Auf Bitcoin kann jetzt gewettet werden

In Chicago können Anleger ab sofort auch Future-Optionen für die Krypto-Währung erwerben. Eigene Bitcoin brauchen sie dazu nicht – aber Mut zum Risiko.

Der Bitcoin ist mittlerweile ein reines Spekulationsobjekt: Bitcoin-Geldautomat in Hongkong. Foto: Kin Cheung (AP, Keystone)

Der Bitcoin ist mittlerweile ein reines Spekulationsobjekt: Bitcoin-Geldautomat in Hongkong. Foto: Kin Cheung (AP, Keystone)

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Die Kryptowährung Bitcoin jagt einen Rekord nach dem anderen, hat zwischenzeitlich sogar die 20'000 Dollar-Marke durchbrochen. Seit Anfang des Jahres ist das ein Zuwachs von knapp 1700 Prozent. Mehr als 300 Milliarden US-Dollar sind mittlerweile in Bitcoin investiert.

Anfangs galt die Währung als Geld der Zukunft. Kritiker sehen in ihr hingegen mittlerweile die grösste Spekulationsblase aller Zeiten – grösser als die Tulpen-Blase 1637 oder die Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende.

Bilder: Der Erfolg der Kryptowährung

Trotzdem kommt die Kryptowährung immer mehr im Mainstream an. Seit Sonntag nun können Anleger die Währung als hochkomplexes Finanzprodukt an einer der grössten Terminbörsen der Welt handeln. Was das bedeutet und warum das riskant sein kann: ein Überblick.

Was ist passiert?
Bitcoin ist ein Stück mehr in die Reichweite der Allgemeinheit gerückt. In Chicago können Investoren an der renommierten Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) mit Bitcoin-Futures handeln. Anleger können so auf die Preisentwicklung von Bitcoin wetten. An der elektronischen Derivatebörse Cboe geht das bereits seit vergangener Woche.

Was ist ein Future?
Mit einem Future (deutsch: Zukunft) wetten Anleger auf den zukünftigen Preis eines Produkts zu einem bestimmten Termin. Anleger können also heute darauf spekulieren, dass der Kurs des Bitcoin steigt oder fällt.

Ein Beispiel: Wettet ein Anleger, dass der Kurs des Bitcoin an einem Tag im Januar bei 22'000 US-Dollar liegt, muss er ihn an diesem Tag für 22'000 Dollar kaufen. Das ist ein sogenannter Kontrakt. Liegt der tatsächliche Preis an diesem Tag darunter, zahlt er drauf. Liegt er aber über den 22'000 Euro, gewinnt der Anleger. Gleichzeitig kann er während der Laufzeit des Kontrakts diesen handeln. Da niemand die Zukunft vorhersehen kann, gelten solche Geschäfte als hochspekulativ.

Welche Auswirkungen hat das?
Banken und institutionellen Investoren war es bislang meist untersagt, Bitcoin direkt zu kaufen. Denn die Kryptowährung ist grösstenteils unreguliert. Um an der Preisentwicklung teilzuhaben, könnten sie jetzt immerhin den Future kaufen. Denn er wird von einer regulären Börse herausgegeben. «Das ist ein grosser Sprung für Bitcoin ins etablierte Finanzsystem», sagt Demelza Hays, Bitcoin-Expertin des Luxemburger Vermögensverwalters Incrementum.

Welche Risiken ergeben sich daraus?
Mit Futures können Investoren auch auf einen Preisverfall des Bitcoin setzen. Machen sie das auf breiter Front, würde der Preis des Futures niedriger liegen als der aktuelle Bitcoin-Preis. Für ganz normale Bitcoin-Käufer wäre dann also öffentlich sichtbar, dass Investoren auf fallende Bitcoin-Preise setzen. «Der Future kann dann eine psychologische Wirkung für die Anleger entfalten», sagt Bitcoin-Expertin Hays. Die Privatanleger könnten ihre Bitcoins möglicherweise in Panik verkaufen. In der Folge würde aus reinen Vermutungen eine selbsterfüllende Prophezeiung: Der Bitcoin-Preis fällt.

Ist ein Einstieg noch sinnvoll?
Der Bitcoin ist mittlerweile ein reines Spekulationsobjekt. Wer mit kleinen Beträgen einstiegen will, kann das zwar tun, sagt Gilbert Fridgen. Der Professor forscht in Bayreuth zur Blockchain-Technologie und Bitcoin. «Privatanleger müssen bei einem Einstieg in Bitcoin aber immer mit einem Totalverlust rechnen.» Dänemarks Zentralbankchef Lars Rohde warnte Anleger sogar: «Bleiben Sie weg. Das ist tödlich.»

Auch Nobelpreisträger warnen vor dem Bitcoin-Hype.

Muss Bitcoin nicht reguliert werden?
Ja, darin sind sich die meisten Experten einig – auch, wenn das dem Ursprungsgedanken widerspricht. Die Erfinder nämlich schufen Bitcoin als Währung ohne Banken, Zentralbanken und Regulatorik, quasi in Selbstverwaltung. Der Druck zur Regulierung dürfte jetzt grösser werden, wenn mit dem Future nicht nur eine kleine Sphäre von Tech-Enthusiasten in Bitcoin investiert, sondern auch herkömmliche Banken.

Zuletzt forderte zum Beispiel Frankreichs Finanzminister Bruno le Maire, die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) sollten sich auf ihrem nächsten Gipfel im April mit den Kryptowährungen befassen. «Es gibt nachweislich ein Risiko durch Spekulation», sagte er. Auch Experten fordern Regulierung und sehen darin eine Chance. Fridgen von der Universität in Bayreuth sagt: «Eine Regulierung des Marktes ist wichtig, nur so können Anleger geschützt werden.»

Welche neuen Produkte könnten auf den Markt kommen?
2018 will auch die Technologiebörse Nasdaq Bitcoin-Future auflegen. Die Deutsche Börse verkündete erst vergangene Woche, zumindest darüber nachzudenken. Grosse Finanzfirmen wollen zudem weitere Produkte rund um Bitcoin und andere Kryptowährung etablieren. Dazu gehören etwa ETFs, also börsengehandelte Fonds, die etwa einen Index nachzeichnen.

(Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 19.12.2017, 16:08 Uhr

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