Hintergrund

Die Internet-Kreditkarte für Achtjährige

Mit einer neuartigen Visakarte können Kinder in England bereits ab acht Jahren im Internet shoppen. Das System heisst «Pktmny» und soll Eltern helfen, ihrem Nachwuchs den Umgang mit Geld beizubringen.

Mäuse, Mammon und Moneten: Pktmny will den Umgang mit Taschengeld zum Kinderspiel machen.


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«Wäre es nicht grossartig, wenn es einen einfachen Weg gäbe, das Taschengeld der Kinder zu managen?», fragt die britische Firma Pktmny in einem Video (siehe oben). Dieses steht auf ihrer Webseite, die seit gestern aktiv ist. Pktmny – die Abkürzung steht für «pocket money» (Taschengeld) – bietet Eltern neu eine Prepaid-Kreditkarte für ihre Kinder an (in der Fachsprache wird dies auch als Debitkarte bezeichnet). Damit verbunden ist ein Onlinesystem, über welches das Ausgabeverhalten der Kinder gesteuert werden kann.

Bei Pktmny laden Eltern die Kinderkreditkarte mit einem bestimmten Geldbetrag auf. Über drei Regler auf der Webseite (wöchentliche Ausgabengrenze, Limit pro Transaktion, Grenze für den Bargeldbezug) können sie dann bestimmen, wie viel Kredit die Kinder innerhalb bestimmter Zeiträume aufbrauchen können. Vom System gesperrt ist der Kauf von Dingen wie Tabak, Alkohol oder pornografischem Material sowie der Abschluss von Onlinewetten. Zielgruppe des Angebots sind Kinder zwischen acht und sechzehn Jahren, maximal vier Kinder können pro Person registriert werden.

Das Büro im Süssigkeitenladen

Laut eigenen Angaben ist Pktmny das erste System dieser Art in Grossbritannien. Hinter dem Unternehmen steht eine Gruppe von Eltern, die sich 2009 formiert hat. Konfrontiert mit der Herausforderung, ihrem Nachwuchs den verantwortungsvollen Umgang mit Geld beizubringen (das heisst wahrscheinlich: nervlich am Ende wegen immer neuer Sackgeldforderungen), machten sich die Väter und Mütter ans Tüfteln. Das Büro richtete man in einem Süssigkeitenladen ein, der soeben dicht gemacht hatte. Investoren gesellten sich dazu, als Partner wurde die Kreditkartenfirma Visa gewonnen.

Heute wähnt sich Pktmny stolz, die «fortgeschrittenste» Kreditkarte für Jugendliche anzubieten. Wie ein Sprecher gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet erklärt, gehe es bei Pktmny im Wesentlichen um die Erziehung. Nach der Anmeldung erhalten Eltern und Kinder ein Login zum geschützten Bereich der Webseite. Dort können etwa grafische Auswertungen zum Ausgabeverhalten der Kinder vorgenommen werden. Oder die Kinder können Sparziele für bestimmte Einkäufe – die neue Playstation, der trendige Turnschuh, der eigene Laptop – definieren.

Lukrative Jugenderziehung

Plastikgeld für Kinder anzubieten, ist in Grossbritannien legal, sofern die Eltern ihre Zustimmung dazu geben. Verschiedene Prepaid-Produkte sind bereits auf dem Markt: Typischerweise richten sie sich an Kinder über 13 Jahren und kommen ohne eigentliche Managementfunktionen für das Taschengeld aus. «In der Schule lernen die Kids den Umgang mit Geld kaum», so der Pktmny-Sprecher über die Intention des Systems, das «von Eltern für Eltern» gemacht sei. In einer Testphase hätte sich gezeigt, dass Pktmny der Familie einen besseren Rahmen biete, über Taschengeld und dessen Verwendung zu diskutieren, als es mittels Papier und Kugelschreiber möglich sei.

Gänzlich uneigennützig ist Pktmny allerdings nicht. Einnahmen erzielt die Firma etwa durch eine einmalige Beitrittsgebühr von fünf Pfund sowie durch monatliche Gebühren von einem Pfund pro Kind. Auch beim Kontoaufladen via Kreditkarte der Eltern sowie beim Bargeldbezug werden Gebühren fällig. In die Webseite eingebaut ist auch ein Shop, der einkaufslustige Kinder auf Webseiten dritter Unternehmen weiterleitet. Diese Geschäfte seien auf ihre Eignung für Kinder überprüft, hält der Pktmny-Sprecher fest. Um bei Pktmny gelistet zu werden, bezahlen sie der Webseite eine Gebühr. Weiter erhält Pktmny für jeden Einkauf der Kinder auf den Drittwebseiten eine Kommission im einstelligen Prozentbereich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.11.2012, 13:08 Uhr

«Von Eltern für Eltern»: Britische Kreditkarte «Pktmny». (Bild: pktmny.com)

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