mittlerweile sogar die Luxushotellerie unter der Konkurrenz von Airbnb leidet.

Seit letzten Sommer wird die Beherbergungsabgabe bei allen Gastgebern im Kanton Zug automatisch über die Plattform eingezogen und direkt an Zug Tourismus weitergeleitet. Auch Baselland hat mittlerweile eine ähnliche Vereinbarung mit Airbnb abgeschlossen. Weltweit wurde das System bereits in 370 Ferienorten lanciert. Laut Airbnb will das Unternehmen so zu einem verantwortungsvollen Tourismus beitragen und gleichzeitig Gastgeber und Verwaltung entlasten. Letztere erhält die Abgaben ohne administrativen Aufwand.

Video – So sieht es im Luxusresort auf dem Bürgenstock aus

Wirtschaftsredaktor Stefan Eiselin schildert seinen ersten Eindruck. Video: Tamedia

Der Vorstoss über ein zentrales ­Abrechnungssystem ist grundsätzlich nicht neu: CVP-Nationalrat Dominique de Buman war damit im Parlament jüngst gescheitert. De Buman will nun abwarten, wie sich die Einzelverhandlungen der Kantone entwickeln, und bei stockendem Fortschritt erneut tätig ­werden.

Laut neusten Daten des Walliser Tourismus-Observatoriums ist Airbnb hierzulande weiter auf Wachstumskurs. Die Zahl der angebotenen Objekte stieg in den vergangenen sechs Monaten um rund 20 Prozent, wie Roland Schegg vom Observatorium sagt. Treiber sind insbesondere professionelle Vermieter wie Interhome, die ihre Wohnungen vermehrt über Airbnb anbieten.

«Airbnb ist auch für ein Fünfsternhaus wie das Palace eine Konkurrenz.»Andrea Scherz, Chef vom Hotel Palace in Gstaad.

Ein Verbot der Plattform wie auf Mallorca steht nicht zur Debatte, nicht zuletzt, da in der Schweiz insbesondere die ländlichen Regionen profitieren. «In den Ferien­orten hilft Airbnb im Kampf gegen kalte Betten», sagt Hotelleriesuisse-Präsident ­Andreas Züllig. In den Städten hingegen konkurriere der Vermittler vermehrt mit der Hotellerie. «Insbesondere Gäste, die früher mehrere Wochen in einem Hotel abgestiegen sind, entscheiden sich ­vermehrt für Airbnb-Wohnungen», sagt Züllig. Er schätzt, dass vor allem der Vier- und Fünfsternbereich unter der Konkurrenz leide.


In der Zürcher Luxuswohnung für 3500 Franken übernachten Stylisch, gut gelegen – unvermietet: Wie sich mit leerstehenden Bijous Geld machen lässt. (Abo+)


Das bestätigt der Hotelier Andrea Scherz, Chef vom Palace in Gstaad. Er sagt: «Airbnb ist auch für ein Fünfsternhaus wie das Palace eine Konkurrenz. Es ist schon ein wenig unheimlich, wie viele Luxuswohnungen in Gstaad auf Airbnb zu sehr interessanten Preisen angeboten werden.»

Airbnb-Verbot in Berlin und Palma

Hinzu kommt die in vielen Ländern geführte Debatte über eine Verknappung und Verteuerung des Wohnraums, da die vermieteten Wohnungen nicht mehr für langfristige Mietverträge zur Verfügung stehen. Das Phänomen hatte zum Verbot von Airbnb etwa in Berlin und Palma geführt. «Von daher braucht es sicherlich Leitplanken, etwa Klauseln zur Regelung von Untervermietung in den Mietverträgen», sagt Hotellerie­suisse-Präsident Andreas Züllig.

Des Themas hat sich der Bundesrat angenommen, erwartet wird jedoch eine liberale Regelung, eher im Sinne des Anbieters. Im März schickte der Bundesrat Änderungsvorschläge im Mietrecht in die Vernehmlassung. Demnach müsste der Mieter beim Vermieter eine generelle Zustimmung zur wiederholten kurzzeitigen Untermiete einholen. Dies soll zu einer administrativen Vereinfachung führen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.05.2018, 21:13 Uhr

Artikel zum Thema

Palma de Mallorca verbietet Airbnb

In der Inselhauptstadt dürfen Privatwohnungen ab Juli nicht mehr an Touristen vermietet werden. Andere Städte könnten nachziehen. Mehr...

Zürcher Hausbesetzer verdienen Geld mit Airbnb

Bewohner schreiben zur Zwischennutzung gedachte Häuser an der Goldküste, in Winterthur und in der Stadt Zürich zur Untermiete aus – verbieten lässt sich das nicht. Mehr...

Von der Luftmatratze zum Luxus-Penthouse

Airbnb führt eine Luxusklasse für Leute ein, die über die Plattform eigentlich die Nase rümpfen. Von der ursprünglichen Idee der Firma ist dabei nicht mehr viel übrig. Mehr...

Hausbesetzer als Vermieter

Lukrative Geldquelle

Auf den Plattformen Airbnb und Wimdu sind in der Stadt und im Kanton Zürich mehrere Zimmer in besetzten oder zur Zwischennutzung gedachten Liegenschaften zu finden. Mindestens in einem halben Dutzend Gebäuden verdienen die Bewohner, die keine oder äusserst wenig Miete zahlen, auf diese Weise Geld dazu, berichtet die «NZZ am Sonntag». Zimmer für die kurz- oder längerfristige Nutzung in solchen Häusern sind an der Goldküste, in Winterthur und in der Stadt Zürich zu haben. Zu unterbinden ist diese Praxis kaum. Ein Sprecher von Airbnb erklärte, dass die Plattform bei Hinweisen auf unrechtmässige Vermietungen die entsprechenden Anzeigen lösche. (Red)

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Burn, baby, burn: An der «Nit de la Cremà» im südspanischen Alicante brennen zu Ehren des Heiligen Johannes rund 180 riesige Holzfiguren. (24. Juni 2019)
(Bild: Manuel Lorenzo/EPA) Mehr...