Der CS droht ein Rechtsstreit mit enttäuschten Investoren

Anleger erwägen eine Klage, weil sie sich vor der letzten Kapitalerhöhung zu schlecht informiert fühlten.

CS-Chef Tidjane Thiam an der Generalversammlung im April im Zürcher Hallenstadion. Foto: Urs Jaudas

CS-Chef Tidjane Thiam an der Generalversammlung im April im Zürcher Hallenstadion. Foto: Urs Jaudas

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Es ist die neue Trendlocation für Grossveranstaltungen in Zürich. In der Halle 622 in Zürich-Oerlikon finden von der «Schwanensee»-Aufführung bis zum Rockkonzert zahlreiche Veranstaltungen statt. Am Donnerstag hält die Credit Suisse dort ihre ausserordentliche Generalversammlung ab. Einziges Traktandum ist eine Kapitalerhöhung über 4 Milliarden Franken.

Es ist bereits die zweite Kapital­erhöhung in der Ära von CS-Chef ­Tidjane Thiam. Ende 2015 nahm die Bank rund 6 Milliarden Franken auf. Dies könnte der Bank nun ein juristisches Nachspiel bescheren. Denn einige Investoren beschweren sich darüber, dass sie vor dem Kauf der frischen Aktien nicht über alle notwendigen Informationen verfügten, und denken offenbar über eine Klage gegen die Bank nach.

Die CS weist die Vorwürfe zurück. «Jegliche Haftungsansprüche sind unbegründet», so ein Sprecher. Der Emissionsprospekt vom November 2015 erfülle in allen Aspekten die hohen Anforderungen an ein solches Dokument.

Abschreiber mit Folgen

Das damals aufgenommene Geld diente der CS dazu, das Kapitalpolster zu stärken. Zudem setzte sie es ein, um den Grossumbau der Bank unter dem im Sommer 2015 angetretenen CS-Chef zu finanzieren. Die Kapitaldecke wurde aber schon kurz darauf strapaziert. Nur wenige Monate nach der Transaktion stellte sich heraus, dass es in der Handelsabteilung der Credit Suisse zu Verlusten von gegen 1 Milliarde Dollar gekommen war. Das sorgte Anfang 2016 für grossen Ärger im Management der Grossbank. Denn offenbar wusste die Spitze der Bank nicht genau, was in der Abteilung von Spartenchef Tim O’Hara ablief und wie werthaltig einige ihrer Anlagen waren.

Tidjane Thiam kommt seinem Ziel, die Bank in ruhigere Bahnen zu lenken, einen grossen Schritt näher.

Einige Monate später wurde O’Hara vor die Tür gesetzt. Die Absetzung war zu jenem Zeitpunkt keine Überraschung mehr. Hatte er doch die Handelsab­teilung wenige Wochen vor Bekanntwerden des Abschreibers als «hochprofi­tabel – anhaltend und beständig profi­tabel» bezeichnet.

Nun zeigt sich, dass für die Credit Suisse diese Geschichte noch nicht ab­geschlossen sein könnte. Denn die Anwaltskanzlei Schwärzler aus Schaan und Zürich kritisiert, dass über die späteren Abschreiber und möglichen Verluste in der Handelsabteilung der Grossbank im Prospekt zur Kapitalerhöhung kein Wort zu lesen war. Laut der Bank waren alle relevanten Informationen enthalten.

Je nachdem, zu welcher Gruppe die Investoren gehörten, konnten sie damals für 22,75 Franken respektive für 18 Franken neue Aktien zeichnen. Hätten die Investoren von den möglichen Abschreibern gewusst, hätten sie wohl darauf verzichtet, Wertpapiere der Bank zu jenem Preis zu kaufen. Aktuell sind die Aktien der Bank rund 15 Franken Wert. «Wir sind in Kontakt mit mehreren geschädigten Investoren, vor allem auch aus den USA, und überlegen die Einbringung einer Musterklage», sagt Alexander Amann von der Anwaltskanzlei Schwärzler. Um welche Investoren es sich handelt, gibt er nicht bekannt. In den nächsten Monaten könnte in der Schweiz eine Klage eingereicht werden.

Eile sei nicht geboten, so Amann. Es stehe auch ein zusätzliches Verfahren in den USA zur Diskussion. Ob die Verfahren angestrebt werden, hänge laut dem Anwalt unter anderem davon ab, ob ein Investor die Klagen finanzieren werde.

Kein Börsengang in der Schweiz

Die jetzt anstehende Kapitalerhöhung dürfte der Bank weniger Kopfschmerzen bereiten. Die CS-Spitze um Präsident Urs Rohner will bei den Investoren rund 4 Milliarden Franken aufnehmen und damit ihr Kapitalpolster stärken. Dafür will die Bank rund 400 Millionen Aktien für 10,80 Franken pro Stück ausgeben. Das Vorhaben dürfte der Bank leicht fallen. Zahlreiche Investoren sind offenbar dazu bereit, wieder Aktien zu kaufen. Auch bei den Experten kommt die Kapitalerhöhung gut an.

Für die Analysten der US-Grossbank Morgan Stanley würde die CS mit dem zusätzlichen Sicherheitspolster zu den mit Kapital besser ausgestatteten europäischen Banken gehören. Zudem gehen die Analysten davon aus, dass die einzelnen Sparten der Bank besser geschäften können, wenn sie aufgrund eines dickeren Kapitalpolsters offensiver am Markt auftreten können. Mit der aktuellen Kapitalerhöhung kann sich die Grossbank zudem den Börsengang und Teilverkauf von 20 bis 30 Prozent der Schweizer Tochter sparen. Dieser hätte der Grossbank 2 bis 4 Milliarden Franken einbringen sollen. Das Vorhaben wurde aber von Experten als kompliziert und von Investoren als unnötig kritisiert.

Es ist ein wichtiges Signal für CS-Chef Tidjane Thiam. Er kommt seinem Ziel, die Bank in ruhigere Bahnen zu lenken, einen grossen Schritt näher.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.05.2017, 22:07 Uhr

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