Die Reichsten bleiben unter sich

Eine neue Studie zeigt, wer in welchem Alter das Vermögen am meisten zu steigern vermag.

Im Alter zwischen 65 und 75 Jahren liegt der Millionärsanteil bei 19 Prozent. Foto: Getty Images

Im Alter zwischen 65 und 75 Jahren liegt der Millionärsanteil bei 19 Prozent. Foto: Getty Images

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Die Erforschung der Ungleichheit ist eines jener Themen, die in jüngster Zeit besonders interessieren. In der Schweiz standen bisher die Einkommen im Vordergrund und deren Verteilung über die ganze Bevölkerung. Einen ganz anderen Ansatz hat Peter Moser vom Statistischen Amt des Kantons Zürich gewählt. Er hat sich auf die Vermögen konzentriert.

Anders als bei anderen Untersuchungen interessierte er sich nicht für die Verteilung, sondern für deren Entwicklung bei den gleichen Haushalten über die Zeitperiode von 2006 bis 2015. Dabei stützte er sich auf Steuerdaten aus dem Kanton Zürich von 507’000 Haushalten, die in dieser Zeitperiode permanent besteuert wurden.

Wie Mosers Auswertung zeigt, steigt das Vermögen im Mittel (Median) der Bevölkerung bis zum 50. Lebensjahr nur unwesentlich an. Ab dem 55. Altersjahr bis zum Pensionsalter folgt dann allerdings ein ausgeprägter Vermögenszuwachs. Das mittlere Vermögen hat sich für diese Haushalte in der Untersuchung von 100’000 Franken auf rund 330’000 Franken mehr als verdreifacht. Als Erklärung fügt Peter Moser an, dass die Einkommen ab diesem Alter meist höher sind, während die Kosten etwa für das Aufziehen von Kindern sinken. Dazu kommt, dass vermehrt Erbschaften anfallen und ab der Pension in vielen Fällen gebundene und bis dahin steuerbefreite Vorsorgegelder ausbezahlt werden.

Vermögenszuwachs vor allem bei Mehrpersonenhaushalten

Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt allerdings deutliche Unterschiede, je nachdem, ob es sich um Einpersonen- oder Mehrpersonenhaushalte handelt, und je nachdem, wie reich ein Haushalt zu Beginn schon ist. In den Mehrpersonenhaushalten nehmen die Vermögen ab 50 mehr als doppelt so stark zu wie in den Einpersonenhaushalten. Das Alter bezieht sich dabei auf die steuerpflichtige Person des Haushalts. Als wichtigen Grund für den stärkeren Vermögenszuwachs bei Mehrpersonenhaushalten nennt Moser die grössere Wahrscheinlichkeit, dass sowohl Ehemann wie Ehefrau von Erbschaften profitieren.

«Je wohlhabender ein Haushalt bereits 2006 war, desto stärker nahm sein Vermögen in der folgenden Dekade zu», stellt der Statistiker zur Bedeutung der Anfangsvermögen fest. Am meisten legen die Vermögen der Reichsten in der Altersspanne von 30 bis 49 Jahren zu. Ein Haushalt mit einem Millionenvermögen aus dieser Kategorie konnte im Mittel sein Vermögen um rund 500’000 Franken steigern. Von allen untersuchten Haushalten zählten nur 3 Prozent zu dieser Kategorie. Ein Millionärshaushalt zwischen 50 und Pensionsalter konnte sein Vermögen im Mittel «nur» um 320’000 Franken steigern. In dieser Alterskategorie ist aber der Anteil der Millionäre bereits auf 11 Prozent gestiegen.

Vermögen für Erbschaft schonen

Im Alter zwischen 65 und 75 liegt der Millionärsanteil dann bereits bei 19 Prozent. Diese Haushalte können ihr Vermögen hingegen kaum mehr steigern. Bei den Einpersonenhaushalten nehmen die Vermögen der Reichsten dieser Altersgruppe im Mittel sogar leicht ab. Das gilt aber auch für all jene mit geringeren Vermögen. Ein deutlicher Vermögensverzehr ist aber dennoch nicht zu beobachten, und bei den Mehrpersonenhaushalten bleiben die Vermögen sogar ziemlich konstant. Moser begründet das damit, dass die Senioren von den Altersgutschriften leben können und ihr Vermögen für eine Erbschaft schonen wollen.

Haushalte mit einem Einkommen von weniger als 50’000 Franken können kaum Vermögen bilden.

Wenig überraschend steigen die Vermögen nicht nur bei den bereits Reichsten am stärksten an, sondern auch bei jenen mit den grössten Einkommen. Haushalte mit einem Einkommen von weniger als 50’000 Franken können dagegen unabhängig vom Alter kaum Vermögen bilden. Bei Personen im Alter zwischen 30 und 75 ist das mit 34 Prozent ein Drittel aller betrachteten Haushalte.

Untersucht hat Peter Moser schliesslich auch, wie wahrscheinlich ein Aufstieg oder ein Abstieg beim Vermögen ist – die sogenannte Vermögensmobilität. Der Statistiker schreibt dazu: «Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Haushalt mit einem Vermögen von 0 bis 50’000 Franken im Verlauf eines Jahrzehnts ein Millionärsvermögen anhäuft, liegt in allen Altersgruppen unter 2 Prozent – und ähnlich unwahrscheinlich ist das Umgekehrte.» Blendet man aber die Reichsten und die Ärmsten aus, zeigt sich eine grössere Mobilität: Die Haushalte im Erwerbsalter steigen öfter in höhere Klassen auf, als dass sie absteigen. Bei den Personen im Rentenalter ist davon allerdings nicht mehr viel zu sehen.

Unter den Allerreichsten sind zwei von drei Rentner

Besonders tief ist die Mobilität bei den Allerreichsten. 72 Prozent des reichsten Zehntels der Steuerpflichtigen gehörten auch nach zehn Jahren noch zu dieser Gruppe, beim reichsten Tausendstel trifft das auf 56 Prozent zu. Um zum reichsten Zehntel zu gehören, war 2006 ein Vermögen von 773’000 Franken nötig. Zu dieser Gruppe gehörten 51’000 Personen, die 73 Prozent aller Vermögen versteuerten. Im reichsten Tausendstel der Zürcher Steuerzahler besass einer von 500 Haushalten im Jahr 2006 ein Vermögen von 24,1 Millionen Franken. Ihr Anteil an den Vermögenssteuern lag noch immer bei 17 Prozent. Rentner bilden unter den Allerreichsten eine Mehrheit von rund zwei Dritteln.

Nicht nur ein Abstieg von ganz oben ist unwahrscheinlich, ebenso ein Aufstieg von ganz unten. «Von jenen, die sich 2015 unter den reichsten 10 Prozent befanden, stammen nur 2,6 Prozent aus dem untersten Viertel der Vermögensverteilung», schreibt Moser.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 15.03.2019, 19:14 Uhr

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