Hintergrund

Die neuen Banknoten gibts vermutlich erst 2014

Die Herausgabe der neuen Notenserie ist schon dreimal verschoben worden. Eine Nullserie wurde letztes Jahr zwar gedruckt, aber die Produktion stockt. Eine Suche nach den Ursachen.

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2008 sollten die neuen Banknoten in Produktion gehen, 2010 in Umlauf gesetzt werden, so der ursprüngliche Plan der Nationalbank. Im Februar 2010 kündigte sie an, die Ausgabe der ersten Noten werde verschoben auf einen Termin «im Verlauf des Jahres 2012». Im letzten Juni dementierte ein Sprecher der Notenbank noch, dass es zu einer erneuten Verschiebung komme. Wörtlich schrieb er dem «Tages-Anzeiger»: «Definitiv kann ich Ihnen sagen, dass es zu keinen neuen Verzögerungen kommen sollte.» Inzwischen steht definitiv fest, dass das Gegenteil richtig ist. Statt Ende 2012 kommen die ersten neuen Noten frühestens Ende 2013. Wahrscheinlicher ist 2014. Vielleicht. Die Nationalbank legt sich nicht mehr auf ein genaues Datum fest.

Über die wahren Gründe der erneuten Verzögerung schweigen sich die Beteiligten aus. Am pointiertesten ist das Schweigen bei Landqart, dem Hersteller von Banknoten und Hochsicherheitspapier in Landquart. «Ich kann Ihnen keine Fragen beantworten», sagt die Firmensprecherin resolut. Alfonso Ciotola, der Geschäftsführer und Delegierte des Verwaltungsrats, habe das so angeordnet.

Mehr versprochen als gehalten

Die Unlust bei Landqart zu kommunizieren, mag man als Indiz dafür deuten, dass der Grund für die neuerliche Verzögerung beim Hersteller für Spezialpapier zu suchen ist. Offiziell liess die Nationalbank nur verlauten, dass «unerwartete technische Probleme aufgetreten» seien. Inoffiziell ist zu hören, dass Spezifikationen versprochen, aber nicht eingehalten worden seien.

Ziel jedes Banknotendrucks sei, den illegalen Nachdruck zu verunmöglichen, sagt Michel Kunz, Chef der mit dem Notendruck beauftragten Orell Füssli. Deshalb sei die Produktion von Banknoten hochkomplex.

Schon die heutigen Banknoten haben acht Sicherheitsmerkmale – darunter etwa die Chamäleonzahl, die je nach Lichteinfall ihre Farbe wechselt. Bei der neuen Serie kommen zusätzliche Elemente zur Anwendung, etwa neue Folien und eine Laminierung, welche die Lebensdauer der Note verlängern soll.

«Die Qualität war nicht konstant»

Die Nationalbank und Orell Füssli bestätigen, dass Mitte 2011 eine Nullserie der neuen Fünfzigernote hergestellt worden ist. Nationalbank-Sprecher Walter Meier bezeichnet das Ergebnis der ersten Nullserie als gut. Die Probleme seien zu Beginn der industriellen Produktion aufgetaucht. «In einer frühen Phase der Produktion stellte man fest, dass die erzielte Qualität nicht konstant war.»

Ob das Problem beim Papierproduzenten zu suchen ist, will Meier nicht sagen. Auch Kunz schweigt sich zu dieser Frage aus. Orell Füssli hat aber in einer Mitteilung festgehalten, dass die Verschiebung «aufgrund von Lieferverzögerungen eines Zulieferanten entstanden» sei. Damit stellt der Notendrucker klar, dass das Problem nicht bei ihm zu suchen ist. Man habe gegenüber den ausländischen Kunden signalisieren wollen, dass Orell Füssli kein Problem habe, sagt Kunz. Das Unternehmen hat über 80 Prozent seiner Notendruckaufträge 2011 von ausländischen Staaten erhalten.

80 Millionen Hunderternoten

Laut Nationalbank-Sprecher Meier dauert es rund neun Monate, bis von einer Banknote die für den Umlauf nötige Menge gedruckt ist. Von der Schweizer Note mit der höchsten Stückzahl – dem Hunderter – sind heute über 80 Millionen in Gebrauch. Weitere neun Monate muss die Nationalbank laut Meier als Vorlaufzeit einkalkulieren – etwa für die Ausrüster von Geldautomaten oder die Bargeldlogistiker, die bei einem Serienwechsel einen grösseren Rücklauf von alten Noten bewältigen müssen.

Das Hinausschieben des Drucks der neuen Notenserie stellt nach Meier kein Sicherheitsproblem dar. Es seien keine Fälschungen der aktuellen Schweizer Noten in Umlauf. Dafür nennt Meier zwei Gründe: Erstens seien die aktuellen Noten technisch noch immer gut und deshalb schwer zu kopieren. Zweitens sei der Währungsraum Schweiz klein und deshalb für Fälscher nicht besonders attraktiv.

Erstellt: 21.02.2012, 08:46 Uhr

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