So sollten Anleger 2019 investieren

Achterbahnfahrt der Börsenkurse, Brexit-Chaos, Handelskrieg: Auf welche Titel Analysten dieses Jahr setzen würden und wo Vorsicht geboten ist.

An der New Yorker Börse herrschte in den vergangenen Tagen erhöhte Nervosität. Foto: Brendan McDermid (Reuters)

An der New Yorker Börse herrschte in den vergangenen Tagen erhöhte Nervosität. Foto: Brendan McDermid (Reuters)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Aus Sicht von Anlegern war das vergangene Jahr zum Vergessen: Ausser mit exotischen Dingen wie dem Metall Palladium haben Investoren 2018 mit Investments kaum etwas verdienen können. Der Schweizer Leitindex SMI verlor unter dem Strich rund 10 Prozent an Wert, der wichtige US-Index S&P 500 beendete das Jahr mit einem Minus von rund 6 Prozent.

2019 droht erneut ein ungemütliches Jahr zu werden: Das Wachstum schwächt sich weltweit ab, angefangen im Leitmarkt USA. Hinzu tritt eine lange Liste von politischen Risiken: «Die Entwicklung der Beziehungen zwischen den USA und ­China und deren globale Auswirkungen und das selbst verschuldete Brexit-Chaos in Grossbritannien sind grosse Unsicherheitsfaktoren für 2019», schreibt zum Beispiel Stéphane Monier, Chief Investment Officer der Privatbank Lombard Odier, in seinem Jahresausblick.

Bank-Experte rät Anlegern zum Abwarten

Daher hat Panagiotis Spiliopoulos, Leiter Research bei Vontobel, einen für einen Bank-Experten ungewöhnlichen Rat: «Wer derzeit nicht gezwungen ist, Geld anzulegen, sollte zuwarten.» Derzeit würden die Börsen mit grosser Nervosität auf jede schlechte Nachricht reagieren. «Wenn die Aktienmärkte nicht mehr auf negative Ankündigungen reagieren, dann können Neuengagements ins Auge gefasst werden», meint er.


Geldtipp: So vermeiden Sie ein Klumpenrisiko

«Wenn Sie nur eine Aktie kaufen, dann stürzen Sie damit ab»: Geld-Experte Martin Spieler erklärt die besten Anlagestrategien. Video: Jasmine Brönnimann


So erwarten auch die Experten der UBS in ihrem Basisszenario für die kommenden sechs Monate, dass die Aktienmärkte in den USA und der Eurozone bestenfalls leicht zulegen. Eskaliert aber der Handelskonflikt mit China, seien weitere Verluste zu erwarten.

Die politischen Unsicherheiten führen indes nicht dazu, dass Anlage-Experten grundsätzlich von Aktien abraten. Angesichts weiterhin tiefer Zinsen ist die überwiegende Meinung, Aktien gegenüber Anleihen zu bevorzugen. Der genaue Mix hängt jeweils vom Risikohunger ab.

Aktienmarktprognose 2019 der ZKB Grafik vergrössern

Ferner gilt der Rat zu Aktieninvestments nur für das Szenario, dass die wichtige US-Wirtschaft nicht in die Rezession abgleitet. Wovon im Moment aber niemand ausgeht. «Wir rechnen 2019 erneut mit einem schwierigen Jahr und billigen den Aktienmärkten lediglich bescheidende Kursgewinne zu», heisst es daher vorsichtig im Ausblick der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Sollten Katastrophen ausbleiben, schätzen die Experten der ZKB, dass Anleger mit US-Aktien im laufenden Jahr inklusive Dividenden rund 7 Prozent verdienen können. Die Analysten der Credit Suisse sind etwas vorsichtiger, halten für US-Aktien einen Gesamtertrag von 5,5 Prozent für machbar.

Wer in Aktien anlegen will, kommt an den USA kaum vorbei, die Titel der Vereinigten Staaten vereinigen rund die Hälfte der globalen Marktkapitalisierung auf sich. Aus Schweizer Sicht stellt sich mit Blick auf US-Aktien die Frage des Wechselkurses vom Franken zum Dollar, hier erwarten die meisten Experten indes keine grossen Veränderungen.

Umfrage

Wo wollen Sie 2019 investieren?







Nach Meinung vieler Bank-Experten dürften die Börsen von Schwellenländern in diesem Jahr höhere Erträge als US-Aktien abwerfen. Die Analysten der Credit Suisse erwarten bei Schwellenländer-Titeln einen Ertrag von gut 8 Prozent. Weniger gut zu sprechen sind Analysten dagegen auf europäische Titel angesichts begrenzter Wachstumsaussichten und politischer Risiken.

Schweizer Werte sind bei einigen Banken hoch im Kurs. «Unsere Favoriten sind US-­Aktien und Schweizer Aktien», schreibt ZKB-Investment-Chef Christoph Schenk in seinem Ausblick, «beide Märkte zeichnen sich durch vergleichsweise ­hohes Gewinnwachstum und eine relativ defensive Sektorstruktur aus.»

Vontobel-Experte Spiliopoulos hält es für besser, Investments nach Branchen auszuwählen und nicht nach Ländern. Sollte die eingangs erwähnte Beruhigung eingetreten sein, hält er Anlagen in die Sektoren Technologie, Konsumgüter und Banken für erwägenswert. Wie auch immer die gewählte Anlagestrategie aussieht: Starke Nerven sollten Teil davon sein.

Erstellt: 04.01.2019, 06:13 Uhr

Artikel zum Thema

«Anleger machen sich Sorgen um das Wachstum»

An den Börsen macht sich am ersten Handelstag 2019 Ernüchterung breit. Das hat auch mit der weltpolitischen Lage zu tun. Mehr...

Börse reagiert mit Rekordwerten auf Amtsantritt von Bolsonaro

Menschenrechtsaktivisten stehen der neuen Regierung Brasiliens kritisch gegenüber. Die Märkte erwarten hingegen einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung. Mehr...

Für Anleger geht in diesem Jahr alles schief

Das gab es seit 25 Jahren nicht mehr: Aktien, Anleihen und Rohstoffe verzeichnen 2018 Verluste. Sichere Häfen gibt es praktisch keine. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...