Blindes Vertrauen

Was ist von alternativen Währungen zu halten?

Welche Chance hat ein Zahlungsmittel unter politisch Gleichgesinnten? Hinter den Mauern der Berner Reitschule soll Geld gedruckt werden. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

Welche Chance hat ein Zahlungsmittel unter politisch Gleichgesinnten? Hinter den Mauern der Berner Reitschule soll Geld gedruckt werden. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

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Heute werden viele neue Ideen zu Währungen diskutiert. Die bestehenden Zahlungssysteme haben an Vertrauen eingebüsst. Die kürzlich abgelehnte Goldinitiative und der Verein, der sich für neue Schweizer Goldmünzen einsetzt, zeugen davon. Beide basieren auf der Kritik an der staatlichen Papiergeldmaschinerie.

Einen gegenteiligen Ansatz verfolgt die Vollgeldinitiative, die der Zentralbank die totale Kontrolle über das Zahlungs- und Kreditsystem geben und den Beitrag der privaten Banken auf eine rein technische Rolle beschränken will. Mich überrascht diese Initiative: Die Zentralbanken mit ihrer enormen Geldproduktion sind heute eher eine Bedrohung denn ein Garant der Stabilität.

Zahlungsmittel unter politisch Gleichgesinnten

Die Parallelwährung Bonobo, die in Bern lanciert werden soll (Tagesanzeiger.ch/Newsnet vom Dienstag), kommt aus einer anderen Ecke. Die Stichwörter sind «alternativ, nicht gewinnorientiert, demokratisch, sozial, nachhaltig». Der Fokus liegt auf einem regionalen Einsatz des neuen Zahlungsmittels unter politisch Gleichgesinnten. Die Chancen sind verschwindend, dass sich der Bonobo zu einer halbwegs relevanten Parallelwährung entwickelt. Ein Zahlungsmittel hat nur dann eine Chance, wenn es von vielen Personen zur Bezahlung von Gütern und Dienstleistungen gebraucht und akzeptiert wird. Das ist aber keine Frage der politischen Gesinnung. Spätestens wenn «zinslose und risikolose» Darlehen vergeben werden, stellt sich die Frage: Warum sollte man Gleichgesinnten in Geldsachen blind vertrauend Geschenke machen?

Wer Geld (oder andere Werte) ausleiht, ohne dafür entschädigt zu werden, handelt dumm. Und das sind die wenigsten Menschen. Die Geldvergabe muss nicht zwingend in Form eines Kredits erfolgen. Der Geldgeber kann sich auch am Unternehmen des Geldempfängers beteiligen: Statt eines Zinses erhält er einen Gewinnanteil. Das ist unter Muslimen beliebt, weil das islamische Recht Zinszahlungen grundsätzlich verbietet. Bei uns bleiben Optimisten beim Geld, Pessimisten vertrauen auf Gold.

* Hans Geiger ist emeritierter Ökonomieprofessor und SVP-Mitglied. Er setzte sich für Ecopop- und Goldinitiative ein.

Erstellt: 10.12.2014, 18:36 Uhr

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