Analyse

Die acht gröbsten Sünden bei Fondsanlagen

Die häufigsten Fehler der Anlegerinnen und Anleger beim Kauf von Anlagefonds. Eine Übersicht.

Es empfiehlt sich, die Ersparnisse möglichst breit in Aktien, Festverzinsliche, Immobilien und Gold zu diversifizieren.

Es empfiehlt sich, die Ersparnisse möglichst breit in Aktien, Festverzinsliche, Immobilien und Gold zu diversifizieren. Bild: Urs Baumann

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Für weniger gewiefte Anleger wären sie eigentlich das Ei des Kolumbus. «Dank diesem Instrument könnten Kleinsparer nämlich genau so geschickt investieren wie professionelle Investoren jeder Grösse», ist der Basler Finanzmarktprofessor Erwin Heri überzeugt. In der Tat: Der mit Abstand wichtigste Entscheid eines jeden Anlegers ist die langfristig strategische Aufteilung der Mittel auf die wichtigsten Anlageprodukte. Der Entscheid also, wie viel Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien, Gold, in den Geldmarkt und in alternative Anlagen wie Hedgefonds, Rohstoffe, Private Equity fliessen sollen.

Zu rund achtzig Prozent wird der Anlageerfolg allein durch diese strategische Aufteilung bestimmt, haben finanzwissenschaftliche Untersuchungen gezeigt. Und mit dem Kauf eines einzigen Strategiefonds könnte ein Investor diese entscheidende Weichenstellung auf einen Streich erledigen.

Einfacher, als man denkt

Mit andern Worten: Erfolgreiches Anlegen ist bei weitem nicht so aufwendig und schwierig, wie die Geldbranche immer wieder suggeriert. Zugegeben, auch im Fondsbereich lauern auf den Anleger verschiedene, mehr oder weniger grosse Stolpersteine. Fast erschlagend ist das fast grenzenlose Angebot. Die Zahl der Anlagefonds ist nämlich noch wesentlich grösser als die Zahl der Einzeltitel, die Qual der Wahl deshalb auch entsprechend grösser. Allein in unserem Land sind mehrere Tausend Anlagefonds zum Vertrieb zugelassen. Auch das Angebot an einfachen Strategiefonds mit fixierten Aktienquoten geht in die Hunderte. «Wann soll ich also welchen Fonds kaufen, und was gilt es dabei sonst noch zu beachten», lautet deshalb die Gretchenfrage der Anlegerinnen und Anleger. Antworten kommen von der Fondsbranche auch ohne Verzug. Verschiedene Banken wie beispielsweise die St.Galler Privatbank Wegelin oder das VZ Vermögenszentrum stellen im Hinblick auf die jährliche Fondsmesse jeweils die nützlichsten Tipps für die Fondsanlage zusammen. Diese Zeitung hat diese Tipps geprüft, ergänzt und in einer Art Hitparade zusammengefasst.

  • 1. Trachte nicht nach dem kurzfristigen Gewinn: Anlagefonds eignen sich zum mittel- und langfristigen Sparen. Für kurzfristige Spekulationen gibt es geeignetere Instrumente.
  • 2. Vermeide das Market-Timing: Der Versuch, mit dem Kauf eines Fonds bis zum «günstigsten» Zeitpunkt zuzuwarten, scheitert regelmässig. Sogenanntes Market-Timing führt im Gegenteil in der Regel zu einem prozyklischen Verhalten. Man kauft, wenn die Börse bereits Höchststände erreicht hat, und verkauft panikartig in der Baisse. Der beste Rat lautet hier also: Wer etwas Geld auf der Seite hat, soll einen Teil sofort, den Rest dann zeitlich gestaffelt investieren.
  • 3. Vorsicht bei angeblich «heissen» Themenfonds: Auf Themen zu fokussieren, die gerade gross in Mode sind, ist wenig erfolgversprechend. So kauften viele Anleger im New-Economy-Boom der Jahrtausendwende Technologiefonds und verloren ihr Geld dann im Crash zum Teil komplett. Ähnliches passierte während der Finanzkrise mit BRIC-Fonds. Fazit: Bei Themenfonds ist allergrösste Vorsicht geboten. Sie werden in aller Regel gerade dann angeboten, wenn das Thema bereits ausgereizt ist.
  • 4. Passiv schlägt aktiv: Die Investoren überschätzen immer wieder die Fähigkeiten eines aktiven Managements von Anlagefonds. Mit passiv anlegenden Indexfonds oder Exchange-Traded Funds (ETF) sind sie im Zweifelsfall klar besser beraten.
  • 5. Kein Fonds ist immer der beste: Anlagefonds, die sich in der Vergangenheit ausgezeichnet haben, sind nicht notwendigerweise auch die Gewinner der Zukunft. Allzu oft ist genau das Gegenteil der Fall. Eine noch so tolle historische Performance eines Fonds schützt also nicht vor künftigen Verlusten.
  • 6. Kosten spielen eine wesentliche Rolle: Gerade in einem Umfeld tiefer Zinsen sind die Kosten von Anlagefonds von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Auf längere und lange Sicht erzeugen Unterschiede von einem oder zwei Prozent enorme Renditeunterschiede.
  • 7. Trau, schau wem: Hohe Renditeversprechen sind ein unmissverständliches Alarmzeichen. Wie die Fälle von Dieter Behring, Bernard Madoff und Konsorten gezeigt haben, achten Anleger häufig nicht genug auf die Transparenz von Fonds. Wer Blackboxes kauft, ist selber schuld.
  • 8. Selbst ist der Mann oder die Frau: Viele Anleger scheuen sich fälschlicherweise, Geldangelegenheiten in die eigenen Hände zu nehmen. Sie vertrauen lieber auf Fachleute und starke Marken. Doch auch sehr bekannte Fondsanbieter haben nicht selten schwache Produkte im Angebot. Vergleichen, vergleichen und nochmals vergleichen, so lautet hier der Rat.

Breit diversifizieren

Fazit: Sorgfältig ausgewählte Strategiefonds oder entsprechende kostengünstige ETF sind für Investoren, die nur über geringe Mittel verfügen, eine runde Sache: Es lohnt sich, breit diversifiziert in Aktien, Festverzinsliche, Immobilien und Gold zu investieren, und zwar für jedermann. Mit einer gleichmässigen Streuung auf diese Anlageklassen hat ein Investor in allen Fünfjahresperioden seit 1970 eine durchschnittliche Rendite von rund sechs Prozent erreicht. Dies pro Jahr, wohlverstanden. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass solche Renditen nicht auch in Zukunft möglich sein sollten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.02.2011, 08:53 Uhr

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