Einer kauft SNB-Aktien wie wild

Von 1100 auf 1750 Franken: Seit dem Sommer stieg der Preis für das Papier der Nationalbank stark an. Wer steckt dahinter?

Schweizerische Nationalbank in Bern: Ein Aktienkäufer spielt Verstecken.

Schweizerische Nationalbank in Bern: Ein Aktienkäufer spielt Verstecken. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Die Aktie der Schweizerischen Nationalbank steigt und steigt, von 1100 Franken im Juli auf 1750 Franken gestern Abend – plus 60 Prozent. Damit ist der SNB-Valor der absolute Überflieger. Der Schweizer Index blieb in dieser Zeit praktisch stehen. Und niemand spricht darüber.

Was steckt dahinter? Noch wichtiger: Wer kauft?

Bei der Pressestelle im SNB-Headquarter an der Börsenstrasse 15 in Zürich weiss man dazu offenbar nichts. Dort hatte den gigantischen Anstieg noch gar niemand bemerkt, bis die Anfrage erfolgte. Danach gab es das übliche «No comment». Was an der Börse passiere rund um die eigene Aktie, dazu könne und wolle die Zentralbank nichts sagen.

Scharfe Anstiege, abrupte Abstürze

Es gab über die lange Zeit immer wieder scharfe Bewegungen rund um die Aktie einer Bank, die keine richtige ist, sondern ein Wohlstandsmandat des Landes hat. Scharfe Anstiege wechselten mit abrupten Abstürzen ab. Diese werden üblicherweise mit der Dividende erklärt.

Der Kurs der SNB-Aktie. (Quelle: Swissquote)

Die SNB zahlt traditionell 15 Franken auf ihre Aktien aus, von denen eine Mehrheit bei den Kantonen und anderen staatlichen Körperschaften liegt. Legt man diesen Ertrag um auf den bezahlten Preis der Aktie – also deren Kurs –, dann kann die Rechnung für einen auf maximale Sicherheit bedachten Investor aufgehen. Heute mehr denn je. Die Zinsen sind – Nationalbank sei Dank – so tief wie noch nie. Da werden solide Dividendentitel zur Goldader.

So weit, so klar.

Nur: Diesmal schiesst der Titel der SNB derart durchs Dach, dass die Rendite tiefer fällt als je zuvor. Das hängt mit der einfachen Grundformel zusammen, wonach der bezahlte Kurs die Rendite bei gleich bleibender Dividende bestimmt. Steigt der Kurs, muss also der Investor tiefer für eine Aktie in die Tasche greifen, dann sinkt umgekehrt der prozentuale Wert der Dividende im Vergleich zu diesem Preis.

Riesige Volumen für SNB-Verhältnisse

Einfach gesagt: Die Rendite der SNB-Dividende ist beim aktuellen Kurs deutlich unter 1 Prozent gefallen. Beim gestrigen Schlusskurs von 1750 Franken betrug sie genau noch 0,86 Prozent. Historisch gesehen ein Rekordtiefst. Und trotzdem kauft einer jede SNB-Aktie, die auf den Markt kommt.

Die Volumen sind – für SNB-Verhältnisse – riesig. Eine Meldung der Börse, wonach ein grosser Investor eine Meldeschwelle überschritten hat, gibt es nicht. Der grösste private Einzelaktionär der SNB ist ein deutscher Professor. Theo Siegert heisst er, und er könnte theoretisch noch viele Aktien der Schweizer Notenbank aufkaufen, bis er wieder melden muss.

Eine Übernahme ist unmöglich

Sein letzter bekannter Bestand von diesem Frühling lag bei 6,5 Prozent. Bis Siegert 10 Prozent an der SNB erreicht, müsste er allfällige Käufe nicht zu erkennen geben.

Ist also Siegert der grosse Mystery Buyer der Nationalbank? Oder ein anderer Privater?

Dass nämlich ein Kanton oder eine Kantonalbank aus dem Mehrheitspool der SNB-Inhaber massiv Aktien zukaufen würde, ist unwahrscheinlich. Auf der Seite des Aktionariats – bei den staatlichen SNB-Eigentümern – sind die Verhältnisse seit Jahren in Stein gemeisselt. Die Fragen nach dem explosionsartigen Anstieg der SNB-Aktie bleiben unbeantwortet.

Mehr Facebook-Aktien als Zuckerberg

Und damit ist auch unklar, was der Grossinvestor mit der SNB vorhat. Übernehmen kann er sie ja nicht. Eine Möglichkeit ist, dass die SNB als riesiger Hedgefonds nicht mehr als klassische Notenbank betrachtet wird, sondern als aufsteigender Stern am Himmel des Asset-Managements.

Quasi eine Blackrock, Swiss made.

Wie die weltgrösste Asset-Managerin aus Übersee investiert die SNB immer mehr in Aktien. Der Anteil des 700-Milliarden-Portfolios in Aktien ist auf 20 Prozent angeschwollen. Die SNB ist stärker bei Facebook investiert als Gründer Mark Zuckerberg. Der Anteil der SNB an Apple ist gigantisch. Auch sonst ist die Schweizer Zentralbank eine US-Aktienmacht.

Ein absurde Folge der Geldschwemme. Die SNB treibt die Aktienkurse in die Höhe – und kreiert den nächsten Bubble. Und nun springen Privatspekulanten auf den Zug auf und kaufen die SNB-Aktie. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2016, 11:24 Uhr

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