Wo Sie Ihre Reisechecks noch loswerden

Viele Schweizer Banken lehnen die einst beliebten Travellerchecks ab. Welche Adressen weiterhelfen. Die Übersicht.

Ein Umtausch kann Gebühren kosten. Foto: Oleksiy Maksymenko (Alamy)

Ein Umtausch kann Gebühren kosten. Foto: Oleksiy Maksymenko (Alamy)

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Kürzlich stiess Silvia Bisang in ihrer Wohnung auf die drei alten American Express Traveler’s Checks mit einem Wert von je 50 Dollar. Sie sind das Überbleibsel einer Indienreise. Damals hatte sie nicht alle aufgebraucht. Heute findet sie dafür keine Verwendung mehr. «Ich habe nicht vor, in die USA oder ein anderes Land zu reisen, wo ich die Checks nutzen könnte», sagt Bisang. 150 Dollar sind zwar kein grosser Betrag, aber darauf verzichten möchte sie nicht.

Denn American Express schreibt auf seiner Internetsite: «Traveler’s Checks verlieren nie ihre Gültigkeit.» Weiter steht dort: «Die Checks sind weltweit an Tausenden von Standorten gerne gesehen.» Das erweckt den Eindruck, als dürfte es kein Problem sein, die nicht mehr benötigten Checks in Franken umzutauschen. Doch Silvia Bisang machte eine andere Erfahrung.

ZKB will nichts mehr wissen

Sie ist Kundin der Zürcher Kantonalbank (ZKB), wo sie die Traveler’s Checks ursprünglich gekauft hatte. «Damals wurden Kreditkarten noch weniger genutzt», erzählt sie. Die Checks boten mehr Sicherheit als Bargeld, da sie bei Verlust oder Diebstahl ersetzt oder rückerstattet wurden. Doch als Bisang die noch vorhandenen Checks der ZKB zurückgeben will, erhält sie eine Absage: Seit 2017 akzeptiert die Bank keine Travellerchecks mehr. Dass dies selbst für Kunden gilt, denen die ZKB die Checks verkauft hat, ist für Silvia Bisang unverständlich und ärgerlich. Die ZKB empfiehlt ihr, sich an den Finanzdienstleister Swiss Bankers zu wenden. Doch auch dort erhält sie einen abschlägigen Bescheid.

Bei weiteren Banken lässt sich eine wachsende Zurückhaltung gegenüber Travellerchecks feststellen. Der Grund: Die Nachfrage ist eingebrochen. Reisende bevorzugen heute meist weltweit akzeptierte Debitkarten, Kreditkarten, Travel-Cash-Karten oder anderes mehr. Diese bieten im Ausland ebenfalls vergleichsweise viel Sicherheit, da sie sich bei Verlust oder Diebstahl sperren lassen. Dank guter elektronischer Vernetzung und eingespielter Prozesse können Banken Zahlungen und Geldbezüge über solche Karten im Ausland problemlos abwickeln. Doch trotz sinkender Nachfrage sind immer noch sehr viele Travelers Cheques im Umlauf, wie die Migros-Bank bestätigt. Würden Medien das Thema aufgreifen, gebe es jeweils einen «Ansturm» von Kunden, die sich an ihre alten Reisechecks erinnern, diese hervorkramen und damit zur Bank gehen würden.

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In einer Umfrage dieser Zeitung beklagen demgegenüber ­einige Finanzinstitute den beachtlichen Aufwand, den ein Umtausch von Travellerchecks nach sich zieht. Mitarbeiter müssen diese manuell bearbeiten und auch ausserhalb des eigenen Betriebs über mehrere Instanzen im Auge behalten. Auch die Raiffeisen-Gruppe verweist auf die Hürden und stellt fest, dass es manchmal nicht mehr möglich sei, die Checks einzulösen. Raiffeisen verlangt für den Umtausch eine rekordverdächtig hohe Bearbeitungsgebühr von 25 Franken pro Check. Silvia Bisang müsste damit die Hälfte ihres Guthabens abgeben.

Weil sie bei Banken kein Gehör findet, nimmt sie direkt mit American Express Kontakt auf. Über die gebührenfreie Telefonnummer 0800 255 200 erhalten Reisecheck-Besitzer Unterstützung. Beim ersten Anruf rät ihr ein Berater, sich an zwei Regionalbanken zu wenden. Bisang geht mit ihren Checks zu den genannten Finanzinstituten – und wird erneut enttäuscht: Beide Banken akzeptieren die American Express Traveler’s Checks nicht.

Falsche Hinweise

Tatsächlich lehnen viele Banken Travellerchecks ab, was auch eine Umfrage dieser Zeitung ­bestätigt. Bei Kunden, die bereits ein Konto bei der Bank haben, sind im Gegensatz zur ZKB ­hingegen viele Finanzinstitute kulant. Das Beispiel von Silvia Bisang zeigt, wie schwierig es für die Besitzer von Reisechecks sein kann, zum Geld zu kommen, das ihnen zusteht. Nach der erneuten Absage ruft sie nochmals American Express an.

Zu allem Verdruss sei ihr dabei mehrmals das Telefon kommentarlos ­aufgehängt worden, erzählt sie. Als sie durchkommt, schaltet sich eine Drittperson zu, die das Gespräch übersetzt. Bisang wird aufgefordert, die ­Originalchecks mit «invalid» (ungültig) zu beschriften und an eine Adresse im britischen Brighton zu senden. Neben einer Kontoverbindung müsse sie eine Passkopie bei­legen und in einem Begleitschreiben begründen, weshalb sie die Checks umtauschen möchte.

Bisang wird misstrauisch und befürchtet, am Ende gar nichts mehr zu erhalten. Entmutigt geht sie danach zur Migros-Bank, bei der sie ein Konto hat. Dort ist der Tausch endlich möglich: Die Bank schreibt ihr für die Checks im Wert von 150 Dollar 147 Franken gut. American Express entschuldigt sich auf Nachfrage für die entstandenen Schwierigkeiten. Es bestehe auch die Möglichkeit, die Checks an eine Adresse in Deutschland zu schicken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.10.2018, 12:02 Uhr

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