Goldinitiative drückt auf den Euro-Franken-Kurs

Der Franken dürfte bis zur Abstimmung über die Goldinitiative nahe an der Untergrenze von 1.2o pro Euro verharren. Die Angst vor den Folgen bei einem Ja zum Volksbegehren ist gross.

Nimmt das Volk die Goldinitiative an, wird sein Spielraum eingeschränkt: Nationalbank-Präsident Thomas Jordan.

Nimmt das Volk die Goldinitiative an, wird sein Spielraum eingeschränkt: Nationalbank-Präsident Thomas Jordan. Bild: Peter Schneider/Keystone

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Der Franken hat sich in den letzten Tagen stark zur Untergrenze von 1.20 pro Euro hinbewegt. Notierte der Kurs Anfang Jahr zeitweise deutlich über 1.23, handelt er heute nur noch knapp über 1.2020.

Ein gewichtiger Grund für den starken Franken ist gemäss Devisenmarktexperten in der Schweiz selbst zu suchen. Sowohl Thomas Flury von der UBS wie auch Ursina Kubli von der Bank J. Safra Sarasin führen die Goldinitiative an, über die das Volk am 30. November abstimmt. «Mit einem Ja würde der Handlungsspielraum der Nationalbank eingeschränkt, die Verteidigung der Untergrenze erschwert», erklärt Flury die Befürchtungen am Devisenmarkt. Würde die Initiative angenommen, müsste die Nationalbank mindestens einen Anteil von 20 Prozent ihrer Reserven in Gold halten.

Will die SNB die Aufwertung des Frankens unter dieser Bedingung verhindern, muss sie nicht nur Euro, sondern zusätzlich auch noch Gold kaufen. Denn sonst fiele der Goldanteil unter die von der Initiative geforderte Quote. «Interventionen auf dem Devisenmarkt werden so schwieriger, die Gefahr steigt, dass sich die Untergrenze nicht halten lässt», sagt Flury. Oder dann müsse die SNB zusätzliche Massnahmen wie Negativzinsen ergreifen, um die Grenze von 1.20 zu verteidigen.

Intervention würde Befürwortern helfen

Die Nationalbank befinde sich zurzeit in einer unangenehmen Lage, sagt Kubli dazu. Zwar habe die SNB bislang nicht interveniert, um die Untergrenze zu halten. «Wäre sie dazu gezwungen, würde dies den Befürwortern des Volksbegehrens in die Hände spielen, da diese mit der Gefahr der hohen Währungsbestände argumentieren», sagt Kubli.

Sie geht aber nicht davon aus, dass die Nationalbank intervenieren müsse, da sie sich seit der Einführung der Untergrenze eine hohe Glaubwürdigkeit aufgebaut habe. Selbst 2012, als Befürchtungen aufkamen, der Euro könnte auseinanderbrechen, hielt die Untergrenze von 1.20.

Und was passiert bei einem Ja zur Initiative? «Die Gefahr wäre gross, dass die Euro-Untergrenze getestet wird», sagt Kubli. «Die SNB wäre dann zu Interventionen gezwungen, um den Devisenmärkten klarzumachen, dass sie die Untergrenze auch mit den kommenden Gesetzesänderungen verteidigen wird.»

Schwaches Europa

Der sinkende Euro-Franken-Kurs steht aber auch im Zusammenhang mit der labilen Lage der europäischen Wirtschaft. «Die europäische Zentralbank (EZB) bringt den Euro mit ihrer expansiven Geldpolitik weiter unter Druck», sagt Flury. An ihrer Sitzung vergangenen Donnerstag hat die Notenbank eine Ausweitung ihrer Bilanzsumme auf das Niveau von Anfang 2012 in Aussicht gestellt. Angesichts der derzeitigen Bilanzsumme von rund 2000 Milliarden Euro käme dies einer Erhöhung um rund 1000 Milliarden Euro gleich.

Diese Ankündigung ist nicht weiter verwunderlich, hat sich die schwache Verfassung der Eurozone durch die neusten Konjunkturdaten bestätigt. Kürzlich hat auch die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose deutlich reduziert. Im laufenden Jahr soll die europäische Wirtschaft noch mit 0,8 Prozent wachsen, im nächsten Jahr mit 1,1 Prozent.

Untergrenze bleibt länger

Thomas Flury glaubt, dass der Franken wieder über 1.21 pro Euro notieren wird, sollte die Goldinitiative abgelehnt werden. Auf dem derzeitigen Niveau sei der Euro-Franken-Kurs nicht im Gleichgewicht. «Denn eigentlich müsste die Erwartung, dass die Nationalbank noch für längere Zeit an der Untergrenze festhalten wird, für einen leicht höheren Kurs sorgen», sagt Flury.

Kubli rechnet damit, dass der Kurs auf dem jetzigen Niveau verharren wird. Die expansive Geldpolitik der EZB werde sich weiter negativ auf das Zinsniveau auswirken, weshalb sich der Euro gegenüber den anderen Währungen abschwächen werde. Die lang ersehnte Hoffnung, der Franken werde gegenüber dem Euro abwerten, rücke damit weiter in die Ferne. Kubli erwartet, dass die Euro-Franken-Untergrenze noch bis 2016 bestehen bleibt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2014, 14:12 Uhr

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