Beim Stellenwechsel richtig vorsorgen

Bei der Wahl eines neuen Jobs achten viele zu wenig auf die Pensionskasse und was diese bietet. Dabei lässt sich je nachdem sehr viel Geld sparen.

Bei einem Vorstellungsgespräch sollte neben dem Lohn auch die Pensionskasse ein Thema sein. Foto: Endopack (iStock)

Bei einem Vorstellungsgespräch sollte neben dem Lohn auch die Pensionskasse ein Thema sein. Foto: Endopack (iStock)

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Wer die Stelle wechselt, kann sich nebst einer neuen Herausforderung oft auch über mehr Lohn freuen. Dass trotz mehr Salär unter dem Strich manchmal weniger übrig bleibt, dessen sind sich viele nicht bewusst. Der Grund dafür sind die Vorsorgeleistungen des Arbeitgebers. Eine schlechtere Pensionskasse kann den Gehaltsanstieg zunichtemachen. Es lohnt sich, genau hinzuschauen. Denn die meisten sparen im Verlauf ihres Erwerbslebens auf keinem anderen Konto so viel Geld wie in der beruflichen Vorsorge. Die folgende Übersicht hilft, vor einem Stellenwechsel bei der Finanzierung der Altersvorsorge Klarheit zu schaffen:

  • Arbeitgeberbeitrag: Entscheidend ist, wie viel der Arbeitgeber zum persönlichen Alterssparkapital beiträgt. Wenn in einem Vorstellungsgespräch über den Lohn verhandelt wird, sollten auch die Leistungen der beruflichen Vorsorge ein Thema sein. Am einfachsten ist es, wie beim Lohn über einen Frankenbetrag zu diskutieren. Denn die Vorsorgeleistung ist im Grunde ein Lohnbestandteil. Erst wenn sie zum Salär hinzugerechnet wird, weiss der Angestellte, wie viel er von einem Arbeitgeber erhält, und kann den Gesamtbetrag mit jenem des bisherigen Arbeitgebers vergleichen. Eine weitere Orientierungshilfe kann der Anteil des Sparbeitrags am BVG-Lohn sein. Für 55-jährige und ältere Personen muss er mindestens 18 Prozent des versicherten Lohns betragen. Bei den attraktivsten Arbeitgebern können es aber bis zu 30 Prozent sein, wie Patrick Spuhler, Pensionskassenexperte und Gründungspartner der Vorsorgeberaterin Prevanto, erläutert. Es sei aber wichtiger, welchen Anteil der Arbeitgeber am Sparbeitrag leiste – und zwar in Franken.

  • Verzinsung: Die Verzinsung gibt Auskunft darüber, wie rasch sich das persönliche Vorsorgekapital in einer Pensionskasse vermehrt. Aussagen für die Zukunft sind hier schwierig. Aber Zahlen zur Verzinsung der vergangenen drei oder besser noch fünf Jahre sind ein guter Vergleichswert und helfen, eine Pensionskasse beurteilen zu können.

  • Jüngere Angestellte: Der Umwandlungssatz wird oft überbewertet. Er beeinflusst zwar direkt die Höhe der Rente, für eine längerfristige Planung sagt er aber wenig aus. Denn einerseits verändern sich die Umwandlungssätze laufend, und andererseits kann ein tiefer Umwandlungssatz für jüngere Angestellte sogar Vorteile bringen. Denn «bei einem tieferen Umwandlungssatz bietet ein Vorsorgewerk in der Regel eine bessere Verzinsung», sagt Marco Jost von der Pensionskassenberaterin PPCmetrics. Oder mit anderen Worten: Das Vorsorgekapital vermehrt sich schneller, was mit dem Zinseszinseffekt über viele Jahre einen deutlichen Kapitalzuwachs bringt.

  • Ältere Angestellte: Ab einem bestimmten Alter ist der Umwandlungssatz bei der Stellenwahl allerdings matchentscheidend. Denn wer kurz vor der Pensionierung zu einem Arbeitgeber mit einem deutlich tieferen Umwandlungssatz wechselt, kürzt damit seine Rente. «In solchen Fällen ist es manchmal sogar finanziell attraktiver, anstelle des tieferen Umwandlungssatzes die Frühpensionierung zu wählen», stellt Patrick Spuhler fest.

  • Tiefes Gehalt: Wer in Teilzeitpensen arbeitet, ist bei der beruflichen Vorsorge oft finanziell im Nachteil. Der Grund dafür ist der starre BVG-Koordinationsabzug im Umfang der maximalen AHV-Rente, der bei knapp 25'000 Franken liegt. Beträgt der Jahreslohn 80'000 Franken, bleiben nach dem Koordinationsabzug 55'000 Franken übrig, von denen der gesetzlich vorgeschriebene Beitrag für die zweite Säule berechnet wird. Wer nun Teilzeit arbeitet und in zwei Stellen je 40'000 Franken verdient, erhält im Total zwar auch 80'000 Franken. Weil aber der Koordinationsabzug zweimal vorgenommen wird, sind in diesem Fall bei der beruflichen Vorsorge nur 30'000 anstatt 55'000 Franken versichert. Deshalb sehen gemäss Spuhler gute Pensionskassen flexiblere Koordinationsabzüge vor, zum Beispiel in Prozent des Einkommens. Darauf sollte ein Stellenbewerber in Lohnverhandlungen hinweisen und entsprechend eine zusätzliche Vergütung verlangen.

