Banker Matter und die Verjagten

Banken setzen Auslandschweizer vor die Tür. Nun sieht die Helvetische Bank des Zürcher SVP-Nationalrats Thomas Matter in diesen Bürgern neues Geschäftspotenzial.

Will mehr Schweizer Bürger im Ausland als Kunden gewinnen: Banker und SVP-Nationalrat Thomas Matter.

Will mehr Schweizer Bürger im Ausland als Kunden gewinnen: Banker und SVP-Nationalrat Thomas Matter. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Der Ärger unter den Auslandschweizern über ihre Banken in der Schweiz ist seit Monaten gross. Und er wächst weiter. Der Grund: Meist ohne weitere Erklärung fordern Banken ihre Auslandschweizerkunden in vielen Ländern auf, ihr Bankkonto zu saldieren. Wer insistiert, wird Aussagen Brüskierter zufolge von Mitarbeitern der eigenen Bank schnöde abgewiesen. Man sei ein Privatunternehmen und könne Geschäfte machen, mit wem man wolle, heisst es dann beispielsweise. Das ist im freien Markt zwar tatsächlich so, nur müsste eine Gegenreaktion auf dem Fuss folgen, wenn Kundenbeziehungen mit Auslandschweizern Gewinne versprechen. Diese Reaktion ist jetzt da.

Die Neue Helvetische Bank, die kleinere Universalbank des Zürcher SVP-Nationalrats Thomas Matter hat offenbar die Auslandschweizer als neues Kundensegment entdeckt. Für Matter lässt die geltende Rechtslage Spielraum. So ist es für Schweizer Banken nach wie vor möglich, für Auslandschweizer Konten zu unterhalten, ihnen in der Schweiz Hypotheken anzubieten oder Pensionskassengelder zu transferieren. Dafür wirbt neuerdings die Neue Helvetische Bank.

«Eine absolute Charakterlosigkeit»

Nachdem Angestellte von Schweizer Grossbanken in den USA mit zweifelhaften Geschäftspraktiken auffielen, wurde die Regulierungsschraube hierzulande angezogen. Seither schauen viele Banken ohne Rücksicht auf Kundentreue als Erstes für sich. Man hat Länderlisten erstellt. Wer in einem missliebigen Land wohnt, wo Rechts­unsicherheit herrscht, ist als Kunde nicht mehr gefragt und muss gehen.

Jüngstes Beispiel dazu liefert die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB). Seither tönt für C.W. (Name der Redaktion bekannt) der BLKB-Slogan «Miteinander erfolgreich» wie blanker Hohn. Im Auftrag einer Schweizer Stiftung, die für seinen Lohn aufkommt, leitet C.W. seit 20 Jahren in Honduras ein Kinderheim. Erfolgreich, aufopfernd, mit Auszeichnung. Die Bankverantwortlichen kümmerte es aber keinen Deut, dass C.W. für seinen Schweizer Arbeitgeber tätig ist, der die Monatslöhne verlässlich in Franken überweist, und dass der Kunde seit vielen Jahren bei der BLKB ist.

Mit C.W. wollte die BLKB raschestens nichts mehr zu tun haben. Sein Konto musste er aufgeben. «Was die Banken da tun, ist in meinen Augen eine absolute Charakterlosigkeit. Und die Finma – sprich der Staat oder unsere Regierung – schauen zu.»

«Das Parlament der Fünften Schweiz» hat Problem erkannt

So und ähnlich enervieren sich Einheimische und Auslandschweizer in Leserforen gleichermassen über derlei Geschäftsgebaren. Seit für die Schweizer Banken im Umgang mit Kunden im Ausland auf Initiative von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) neue Regulierungen gelten, brechen viele Geldinstitute Kundenbeziehungen ins Ausland reihenweise ab.

Das Problem erkannt hat auch «das Parlament der Fünften Schweiz», der Auslandschweizerrat. Am letzten Kongress in Baden drückten Mitglieder des Auslandschweizerrats ihren Unmut aus. Der Antrag von John McGough, einem in Ungarn lebenden Unternehmer, blieb dort allerdings chancenlos. Er wollte die Konti der Auslandschweizer-Organisation (ASO) bei der CS kurzerhand kündigen und zur Postfinance verlegen.

Spendenkonto gesperrt

Verabschiedet hat der Auslandschweizerrat im August hingegen eine Resolution, die der St. Galler SVP-Nationalrat Roland Büchel als Vorstandsmitglied der Auslandschweizer-Organisation in Form einer Motion ins Bundeshaus trug. Alle Schweizer, ob im Inland oder Ausland, benötigten das Recht, ein Bankkonto in der Schweiz zu haben, forderte auch der Präsident der Auslandschweizer-Organisation, Jacques-Simon Eggly (FDP, NE). Man sei geradezu «schockiert», dass die gleichen Banken, die bis vor Kurzem im Ausland noch um Kunden warben, heute bei Auslandschweizern Schwierigkeiten machten, wenn diese ein Konto halten oder eines eröffnen wollten.

Angenommen hat der Ständerat vergangene Session ein Postulat von Konrad Graber (CVP, LU) der sich über die Sperrung eines Spendenkontos eines Schweizer Missionars in Argentinien enervierte. Der Bundesrat muss nun prüfen, ob er die Postfinance verpflichten kann, den über 700'000 Auslandschweizern ein Konto anzubieten.

Erstellt: 17.12.2014, 10:11 Uhr

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