Billiger Euro – jetzt ein Haus am Mittelmeer?

Der Euro ist günstig, die Immobilienpreise attraktiv. Es scheint eine gute Idee, in eine Immobilie auf Mallorca zu investieren – lohnt sich aber nur, wenn man sorgfältig vorgeht und einiges bedenkt.

Es geht auch bescheidener als dieses Haus im Villenviertel  Son Vida mit 770 Quadratmetern Wohnfläche auf einem Grundstück von 3200 Quadratmetern für 5 Millionen Euro.

Es geht auch bescheidener als dieses Haus im Villenviertel Son Vida mit 770 Quadratmetern Wohnfläche auf einem Grundstück von 3200 Quadratmetern für 5 Millionen Euro. Bild: zvg

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Ruedi Gut, 71, aus dem Berner Mittelland hat seine Ferienwohnung im Südwesten der Insel nun elf Jahre, bereut hat er das nie: zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, zwei Badezimmer, Balkon, Meerblick, das alles in einer gepflegten Anlage mit zweistöckigen Gebäuden. Von seiner Tür sind es 600 Meter zum Meer, rundherum spricht man Deutsch, die Insel ist ihrem Ballermannruf zum Trotz noch immer eine Preziose, und Flüge dahin sind günstig.

240'000 Euro hat Rentner Gut damals bezahlt, der Euro kostete 1,54 Franken, es war 2006. «Das war die Zeit, als die Flüge immer billiger wurden, und ich hatte etwas Geld zur Verfügung. Ich staunte, dass ich meine Wohnung am Meer von zu Hause aus in einem halben Tag erreichen konnte, fünf Stunden von Tür zu Tür.» Weitere Vorteile sah Ruedi Gut in der Umgebung der Überbauung: Drei Golfplätze gibt es in unmittelbarer Nähe, einen Jachthafen, 15 Minuten beträgt die Distanz zum Flughafen.

Die Anzahlung war weg

Ganz ohne Reibungen ging der Kauf aber nicht vonstatten. Ruedi Gut vertraute einem deutschen Makler, entschied sich für eine Wohnung, leistete 30'000 Euro Anzahlung. Dieses Geld gab der Makler dem Verkäufer aber nicht weiter, er hatte Engpässe zu stopfen. Der Verkäufer fühlte sich in der Folge nicht in der Pflicht, er erschien nicht zum Grundbuchtermin, der Verkauf platzte.

Und Ruedi Gut musste erstmal herausfinden, dass Spanien anders war, dass er mit einem Schweizer Anwalt keine Chance hatte, den Mann zu betreiben. Die stolze Anzahlung schien verloren. Er gelangte schliesslich mit dem Makler zur Übereinkunft, dass die 30000 Euro bei einem Kauf aus dessen Portfolio angerechnet wurden. So kam er zu seiner Wohnung, war dabei zwar an den Makler gebunden, aber für Gut stimmte der Deal am Ende doch. «Man muss aufpassen, mit wem man sich einlässt, dass legal verkauft wird und dass die Grundbucheinträge stimmen», sagt er heute.

Schauergeschichten über Fincas, die ohne Anschlüsse an Strom oder Wasser verkauft wurden, oder gar von Verkäufern, die die Immobilie gar nicht besassen, machten früher auf der Insel die Runde, sagt er.

Wer sich aber heute nach einer Immobilie auf den Balearen umsieht, findet im Internet ein riesiges Angebot. «90 Prozent der am Markt verfügbaren Immobilien sind im Netz vorhanden», sagt Ulrike Eschenbecher vom Maklerbüro Porta Mallorquina, in der Schweiz vertreten durch Premier Suisse Estates.

Etablierte Makler wählen

Es ergab darum Sinn, sich bei den etablierten und grossen Agenturen zunächst mal einen Überblick zu verschaffen, um ein Gefühl für die Preise zu erhalten. Als Richtpreis gilt 2500 Euro für den Quadratmeter Wohnung an den eher günstigen Lagen – im beliebten Südwesten der Insel beträgt er glatt das Doppelte.

