«Diese Gebühr muss ganz weg»

Die Senkung der Kreditkartengebühr durch die Weko geht für Rolf Hartl vom Verband elektronischer Zahlungsverkehr zu wenig weit.

Die Weko senkt die Gebühren: Kreditkarten von Mastercard und Visa.

Die Weko senkt die Gebühren: Kreditkarten von Mastercard und Visa. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Hartl, die Wettbewerbskommission senkt die Kreditkartengebühren, die sogenannten Interchange Fees, von 0,95 auf 0,44 Prozent. Sind Sie zufrieden mit dem Resultat?
Rolf Hartl: Grundsätzlich ja. Es ist ein Kompromiss, der in die richtige Richtung geht. Wir stellen uns allerdings auf den Standpunkt, dass diese Gebühr ganz abgeschafft werden muss.

Was bedeutet die aktuelle Senkung für die Konsumenten?
Die Weko rechnet mit Kosteneinsparungen von 50 bis 60 Millionen Franken pro Jahr durch die Senkung. Das ist meiner Meinung nach eine zu tiefe Schätzung. Denn das Transaktionsvolumen mit Kreditkarten wird weitersteigen. Ich gehe deshalb von 80 bis 90 Millionen Franken aus.

Wie kann sichergestellt werden, dass die Einsparungen tatsächlich bis zu den Konsumenten gelangen in Form von tieferen Preisen?
Im Detailhandel gibt es genug Konkurrenz. Und es ist ja nicht die erste Senkung bei diesen Gebühren. Auch in der Vergangenheit war es nicht so, dass die Händler die Vorteile selber einsackten.

Wo werden die Konsumenten die Senkung der Gebühr am deutlichsten spüren?
Am meisten wird es natürlich dort einschenken, wo die Gebühren bis jetzt relativ hoch waren. Also etwa bei Reisen oder Luxusgütern.

Was ist mit den Zahlungsspesen beim Onlinekauf, die heute separat verrechnet werden?
Hier ist davon auszugehen, dass diese allmählich nicht mehr separat verrechnet werden. Eine vergleichbare Entwicklung, wie sie bereits bei den Lieferkonditionen zu beobachten ist. Heute zahlt einen Aufschlag gewöhnlich nur noch, wer eine schnellere Lieferung will.

Wo liegt die Schweiz mit dem neuen Gebührenniveau im internationalen Vergleich?
In Europa liegen die Interchange-Gebühren, die von den Händlern an die Kreditkartenfirmen bezahlt werden, mit 0,3 Prozent leicht tiefer als in der Schweiz. Dafür gilt die Gebühr in der Schweiz im Gegensatz zur EU auch bei Firmenkreditkarten. Gleichzeitig besteht in der EU eine solche Interchange Fee auch bei Debitkarten wie Maestro, was in der Schweiz nicht der Fall ist. In der Summe schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich nicht schlecht ab.

Ihr Verband pocht auf eine komplette Abschaffung der Gebühr. Ist eine solche Maximalforderung realistisch?
Auf jeden Fall. Die Kreditkartenfirmen haben genügend weitere Einnahmequellen, um ihr Geschäft äusserst profitabel zu betreiben. Sie verrechnen ja bereits Gebühren für Bargeldbezüge, bei den Wechselkursen für die Fremdwährungen und für die Ratenzahlungen.

Eine vollständige Abschaffung der Interchange-Gebühr hätte zur Folge, dass die Karteninhaber schlechtere Konditionen erhalten würden…
Grösser ist das Risiko, dass sie versuchen, neue Gebühren einzuführen. Dass dies Realität ist, hat Mastercard erst kürzlich bewiesen. Sie verlangen jetzt auch eine Gebühr für die Reservierung eines Betrages. Etwa wenn beim Mieten eines Autos eine Kaution hinterlegt wird. Das haben wir bei der Wettbewerbskommission bereits zur Anzeige gebracht.

In der Schweiz ist nach wie vor Bares Trumpf – weshalb ist das so?
Tatsächlich hält das Bargeld im Handel immer noch einen Anteil von 50 Prozent. Dass man in der Schweiz Vorbehalte hat gegenüber den Kreditkarten, hat damit zu tun, dass sie oft gleichgesetzt werden mit Schulden. Aber tiefere Kosten durch Gebührensenkungen und technische Innovationen werden helfen, das Potenzial der elektronischen Zahlungsmittel besser auszuschöpfen.

Wie würde das beste Zahlungsmittel denn aussehen?
Ich gehe davon aus, dass die Vielfalt von Zahlungsmitteln bestehen bleiben wird und es noch lange Leute geben wird, für die Cash King ist.

Erstellt: 15.12.2014, 20:35 Uhr

Rolf Hartl

Rolf Hartl ist Geschäftsführer des Verbandes elektronischer Zahlungsverkehr. Der Verband setzt sich für tiefe Transaktionskosten beim bargeldlosen Bezahlen ein. Der schweizerische Handel setzt rund 95 Milliarden Franken pro Jahr um. Der Anteil von Kredit-, Debit- und Kundenkarten macht über die Hälfte aus. (Bild: zVg)

Artikel zum Thema

Apple macht iPhone zum digitalen Portemonnaie

Ersetzt das iPhone bald die Kreditkarte? Laut Medienberichten soll das US-Unternehmen Deals mit den Anbietern Visa, Mastercard und American Express ausgehandelt haben. Mehr...

Drei Karten und ihre Tücken

Visa mischt den Markt für Debitkarten auf: Auch die UBS bietet jetzt V-Pay an. Doch was taugt die Maestro-Konkurrenz? Und wie schneidet die Lösung im Vergleich zur Postfinance-Karte ab? Drei Systeme im Test. Mehr...

Wettbewerbshüter verbieten Verrechnungsgebühr für Maestro-Karte

Der Kreditkarten-Anbieter Master-Card darf für die Maestro-Karte keine Interchange-Gebühren erheben. Erlaubt werden diese für eine neue Debitkarte des Unternehmens – jedoch unter Auflagen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...