«Das Goldvreneli erhält einen grossen Bruder»

Fondsmanager Marc Gugerli glaubt, dass die Edelmetallpreise noch höher steigen – aber auch in eine Übertreibungsphase geraten könnten. Mit dem «Goldhans» offeriert er eine Alternative zu Goldfonds.

Libertas, Fraternitas, Pax: Der Goldhans.

Libertas, Fraternitas, Pax: Der Goldhans. Bild: Nicola Pitaro

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Gugerli, Sie sagten schon vor Jahren eine Verdoppelung des Goldpreises voraus – und wurden dafür belächelt.Wie lautet heute Ihre Prognose?
Wie hoch der Goldpreis steigt, kann ich nicht sagen. Das hängt davon ab, wie viel Geld die Notenbanken drucken und wie stark das Papiergeld entwertet wird. Wegen des Belächelns zitiere ich Mahatma Gandhi: Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich, und am Schluss gewinnst du.

Viele Beobachter warnen, es gebe bereits eine Edelmetallblase.
Wer eine Blase finden will, sollte in den Anleihenmärkten suchen. Solch tiefe Renditen sind nur akzeptabel, wenn man auf eine Deflation spekuliert. Tritt die ein, fällt aber das System zusammen, Schulden könnten nicht zurückgezahlt werden. Die Staaten wollen darum eine höhere Inflation und drucken Geld. Damit werden sie so bald nicht aufhören. Deshalb ist es sinnvoll, in Gold und andere Rohstoffe zu investieren. Die sind nicht beliebig vermehrbar. Die Produktion von Gold ist sogar rückläufig, da wegen der tiefen Preise lange Zeit wenig in die Förderung investiert worden war. Aber es stimmt, irgendwann kommt es auch im Edelmetallmarkt zu einer Blase, wie bei den Internetaktien oder im US-Immobilienmarkt.

Wo steht Ihrer Ansicht nach der Goldbullenmarkt zurzeit?
Ich vergleiche ihn mit dem Aktienboom. Als der 1980 begann, wollte man das Wort «Aktien» nicht mehr hören. Ende 1990 befand sich der Swiss-Market-Index unter 1400 Punkten, Ende 2000 auf über 8000. Für mich steht der Goldbullenmarkt, der vor zehn Jahren begann, heute etwa dort, wo sich der Aktienmarkt 1990 befand. Der Goldpreis kann auf mehrere Tausend Dollar je Unze steigen. Die Anleger müssen sich aber bewusst sein, dass er enorm schwanken kann. Davon darf man sich nicht beunruhigen lassen.

Manche Gurus sagen dem Silber eine noch glänzendere Zukunft voraus.
Eine Unze Gold kostet heute 60-mal so viel wie eine Unze Silber. Historisch betrug der Faktor etwa 15. Ich glaube, in diese Richtung bewegen wir uns wieder, weil die Nachfrage der Investoren nach Silber zunimmt und man das Metall auch mehr und mehr in der Industrie braucht. Silber sollte weit stärker zulegen als Gold, sein Preis schwankt aber noch stärker.

Was motivierte Sie, eigene Edelmetallmünzen prägen zu lassen?
Wir, ein paar Kollegen und ich, sind eine Interessengemeinschaft von Edelmetallfreunden. Bei einem Egli-Essen kam die Idee auf, dass das Goldvreneli einen grossen Bruder brauche, den Goldhans.

Welchen Aufpreis zum Edelmetallwert muss man für den Goldhans zahlen?
Für den Goldhans beträgt der Aufpreis circa 5 Prozent. Damit ist er günstiger als das Vreneli, dessen Preis 8 bis 10 Prozent über dem Edelmetallwert liegt. Beim Silberhans, für den Mehrwertsteuer zu bezahlen ist, bewegt sich der Aufschlag im Rahmen handelsüblicher Münzen. Die Nachfrage nach den beiden Münzen bereitet uns Freude.

Umgekehrt hält sich die Nachfrage nach Minenaktien und -fonds in engen Grenzen, was Sie auch bei Ihrem Fonds Gold 2000 spüren.
Im Zuge der Finanzkrise brachen die Goldminenaktien ein, die kleinen und mittleren Minen im Schnitt um bis zu 70 Prozent. Das Geld ist nie richtig zurückgekommen. Edelmetallaktien sind deshalb heute enorm günstig, wie der Gold- und Silberminenindex XAU zeigt. In den letzten Jahrzehnten gab ein Verhältnis des XAU zum Goldpreis je Unze von 0,2 immer ein gutes Kaufsignal für Edelmetallaktien. Bei einer Ratio über 0,3 musste man die Titel verkaufen. Heute beträgt es etwa 0,15 und steht klar auf Kauf.

