Hintergrund

Gold glänzt nicht mehr lange

Jahrelang kannte der Goldpreis nur eine Richtung: Nach oben. Dann herrschte ein Jahr Unklarheit. 2013 beschwören Analysten das Gegenszenario herauf – den «Beginn des Endes einer Ära».

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Inflation, Wachstumskrise, Börsenabstürze, Bankenpleiten – die düstersten Szenarien in der Kristallkugel der Wirtschaftsprognostiker haben immer auch ihr Gutes. Im bisherigen 21. Jahrhundert vor allem für Minengesellschaften und Goldhändler. Die letzten Jahre waren für viele Wirtschaftsteilnehmer so verheerend, dass eine Kurve unaufhörlich nach oben drängte: die des Goldpreises. Spricht man mit Rohstoffhändlern, hat man das Gefühl, jede schlechte Nachricht ist willkommen.

Und alles was besser wird, klingt schlecht. Für den Goldpreis. Heute geht eine Mehrheit von Tradern und Rohstoffanalysten davon aus, dass der unaufhörliche Anstieg des Goldpreises in diesem Jahr zu einem Ende kommen wird. Weil es der Weltwirtschaft langsam wieder besser gehen soll. «Der Gipfel der Angstkäufe ist erreicht», schreiben etwa die Londoner Analysten der Investmentbank von Credit Suisse in ihrer Februar-Prognose zum Goldpreis. Aktuell kostet die Feinunze Gold 1616 Dollar – so wenig wie zuletzt im August 2012.

Aus seitwärts wird abwärts

Den Wendepunkt des Angstklimas an den Börsen markiert für den Credit Suisse-Chefanalysten für Edelmetalle, Tom Kendall, jener Tag im Juli 2012, als EZB-Präsident Mario Draghi den Märkten versicherte, die EZB werde alles tun, was nötig sei, um das Auseinanderbrechen der Eurozone zu verhindern. Seitdem seien die Zinsen der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf zwei Prozent gestiegen. Die Gelder seien wieder in die notleidenden südeuropäischen Länder zurückgeflossen. Das Investorenvertrauen sei zurückgekehrt, diagnostiziert Kendall. Das ist schlecht für den Wert des Goldes.

Denn den unaufhörlichen Anstieg des Goldpreises seit 2002 hat das Edelmetall vor allem seiner Funktion als sicherer Hafen für verunsicherte Investoren und Privatanleger zu verdanken. Seit Juli 2012 ist der Preis des Goldes zwar nicht gefallen, hat sich gemäss Kendall aber nur noch «seitwärts» bewegt. Für das laufende Jahr rechnen die Credit-Suisse-Goldexperten mit einem leichten Abwärtstrend.

Investorenlegenden steigen aus

Damit steht das Rohstoff-Research-Team der CS Investmentbank nicht alleine da. Bloomberg berichtete am Freitag über eine umfassende Befragung von Gold- und Rohstofftradern. Zu zwei Drittel gehen sie davon aus, dass der Goldpreis seinen Zenit erreicht hat. Bei den Fondsmanagern ist Umschichten angesagt: Laut Bloomberg reduzierte etwa der Investor George Soros seine Anteile am grössten Goldfonds SPDR Gold Trust um mehr als die Hälfte. Sein Kollege Louis Moore Bacon verkaufte seine Anteile am Goldfonds komplett und reduzierte auch seine Direktinvestments in Goldbarren.

Seit Anfang Jahr ist der Wert des Goldes um 3,5 Prozent gefallen. Noch im vergangenen Jahr hatte der Goldpreis um sieben Prozent zugenommen und damit seine mindestens neunjährige Rally fortgesetzt. Doch die Mehrzahl der Rohstoffhändler geht davon aus, dass es keine Rückkehr zum Rekordwert vom September 2011 mehr geben wird. Damals hatten verängstigte Investoren für eine Unze 1921 Dollar bezahlt.

Ausbleibende Desaster

Massive Goldkäufe der Zentralbanken und reicher Inder und Chinesen haben in den vergangenen Jahren den rasanten Anstieg des Goldpreises unterstützt. Doch auch hier sehen Analysten aus verschiedenen Gründen ein Ende der Fahnenstange erreicht. «Die Welt fällt nicht auseinander, warum sollte man noch in Gold investieren», schreibt der CEO der australischen Commodities-Firma Barratt’s in seinem Newsletter. Der Londoner Trader John Meyer von SP Angel Corporate Finance LLP drückt es so aus: «Zurzeit sehen wir keine unmittelbar bevorstehenden Finanzdesaster. Investoren sind wieder risikobereiter und kehren Gold den Rücken zu.»

Die Bedeutung von Gold als Inflationsschutz dürfte in den Augen vieler Ökonomen in den nächsten Jahren keine grosse Rolle spielen. Eine Ausnahme bilden die Forscher der UBS. Für die kommenden Monate rechnet der Rohstoffanalyst Giovanni Staunovo angesichts der expansiven Geldpolitik von Fed und EZB mit der Möglichkeit, dass der Goldpreis bis auf 1875 Dollar pro Feinunze ansteigt. Der Grund dafür wären verzögerte Zinserhöhungen der Zentralbanken, die eine aufkommende Erholung der Wirtschaft nicht abwürgen wollen und mit negativen Realzinsen vorübergehend den Goldpreis stützen.

Erstellt: 15.02.2013, 16:57 Uhr

Dine Blockade in der US-Politik könnte den Goldpreis stützen: Goldbarren im Tresor der Zürcher Kantonalbank. (Bild: Keystone )

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