Video-Reportage

Die Konstanzer Wohnung als Zwischenlager für Schweizer Euro-Käufer

Reifen, Kleider, Waschmaschinen: Schweizer, die in Deutschland Ware bestellen, aber Zoll und Gebühren sparen wollen, nehmen den Dienst von Mandy Klein in Anspruch. Mit skurrilen Folgen.

«Das muss man ja auch noch schaffen»: Mandy Klein nimmt in Konstanz Pakete für Schweizer entgegen. (Video: Jan Derrer)

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Der Konstanzerin Mandy Klein war es langweilig. Die Sekretariatsarbeiten für ihren Mann, der selbstständig im Investmentbereich tätig ist, füllten sie nicht mehr aus. Deshalb entschloss sie sich vor zwei Jahren, eine Lieferadresse für Schweizer einzurichten. Im Video schildert Mandy Klein zwischen Paketstapeln, wie ihr Geschäft dank des unerwartet hohen Frankenkurses stark anzog. Und sie erklärt, warum ihr alles ein bisschen viel geworden ist.

Schweizer, die in Deutschland Waren bestellen, können diese an Mandy Klein schicken lassen und dann bei ihr abholen. So profitieren sie von den niedrigen deutschen Preisen und sparen die hohen Verzollungsgebühren der Post und Kurierunternehmen. Auch können Schweizer dank einer deutschen Lieferadresse bei deutschen Online-Shops bestellen, die nicht in die Schweiz liefern. Die Lagergebühren sind von der Grösse abhängig. So kostet ein kleines Paket fünf Euro, ein grosses zehn Euro. Sperriges kostetet 15 Euro und für einen Satz Reifen bezahlt man 30 Euro.

Schweizer Uhren aus den USA für Schweizer

Was als kleine Nebenbeschäftigung begann, wurde mehr als ein Vollzeitjob. Allein die Präsenzzeit beträgt elf Stunden. Geöffnet ist von Montag bis Samstag. Klein lagert die Waren in der eigenen Wohnung. Der Platz wird jedoch langsam knapp. Im Treppenhaus stapeln sich Waschmaschinen, Autosessel, Teppiche und grosse Kartonpakete. In der Wohnung riecht es nach Karton. Fast bis zur Decke reicht der Paketberg.

Obwohl ihr der Paketberg manchmal über den Kopf wächst, denkt Mandy Klein nicht daran, kürzer zu treten. Im Gegenteil. Das Geschäft soll ausgebaut werden. Mandy Kleins Mann Frank, der sie beim Registrieren und Bereitstellen der Waren unterstützt, möchte in Zukunft deutsche Luxusautos und Schweizer Uhren via USA und Deutschland in die Schweiz liefern – zu unschlagbaren Preisen, wie er verspricht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.08.2011, 17:58 Uhr

Konsumentenschutz will billigere Pakete

Zurzeit ist in Bern eine Motion zur Anpassung der Zollverordnung hängig. Sie sieht vor, dass private Spediteure für Kleinsendungen zwingend ein vereinfachtes Verzollungsverfahren anwenden müssen. So würden die Zollgebühren bei Online-Einkäufen im Ausland günstiger, und die Schweizer Konsumenten könnten vom tiefen Euro- und Dollarkurs profitieren. Eingereicht wurde die Motion von SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer. Das Anliegen wird auch vom Schweizer Konsumentenschutz unterstützt. Noch ist aber nicht sicher, ob die Motion tatsächlich im Sinne des Konsumentenschutzes umgesetzt wird. Denn die Eidgenössische Zollverwaltung präsentierte in der Anhörung auch eine Variante, die alles beim Alten belässt. Sprich: Die Verzollungsgebühren würden nicht gesenkt.

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