Mieter, aufgepasst!

Steigen die Zinsen wieder, trifft das nicht nur die Hauseigentümer.

Wer in einer Tiefzinsphase umziehen muss, ist den steigenden Kapitalkosten ausgeliefert: Wohnungsbesichtigung in Zürich.

Wer in einer Tiefzinsphase umziehen muss, ist den steigenden Kapitalkosten ausgeliefert: Wohnungsbesichtigung in Zürich. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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In der Theorie ist es so, als ob Ostern und Weihnachten in den letzten Jahren zusammengefallen wären. Seit 2008 sank der Referenzzins, an dem sich die Mieten orientieren, von 3,5 auf 2 Prozent. Damit wären Wohnungen heute 13 Prozent günstiger als vor sechs Jahren. Bei einer 4-Zimmer-Wohnung für ursprünglich 2500 Franken macht das gut 300 Franken – pro Monat.

In der Praxis hat davon nur ein kleiner Teil der Mieterinnen und Mieter profitiert. Viele Verwaltungen haben die gesunkenen Referenzzinssätze nicht weitergegeben – und viele Mieter haben keine Senkungen eingefordert.

Wenn jemand 40 Jahre lang in derselben Wohnung lebt, ist das kein Problem. Hat er in den letzten Jahren keine Mietzinssenkung verlangt, kann der Vermieter auch keine Erhöhung fordern, sobald der Referenzzins wieder steigt. Wer aber während einer Tiefzinsphase umziehen muss, ist den steigenden Kapitalkosten ausgeliefert.

Im Moment ist das kein Problem. Der Referenzzinssatz dürfte nächstes Jahr sogar noch einmal sinken und dann bis Ende 2016 tief bleiben. So lange fällt der Zinssatz als Grund für eine höhere Miete weg. Ab 2017 wird sich das laut den Prognosen der Zürcher Kantonalbank aber ändern. Vor allem jüngere, mobile Menschen, die alle paar Jahre umziehen, weil es der Job oder die Familienplanung verlangen, müssen sich wappnen. Ihre Wohnung könnte innert 21 Monaten um bis zu 12 Prozent teurer werden.

Die Zinswende wird also nicht nur die Hauseigentümer, sondern auch die Mieter wuchtig treffen. Anders als bei den Hauseigentümern, denen die Banken auf staatlichen Druck hin schon jetzt genauer auf die Finger schauen, fragt bei den Mietern niemand, ob sie sich die neue Wohnung auch nach der Zinswende leisten können. Und anders als die Hauseigentümer, die dank den tiefen Zinsen heute Geld sparen, haben viele Mieter die letzten Jahre nicht von tieferen Kosten profitiert.

Das ist zum Teil auch selbst verschuldet – und liesse sich ändern, wenn die Mieter die ihnen zustehenden Mietzinsreduktionen einfordern würden. Bis zur ersten Zinserhöhung dauert es noch gut zwei Jahre. Bei besagter 4-Zimmer-Wohnung liessen sich 7200 Franken sparen. Immerhin.

Erstellt: 26.05.2014, 07:07 Uhr

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