Die Spekulanten lassen vom Franken ab

Für Hedgefonds war der Franken lange buchstäblich Gold wert. Nach den Massnahmen der Nationalbank aber steigen sie plötzlich aus.

Massnahmen der Nationalbank haben der Frankenspekulation mindestens psychologisch einen Dämpfer versetzt: Wertpapierhändler (Frankfurt, 18. August 2011).

Massnahmen der Nationalbank haben der Frankenspekulation mindestens psychologisch einen Dämpfer versetzt: Wertpapierhändler (Frankfurt, 18. August 2011). Bild: Keystone

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«Über Monate hinweg schien der Franken risikofrei. Doch die Interventionen der Nationalbank haben diese Optik auf einen Schlag verändert», sagt Axel Merk, ein auf Währungsgeschäfte spezialisierter Fondsmanager in Palo Alto. «In den letzten Tagen sind die Spekulanten deshalb aus dem Franken-Geschäft ausgestiegen.» Damit dürfte der Aufwärtsdruck fürs Erste gebrochen sein.

Der Prominenteste der Hedgefonds, die auf einen steigenden Franken gesetzt hatten, war der 1975 gegründete Bridgewater Associates in Connecticut, der mit einem verwalteten Vermögen von über 100 Milliarden Dollar als der Grösste seiner Art gilt. Der Fonds hat dieses Jahr eine Rendite von über 20 Prozent erzielt – und dies in einem Umfeld, das den meisten Fondsmanagern massive Verluste eintrug. Wie das «Wall Street Journal» mit Verweis auf Fondsinvestoren schreibt, setzte Bridgewater schon früh auf den Höhenflug des «Swissie», parallel zu umfangreichen Investitionen in Gold und US-Staatsanleihen.

Aviva: 20 Prozent Gewinn

Die gleiche Strategie verfolgten die in Chicago ansässige Spectrum Asset Management und die in London stationierten Aviva Investors. Aviva hatte den Franken im Frühling bei 98 Rappen pro Dollar erworben und beinahe perfekt bis auf unter 75 Rappen gehalten – gut 20 Prozent Gewinn in wenigen Monaten. Aviva ist einer der grössten Spieler im Währungsmarkt mit über 371 Milliarden Dollar an institutionellen Anlagen.

Bridgewater, Spectrum und Aviva weisen seit Anfang Jahr durchweg positive Renditen aus; unter anderem wegen ihrer Franken-Geschäfte. Die Mehrheit dieser Makro-Fonds, die auf grosse Wirtschaftstrends und Währungsverschiebungen setzen, dagegen ist im Minus – im Schnitt um über 3 Prozent.

Erster Erfolg der Nationalbank

Dieser Höhenflug gerät nun ins Stocken: Die Massnahmen der Nationalbank hätten der Spekulation mindestens psychologisch einen Dämpfer versetzt, sagt Fondsmanager Merk. Alle drei Fonds haben ihre Franken-Position in den letzten zehn Tagen stark abgebaut oder ganz aufgelöst. Aviva drehte die Position sogar völlig um und setzt nun auf einen sinkenden Franken. Bereits früher aus dem Franken ausgestiegen ist Merk. «Der Franken ist substanziell überbewertet, weshalb wir unsere Position schon im Frühling verkauft haben», sagt der Fondsmagager, der rund 700 Millionen Dollar verwaltet. Für besonders stark überbewertet hält er den Franken im Vergleich zum Euro, während er den Dollar als fundamental derart schwach betrachtet, dass eine weitere Abwertung nur eine Frage der Zeit sei.

Dass die Nationalbank fürs Erste erfolgreich war, liest Merk am Verhältnis des Frankens zum Goldpreis ab. Die beiden Anlagen bewegten sich bis Anfang August im Einklang nach oben – was ihren Status als sicheren Hafen widerspiegelt. Nach der Intervention der Notenbank brach diese parallele Entwicklung ab. Seither sinkt der Franken, der Goldpreis steigt weiter. Ob damit der Franken gerettet ist, bleibt abzuwarten. Marktverzerrungen können Monate und Jahre anhalten, so Merk.

Immerhin haben Hedgefonds-Manager inzwischen mit dem japanischen Yen die nächste superstarke Währung ins Visier genommen. Sollte indes der Euro erneut unter massiven Druck geraten, wäre es eine Frage der Zeit, bis die Franken-Spekulation wiederauflebt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2011, 15:21 Uhr

Gold und Franken entkoppelt

(Bild: TA-Grafik ib / Quelle: Thomson Reuters)

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