Banken plötzlich vorbildlich

Immer mehr Institute geben die sogenannten Kickbacks an ihre Kunden weiter. Allerdings fliessen jetzt Gebühren in anderen Kanälen.

Gehört zu den Vorreitern: Die Schwyzer  Kantonalbank.  Foto: Sigi Tischler (Keystone)

Gehört zu den Vorreitern: Die Schwyzer Kantonalbank. Foto: Sigi Tischler (Keystone)

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Das Bundesgericht hat in mehreren Fällen entschieden, dass das Geld, das Banken für den Vertrieb von Anlageprodukten, etwa Fonds, erhalten, den Kunden gehört. Während sich viele Banken mit diesen Urteilen schwertun, haben andere gemerkt, wohin die Reise geht. Die Schwyzer Kantonalbank leitet ab dem 1. Juli allen Kundinnen und Kunden Retrozessionen «konsequent und unaufgefordert weiter». Leicht süffisant heisst es in der Medienmitteilung: «Mit diesem Schritt schlägt die Schwyzer Kantonalbank einen exklusiven Weg ein und hebt sich positiv von ihren Mitbewerbern ab.»

Auch die Liechtensteinische Landesbank (LLB) und deren Schweizer Tochter Bank Linth sehen sich in einer «Vorreiterrolle», weil sie ebenfalls ab dem 1. Juli sowohl in der Vermögensverwaltung als auch in der Anlageberatung auf Vertriebsentschädigungen für eigene Fonds verzichten und solche «für Drittfonds unaufgefordert und zu 100 Prozent den Kunden» vergüten.

Schliesslich bestätigt die Bank Coop, eine Anlageberatung einzuführen, «die unabhängig und transparent ist». Ab 1. Juli gilt für die Kunden: «Wir leiten allfällige Retrozessionen unaufgefordert an Sie weiter und vermeiden so Interessenkonflikte und falsche Anreize.» Die Rückerstattung der Vertriebskommissionen erfolgt halbjährlich, bei der Schwyzer Kantonalbank quartalsweise.

Die Basler Kantonalbank, zu der die Bank Coop gehört, hält in einer Dokumentation fest: «Damit die Anlageempfehlungen nicht von der Höhe der bezahlten Vertriebsentschädigungen beeinflusst werden, müssen die Retrozessionen an die Kundschaft weitergeleitet werden.» Bei den Kunden mit Vermögensverwaltungsmandat haben das die Basler umgesetzt. Bei den Beratungskunden soll dies demnächst erfolgen.

Andere Banken zögern noch

Ein Sprecher der UBS nimmt in Anspruch, die Grossbank habe bei Kunden mit Vermögensverwaltungsmandat als Erste auf Anlageprodukte ohne Retrozessionen umgestellt. Beratungskunden, die ihre Anlageentscheide selbst fällen würden, weise man beim Kauf von Fonds die Höhe der anfallenden Retrozessionen aus. Auch die Credit Suisse will bis Mitte Jahr bei Vermögensverwaltungskunden auf retrozessionsfreie Produkte umgestellt haben.

Der Unterschied ist der, dass die beiden Grossbanken, aber auch Raiffeisen, die Migros-Bank oder einzelne Kantonalbanken die Vertriebsprovisionen nur Kunden mit Vermögensverwaltungsmandat weiterleiten – jenen Kunden also, welche die Anlageentscheide an die Bank delegieren. Bank Coop, die LLB-Gruppe, die Schwyzer Kantonalbank und vor diesen schon die Aargauer Kantonalbank vergüten die Retrozessionen konsequent an alle Kunden. LLB-Sprecher Cyrill Sele sagt, man reagiere auf das Kundenbedürfnis nach Transparenz und biete deshalb ein Modell an, in dem die Kosten auf den ersten Blick ersichtlich seien. Sele sagt zudem: «Mit unserem neuen Preismodell nehmen wir absehbare künftige regulatorische Entwicklungen vorweg.»

Andere Banken warten ab. Die Berner Kantonalbank macht geltend, dass für Kunden ohne Vermögensverwaltungsauftrag noch keine retrozessionsfreien Anlagefonds erhältlich seien. Bei der Zürcher Kantonalbank heisst es zwar: «Aus heutiger Sicht geht der Trend klar Richtung ‹retrofrei›.» Anders als andere Banken ist die ZKB aber noch nicht in der Lage, ihren Kunden ein entsprechendes Angebot zu unterbreiten. Die Migros-Bank verlangt von Beratungskunden wie viele Banken nach wie vor den Verzicht auf die Auszahlung der Retrozessionen und begründet das mit dem Bestreben, «im Kundeninteresse die Transaktions- und Depotkosten unverändert auf tiefem Niveau zu halten».

Tatsächlich fahren Kunden, welche die Retrozessionen vergütet erhalten, unter dem Strich nicht automatisch günstiger. Der Verzicht auf die Vertriebskommissionen summiert sich auch bei kleineren Banken gut und gern auf einen einstelligen Millionenbetrag pro Jahr. Um diesen Einnahmenausfall auszugleichen, erhöhen sie im Gegenzug die Gebühren. Im Fall der Aargauer Kantonalbank hat dies bei einem Teil der Kunden prompt Unwillen ausgelöst. ZKB-Sprecher Igor Moser warnt denn auch schon vorsorglich, «dass retrofrei nicht mit günstiger gleichzusetzen ist».

Der Preis sind höhere Gebühren

LLB-Sprecher Sele bestätigt, dass der Verzicht auf die Retrozessionen zur Erhöhung anderer Gebühren führe, etwa der Depotgebühren. «Insgesamt gestalten sich die Anpassungen in etwa erfolgsneutral», sagt Sele. Auch Natalie Waltmann, Sprecherin der Bank Coop, schliesst nicht aus, dass Kunden mit dem neuen Preismodell höhere Kosten gewärtigen müssen. Möglich sei aber auch das Gegenteil. Wer viele Fonds im Depot habe, könne mit relativ hohen Vergütungen von Retrozessionen rechnen und fahre deshalb günstiger als heute. Neu seien die Kosten abhängig von der Zusammensetzung des Depots und dessen Volumen. Einzelne Kunden werden deshalb gemäss Waltmann neu höhere Gebühren entrichten müssen, andere tiefere. In jedem Fall habe der Kunde aber mehr Transparenz als bisher. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2014, 06:17 Uhr

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