Das dunkle Geheimnis der Wirtschaftsmacht

In Straflagern fertigen chinesische Arbeitssklaven Waren für den Export an. Die Gefängnisse werden geheimgehalten. Lediglich ehemalige Insassen und geheime Filmaufnahmen dokumentieren die missliche Situation.

Arbeiten unter widrigsten Umständen: Screenshot der Dokumentation «Inside the Laogai».

Arbeiten unter widrigsten Umständen: Screenshot der Dokumentation «Inside the Laogai». Bild: AFP

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China ist der grösste Exporteur von Waren weltweit. Ein grosser Teil der Waren kommt nach Europa und Amerika. Der Absatz ist riesig, denn die Güter sind in der Regel unschlagbar billig.

Doch China toppt auch einen anderen Rekord: Mit dem Laogai besitzt das Land das grösste Straflager der Welt. Laogai bedeutet auf chinesisch«Reform durch Arbeit». In Laogai sitzen viele Sträflinge, die als politische oder religiöse Dissidenten verurteilt wurden. Einer der berühmtesten ist Liu Xiaobo, der Friedensnobelpreisträger sitzt wegen «Untergrabung der Staatsgewalt».

China tut alles daran, Laogai so weit wie möglich unter Verschluss zu halten. Der Grund: In Laogai fertigen Häftlinge unter den schlechtesten Bedingungen Waren an. Kleidung, Kunsthaare, Spielwaren, Glühbirnen, was auch immer der Kunde wünscht, Laogai liefert es.

Wer sich widersetzte wurde geschlagen

«Al Jazeera» sprach in einem Dokumentarfilm mit Abigail, einer jungen Chinesin, die als Mitglied einer christlichen Freikirche verhaftet wurde und einst ins Laogai eingeliefert wurde. Wie viele Dissidenten wurde sie ohne Gerichtsverhandlung verurteilt. «Mein erster Eindruck von Laogai war, dass es sich nicht um ein Gefängnis handelt, sondern um die Hölle auf Erden», sagt sie. Wenn sie abends von der Fabrikarbeit zurückkehrte, sei ihr Körper eiskalt gewesen. Die Arbeit sei kompliziert und langwierig, 16-stündige Arbeitstage die Regel. Wer abends nicht fertig wurde, sei geschlagen worden.

Auch eine anderer Häftling spricht von Gewalt:«Wir wurden nicht bezahlt, wir wurden zur Arbeit gezwungen. Wer sich widersetzte wurde geschlagen, mancher zu Tode geschlagen.» In der Dokumentation «Inside the Laogai» zeigten Reporter erstmals Bilder von Laogai (Screenshot). Der Film berichtet davon, dass Häftlinge ungeschützt mit giftigen Chemikalien hantieren oder in asbestverseuchten Minen arbeiten.

Offiziell ist in den USA der Import von Waren aus Laogai verboten. Der Beitrag von Al Jazeera zeigt jedoch, dass China das Import-Verbot häufig umgehen kann. Viel schlechter als die USA steht jedoch Europa da: Bei uns gibt es noch nicht einmal ein Verbot.

(kle)

Erstellt: 25.11.2011, 21:51 Uhr

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