Einige Überlegungen sollten vorab angestellt werden: Die Vermietung des Ferienheims, damit eine Rendite erzielt werden kann, ist anspruchsvoll. Bis vor kurzem hatten die Hoteliers Mallorcas erfolgreich durchgesetzt, dass Privatvermietungen zu Ferienzwecken schlicht verboten blieben. Seit 2012 ist das entsprechende Gesetz ausser Kraft, aber noch immer braucht eine Lizenz, wer seine Immobilie anderen Touristen zur Miete anbieten will.

Ausserdem steigt dann auch der Verwaltungsaufwand: Website, Betreuung vor Ort, Endreinigungen, Troubleshooting: Dafür braucht es Personal, Geld, Zeit – und Sprachkenntnisse.

Eine Vertrauensperson vor Ort

Selbst wer wie Ruedi Gut die Wohnung nur für sich und die engste Familie braucht, tut gut daran, eine Vertrauensperson vor Ort zu haben. «Bleibt ein Wasserschaden oder ein kaputtes Fenster lange unentdeckt, sind teure Folgeschäden die Regel», sagt Ruedi Gut. Er selbst fand einen deutschen Rentner, der für ein Sackgeld ab und zu zum Rechten schaut.

Die wahren Nebenkosten lauern woanders: Bei Gemeinschaftsanlagen fällt der Unterhalt von Pool und Garten mit bis zu 250 Euro pro Monat ins Gewicht, ein gewissenhafter Makler sollte darüber Bescheid wissen und aufklären. Ruedi Gut hat sich auf der Insel ausserdem ein Auto angeschafft. Die Steuern auf das Gefährt sind in Spanien zwar tief, aber auch das gehört in die Gesamtkalkulation.

Wählt man einen etablierten Makler, der schon länger im Geschäft ist, hat man in der Regel für sämtliche Rechtsgeschäfte einen verlässlichen Partner. Fallstricke bleiben aber. Zurzeit lauert die grösste Gefahr bei fehlenden Baubewilligungen. Der spanische Staat braucht Geld und hat sich dahintergemacht, sämtliche Grau- und Schwarzbauten nachträglich über entsprechende Gebühren zu legalisieren.

«Am besten fragt man schon beim ersten Telefonat, ob sämtliche Bauten, auch kleine Neben - oder Anbauten, legalisiert sind, das heisst, ob die Genehmigungen vorliegen», sagt Ulrike Eschenbecher von Porta Mallorquina. Rechtlich gibt es die Möglichkeit, bis 2016 alles nachgenehmigen zu lassen. Das sollte aber der Makler vorab klären, damit unliebsame Überraschungen ausbleiben.

Ruedi Gut überlegt sich nun, seine Wohnung frühzeitig dem Sohn zu überschreiben, wegen der Erbschaftssteuer. «Im Erbfall würde der Fiskus meinem Sohn 40 Prozent vom amtlichen Wert – in meinem Fall von 180'000 Euro – abzwacken», gibt Gut zu bedenken. Um dies zu umgehen, wechselt die Wohnung wohl irgendwann innerhalb der Familie den Besitzer, Gut behielte das Wohnrecht auf Lebzeiten – ein Modell, das auch in der Schweiz, etwa bei älteren Hypothekarnehmern, gängige Praxis ist.

Als Geldanlage eine Option

Eine Wohnung auf Mallorca ist ab 100'000 Franken zu haben, eine solide Immobilie vielleicht ab 300'000 Franken. Aber lohnt es sich auch? Als Objekt für kurzfristige Rendite aus Vermietungen eher nicht, zu hoch sind Aufwand, Hürden und Risiken in der Parahotellerie. Als Geldanlage, die nicht vererbt werden soll, kann es beim jetzigen Eurokurs aber durchaus eine Option sein. Die Balearen werden wohl attraktiv bleiben, solange das Fliegen günstig ist. Sinn ergibt es aber nur für Anleger, die gerne hingehen und wie Ruedi Gut von der Insel begeistert sind. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.06.2015, 10:51 Uhr

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