«Der Trend ist: Zurück zum Regionalen»

In der Schweiz gibt es massiv mehr offene Stellen in der Finanzbranche als im Vorjahr. Personalvermittler Philip Jung nennt Gründe für diesen Anstieg.

«Nachlassendes Vertrauen in die Grossbanken»: Angestellte am Zürcher Paradeplatz.

«Nachlassendes Vertrauen in die Grossbanken»: Angestellte am Zürcher Paradeplatz. Bild: Keystone

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Kantonal- und Raiffeisenbanken suchen erstmals zusammen mehr Personal als die Grossbanken UBS und Credit Suisse. Wo sehen Sie die Gründe für diesen Anstieg?
Zum einen hat vor allem die Raiffeisenbank in den letzten Jahren gut expandiert, eröffnet weiter neue Filialen und braucht deshalb neues Personal. Zum anderen geniesst die Raiffeisenbank zunehmend Sympathie bei den Kunden, weil sie eine Genossenschaft ist und somit nicht gewinnorientiert arbeitet.

Lässt sich dieses Wachstum auch mit einem Vertrauensverlust gegenüber den Grossbanken erklären?
Das ist sicher so. Die Kunden haben genug von der Abzockermentalität der Grossbanken und erhoffen sich mehr Stabilität bei den anderen Banken.

Haben sich die Kantonal- und Regionalbanken besser an die neuen Verhältnisse in der Branche angepasst?
Vor allem Kantonalbanken werben damit, dass sie sich näher bei den regionalen Kunden sehen. Ich denke, das ist ein allgemeiner Trend in der Branche. Zurück zum Regionalen.

Es werden hauptsächlich Spezialisten für die Rechtsabteilungen gesucht. Bedeutet dies aber auch, dass sich die kleinen Banken für drohende Klagen in Sachen Steuerstreit rüsten?
Bei der ZKB ist das ganz sicher so, da weiss man, dass noch was kommen wird. Es ist aber generell so, dass die Auflagen der Behörden und der Finanzmarktaufsicht zunehmen und so immer mehr den Finanzmarkt regulieren. Das Reporting wird immer wichtiger und aufwendiger. Aus diesem Grund müssen entsprechende Abteilungen neu aufgebaut oder aufgestockt werden.

Weiter gefragt ist auch Personal im Bereich der institutionellen Kunden wie Pensionskassen und Versicherungen. Wittern kleinere Banken eine Chance bei grossen Institutionen?
Natürlich werden auch institutionelle Anleger interessant, wenn sich eine gewisse Verunsicherung gegenüber den Grossbanken feststellen lässt. Bedingt durch das Wachstum ist es aber auch logisch, dass diese Kunden an Wichtigkeit gewinnen für die Raiffeisenbank.

Im Bereich Kundenberatung suchen vor allem Privatbanken und Auslandbanken vermehrt nach neuem Personal, wo sehen Sie hier das Ziel?
Das nachlassende Vertrauen in die Grossbanken ist auch den ausländischen Finanzinstituten nicht entgangen. Sie versuchen sich mit dem Argument ins Spiel zu bringen, dass sie eben keine Schweizer Bank sind und somit nicht im Fokus der Steueraffäre stehen. Die Schweiz ist nach wie vor ein attraktiver Markt, da vergleichsweise viel Vermögen vorhanden ist.

Erstellt: 07.07.2014, 12:59 Uhr

Philip Jung, Personalvermittler von PJC.

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