Dennoch bleibt die Kauflust gering. Was bekommen Sie zu hören, wenn Sie unter institutionellen Anlegern für Ihren Fonds werben?
Neun von zehn institutionellen Anlegern sagen, sie hätten die Hausse verpasst, und die Edelmetallpreise müssten zuerst zurückkommen, bevor sie sich ein Engagement überlegen würden. Institutionelle Anleger sind unterinvestiert in Edelmetallanlagen, egal in welcher Form, ob physisch oder in Form von Minenaktien.

Populärer sind Exchange Traded Funds, die Edelmetalle physisch kaufen. Sie waren Mitinitiator des Gold-ETF der Zürcher Kantonalbank. Wie beurteilen Sie ihn heute?
Ich weiss, dass in der Schweiz die Edelmetall-ETF der Zürcher Kantonalbank und von Julius Bär vollumfänglich gedeckt sind. Bei ausländischen ETF, die teilweise enorme Volumen haben, bin ich mir nicht so sicher, ob sie die Edelmetalle tatsächlich hinterlegt haben oder nur Papierforderungen halten. Man hört, dass das Volumen der ausstehenden Goldderivate den Wert des gesamten bisher geförderten Goldes übersteigt. Das heisst, dass vielen Leuten, die Goldanrechte verkaufen, bewusst sein muss, dass sie das Metall im Bedarfsfall nicht liefern können. Ich wäre nicht überrascht, wenn es da einmal einen Betrugsskandal gäbe.

Besteht die Gefahr, dass der Besitz von Gold verboten wird, wie es 1933 in den USA geschah?
Da sehe ich keine Gefahr. In einer globalisierten Welt funktionieren solche Verbote nicht. In Indien, wo das Gold breit im Volk verteilt ist, gäbe das einen Aufstand. In China wird die Bevölkerung sogar aufgefordert, Gold zu kaufen. Diese zwei Länder treiben die Nachfrage nach Gold zusätzlich an.

Der 44-jährige Marc Gugerli gründete 1999 mit einem Partner den Fonds Gold 2000, der in Aktien kleinerer und mittlerer Gold- und Silberminen investiert. Inzwischen verwalten seine Fonds ein Vermögen von über 1 Milliarde Franken.

Erstellt: 17.10.2010, 20:08 Uhr

Artikel zum Thema

Goldpreis steigt auf neues Rekordhoch über 1'300 Dollar

Rohstoffe Der Goldpreis hat seine Rekordjagd am Dienstag fortgesetzt. Mehr...

Gold mit zehntem Rekord in zwölf Tagen

Rohstoffe Frankfurt Der Goldpreis hat am Mittwoch sein zehntes Rekordhoch innerhalb von zwölf Handelstagen markiert. Mehr...

Rekordjagd bei Gold geht weiter

Edelmetall Die Aussicht auf eine noch grössere Geldschwemme in Japan und den USA hat den Goldpreis am Dienstag auf einen neuen Rekordstand getrieben. Mehr...

Ganz den Edelmetallen ergeben: Fondsmanager Marc Gugerli.

Gold, Dollar und Franken

Der Preis von Gold hat sich seit 1983 mehr als verdreifacht. Besonders in den vergangenen sechs Jahren ist eine markante Steigerung auf bald 1400 Dollar pro Unze zu beobachten. Weil der Goldpreis in Dollar fixiert wird und sich dessen Wert mehr als halbierte, ergibt sich für einen Schweizer Anleger eine andere Rechnung. In Franken gerechnet, stieg der Goldpreis seit 27 Jahren um etwa 50 Prozent. Ähnlich erging es der bekanntesten Schweizer Goldmünze. Der Preis des Vreneli passt sich recht genau dem Goldwert in Franken an (Grafik). Ähnlich wird es auch dem neu geprägten Goldhans gehen. Die in Le Locle geprägte Münze mit einer Reinheit von 99,99 Prozent wiegt eine Unze (31,1 Gramm) und kommt für rund 1400 Franken auf den Markt (Valor 11 565 346; www.goldhans.ch).

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Zeigen Flagge: Luftaufnahme der Flaggen-Zeremonie für die Olympischen Jugendspiele, die 2020 in Lausanne stattfinden werden. (19. September 2019)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...