Hintergrund

Goldspekulant verliert 1,5 Milliarden

Der Hedgefonds-Manager John Paulson ist das prominenteste Opfer des Crashs beim Goldpreis. Auch er hat an die Mär einer bevorstehenden Hyperinflation geglaubt.

Das Glück mit dem Gold hat ihn verlassen: John Paulson, Gründer und Präsident der Investmentgesellschaft Paulson & Co., an einer Konferenz in New York. (16. Mai 2012)

Das Glück mit dem Gold hat ihn verlassen: John Paulson, Gründer und Präsident der Investmentgesellschaft Paulson & Co., an einer Konferenz in New York. (16. Mai 2012) Bild: Eduardo Munoz/Reuters

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Börsengewinne sind nicht berechenbar, sondern Glück. Davon ist Daniel Kahneman, Psychologe und Nobelpreisträger für Ökonomie, überzeugt. John Paulson ist der lebende Beweis für diese These. Der Hedgefonds-Manager wurde berühmt, weil er beim Crash des US-Immobilienmarktes frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt und so Milliarden verdient hatte. Bei der Goldpreis-Hausse nach dem Immobiliencrash war Paulson ebenfalls mit von der Partie, doch jetzt hat er offensichtlich den Zeitpunkt zum Aussteigen verpasst. Das hat ihn in den letzten Tagen um 1,5 Milliarden Dollar ärmer gemacht.

Gemäss Angaben der «Financial Times» soll Paulson mehr als die Hälfte des Vermögens von 18 Milliarden Dollar in seinem Hedgefonds persönlich besitzen. Der Preissturz des Goldes von 17 Prozent soll ihn daher rund 1,4 Milliarden Dollar gekostet haben. Dazu kommen noch Verluste auf Minenaktien. Langfristig gesehen sollen Paulsons Investitionen in das gelbe Metall sich allerdings noch in der Gewinnzone befinden.

Eine grosse Ernüchterung

Die letzten Tage sind jedoch für die sogenannten Goldkäfer eine grosse Ernüchterung gewesen. Das «Wall Street Journal» spricht gar von einer «historischen Wende». «Nachdem das Metall von den Massen lange als Mittel umarmt wurde, mit dem man gleichzeitig hohe Gewinne erzielen kann, ohne Volatilität befürchten zu müssen, ist es nun ein gewöhnliches Spekulationsobjekt wie Aktien, Obligationen und Immobilien geworden», stellt das Blatt fest.

Die Wetten auf einen stetig steigenden Goldpreis sind gescheitert, weil sie auf einer falschen ökonomischen These beruhen. Die Geldschwemme der Zentralbanken und die wachsenden Schuldenberge vieler Staaten würden unvermeidlich in einer Hyperinflation enden, warnen konservative Ökonomen seit Jahren. Doch ihre reisserischen Prognosen sind nie eingetroffen. Im Gegenteil: Selbst in den USA, wo die Staatsverschuldung rasant zugenommen hat, ist die Inflationsrate gesunken. Der Teuerungsindex ist im März bloss um 1,5 Prozent angestiegen und liegt damit deutlich unter zwei Prozent, dem erklärten Inflationsziel der US-Notenbank.

Das wird sich so schnell auch nicht ändern. Dies erklärte William Dudley, Präsident des Fed, gestern: «In den nächsten zwei Jahren ist das Risiko, dass die Inflation die 2-Prozent-Hürde überspringt, eher gering, selbst wenn die Wirtschaftslage sich markant verbessern sollte.»

Was die Inflation im Zaum hält

Die Inflation wird durch zwei Faktoren im Zaum gehalten: Erstens gibt es nach wie vor sehr viel Luft in der Wirtschaft, will heissen: Die Produktionsanlagen sind nicht ausgelastet, und die Arbeitslosenquote ist nach wie vor beträchtlich. Daher kommt es zu keinen sogenannten Zweitrundeneffekten wie in den 1970er-Jahren, weder Löhne noch Preise können einfach der Teuerung angepasst werden. Zweitens haben die Zentralbanken mit ihrer seit Jahren verfolgten Politik des Inflations-Targeting, des Festlegens eines Teuerungsziels von zwei Prozent, offensichtlich Erfolg. Ausser ein paar wenigen Inflationshysterikern geht niemand mehr davon aus, dass dieses Ziel in den nächsten Jahren verfehlt werden wird. Damit aber entfällt auch das Motiv, Gold als Schutz vor der Teuerung zu horten.

Auch die zweite Säule der Warner vor einer Teuerung gerät ins Wanken. Die Staatsschulden beeinflussen das Wirtschaftswachstum offenbar weit weniger als bisher befürchtet. Die beiden Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff haben in ihrem Buch «This Time Is Different» ausgerechnet, dass eine Staatsverschuldung von mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) zu erheblichen Wachstumsstörungen führt. Die 90 Prozent sind dadurch so etwas wie eine magische Obergrösse geworden.

Doch nun haben die Harvard-Ökonomen Thomas Herndon, Michael Ash und Robert Pollin nachgerechnet und festgestellt, dass Reinhart/Rogoff offenbar ein peinlicher Rechenfehler unterlaufen sein soll und dass die 90-Prozent-Grenze eine Mär ist. Sollte dies zutreffen, dann beruht auch die Austeritätspolitik auf verfehlten Annahmen.

Erstellt: 17.04.2013, 12:20 Uhr

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