Für die Märkte ist die Zypern-Krise vorbei

Drei Gründe, warum an den Börsen die Kurse der Aktien wieder steigen und Anleihen der europäischen Defizitstaaten begehrt sind.

Plakativer Weckruf: Anti-Toika-Warnung vor dem zypriotischen Parlament in Nikosia. (24. März 2013)

Plakativer Weckruf: Anti-Toika-Warnung vor dem zypriotischen Parlament in Nikosia. (24. März 2013) Bild: Yannis Behrakis/Reuters

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Krise? Welche Krise? So liest sich die aktuelle Botschaft der Märkte. Rund um den Globus steigen die Aktienkurse. An den Obligationenmärkten reissen sich die Händler um spanische und italienische Staatsanleihen, weil die eine bessere Rendite versprechen als deutsche und finnische. Experten sprechen bereits vom besten Quartal seit Ausbruch der Krise.

In den Köpfen der Händler spielt Zypern höchstens noch als potenzielle Destination der Sommerferien eine Rolle. Sonst scheinen die Wirren auf der Mittelmeerinsel bereits abgehakt zu sein. Für die Gelassenheit der Finanzmärkte gibt es drei Gründe.

Erstens: Viele Investoren haben sehr viel Geld verloren, weil sie im letzten Jahr auf einen Eurocrash gesetzt und gegen die Staatsanleihen der Defizitsünder gewettet hatten. Doch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat mit seiner «Wir werden machen, was immer es braucht»-Rede diese Pläne durchkreuzt und die Spekulanten alt aussehen lassen, zumal auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sich klar und öffentlich hinter Draghi gestellt hat. Bei der Zypern-Krise haben die gebrannten Kinder deshalb zunächst Vorsicht walten lassen und zugewartet. Das hat sich ausbezahlt, denn:

Zweitens: Die zypriotischen Banken sind nicht systemrelevant. Deshalb war der Politpoker von Präsident Nikos Anastasiadis von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Weder die EZB noch der IWF noch Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble liessen sich von ihm und seinen Erpressungen bluffen. Und der vermeintliche Joker, Hilfe aus Russland, erwies sich als Niete. Es wurde bald klar, dass Anastasiadis ausser verbalen Drohungen nichts in der Hand hatte und gar nicht anders konnte, als klein beizugeben.

Drittens: Es gibt ja nicht nur schlechte Nachrichten aus Europa. Irland beispielsweise ist – zumindest aus Sicht der Finanzmärkte – bald wieder so weit, ein respektiertes Mitglied der Finanzmärkte zu werden, das privates Geld zu vernünftigen Bedingungen aufnehmen kann. Allerdings hat die Bevölkerung bisher dafür einen horrenden Preis bezahlt. Wer konnte, ist ausgewandert, und wer nicht arbeitslos ist, musste eine Lohneinbusse von durchschnittlich 15 Prozent akzeptieren. Trotzdem liegen die Staatsschulden nach wie vor bei über 120 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Doch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der irischen Wirtschaft hat sich massiv verbessert. Die Exporte boomen wieder. Deshalb glauben die Finanzmärkte auch wieder an die Grüne Insel und erhoffen sich davon eine Signalwirkung.

Auf den Märkten dürfte somit bald wieder Normalität einziehen. Das heisst keineswegs, dass die Eurokrise vorbei ist. Wie es beispielsweise mit Spanien und Italien weitergehen wird, ist derzeit ungewiss. Geraten dort die Banken ins Wanken, dann fängt eine neue Pokerrunde an, bei der die Karten ganz anders verteilt sein werden.

Erstellt: 25.03.2013, 12:05 Uhr

Philipp Löpfe ist Autor im Ressort Wirtschaft von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

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