  • Hohes Gehalt: Bis zu 84'600 Franken sind Löhne obligatorisch versichert. Das heisst, bis zu diesem Betrag hat ein Arbeitnehmer Anspruch auf Beiträge des Arbeitgebers. Viele Unternehmen versichern aber auch höhere Gehälter. Wer mehr verdient, sollte sich über die Konditionen im überobligatorischen Bereich erkundigen.

  • Zustand: Der Deckungsgrad einer Pensionskasse sollte über 100 Prozent liegen. Trifft dies zu, ist grundsätzlich genügend Kapital vorhanden, um die versprochenen Renten finanzieren zu können. Liegt er darunter, wird eine Sanierung nötig, und es kommt oft zu Abstrichen bei der Verzinsung des eigenen Guthabens oder gar zu zusätzlichen Lohnabzügen. Gut ist ein Wert zwischen 110 und 120 Prozent, weil ein Reservepolster hilft, schlechte Börsenjahre zu überbrücken. Der Deckungsgrad ist aber nur bedingt aussagekräftig, da weitere wichtige Kennzahlen für die Gesundheit einer Pensionskasse massgebend sind. Er ist aber der wichtigste Indikator.

  • Wahlmöglichkeiten: Pensionskassen haben unterschiedliche Reglemente. Je nach Bedürfnis können diese ein wichtiges Kriterium sein. Wer zum Beispiel bei der Pensionierung lieber das Kapital statt eine Rente beziehen möchte, sollte prüfen, ob die Pensionskasse dies erlaubt. Denn manchmal ist dabei nur ein Teilbezug möglich. Auch die Bedingungen einer Frühpensionierung unterscheiden sich. Schliesslich erlaubt die zweite Säule, im Todesfall Konkubinatspartner im Sinne einer Ehegattenrente zu berücksichtigen. Aber nicht alle Vorsorgewerke bieten das an.

Erstellt: 07.04.2019, 17:58 Uhr

Verbreiteter Irrtum bei der Rechnung

Fachleute machen die Erfahrung, dass viele Angestellte die Leistungen einer Pensionskasse falsch einschätzen. So streben manche irrtümlicherweise möglichst tiefe Lohnabzüge an. Dabei übersehen sie, dass mit einem höheren Abzug für die berufliche Vorsorge auch ein höherer Arbeitgeberbeitrag ins eigene Alterssparguthaben fliesst. «Es gibt frustrierte Personalverantwortliche, die darauf verzichten, ihre ausgezeichneten Vorsorgekonditionen anzupreisen, weil Stellenbewerber diese falsch interpretieren», sagt Marco Jost von der Pensionskassenberaterin PPCmetrics.

Folgendes Rechenbeispiel verdeutlicht dies: Wer bei einem Nettolohn von 60'000 Franken einen Arbeitgeberbeitrag von 7000 Franken erhält, verdient unter dem Strich mehr als jemand mit einem Nettolohn von 62'000 Franken und einem Arbeitgeberbeitrag von 2000 Franken.

Auch bei der Staffelung der Beitragshöhe nach Alter kommt es zu Missverständnissen. Bei den meisten Vorsorgewerken steigen Lohnabzug und Arbeitgeberbeitrag mit dem Alter. Es gibt aber auch Pensionskassen, bei denen diese Werte weniger oder gar nicht steigen. In einem solchen Modell haben junge Angestellte einen deutlich höheren Abzug. So kann bei ihnen der Eindruck entstehen, dass sie finanziell schlechter fahren. Doch tatsächlich erhalten sie aufgrund des ebenfalls höheren Arbeitgeberbeitrags insgesamt mehr Geld.

Wer im Vorstellungsgespräch nach Leistungen der Pensionskasse fragt, erlebt unterschiedliche Reaktionen. So gibt es Firmen, welche die berufliche Vorsorge an eine Sammeleinrichtung ausgegliedert haben und sich kaum damit auseinandersetzen. Andere Unternehmen kennen die Leistungen genau, viele führen sogar eine eigene Pensionskasse. Bei solchen Fragen spürt ein Stellenbewerber zumindest, wie wichtig einem Arbeitgeber die berufliche Vorsorge ist. Zudem zeigt die Erfahrung, dass Firmen mit eigenen Kassen im Krisenfall weniger Sanierungskosten auf Angestellte abschieben. (ki)

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