Milliardären-Land Schweiz: Das sind die Reichsten der Reichen

Das Ranking der «Bilanz» zeigt, wer zugelegt und verloren hat, wo am meisten Reiche wohnen und wie sie im internationalen Vergleich abschneiden.

Ist vor allem bekannt für sein Engagement bei der Schweizer Rennjacht Alinghi: Unternehmer Ernesto Bertarelli. Foto: Getty Images

Ist vor allem bekannt für sein Engagement bei der Schweizer Rennjacht Alinghi: Unternehmer Ernesto Bertarelli. Foto: Getty Images

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Seit Jahrzehnten verleiht das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» den Reichsten im Land ein ganz besonderes Prädikat: Wer zum exklusiven Kreis der 300 Vermögendsten in der Schweiz gehört, wird in einer Sonderausgabe erwähnt. Wir haben für Sie eine Auswahl zusammengestellt.

Die Reichsten der Reichen

Sie haben richtig viel Geld: Die Top Ten der diesjährigen Rangliste ist 221 Milliarden Franken schwer. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind sie noch einmal 10 Prozent reicher geworden. An der Spitze sind seit Jahren die Vertreter der Ikea-Familie. Seit dem Tod von Ingvar Kamprad nehmen seine drei Söhne den Platz in der Rangliste ein.

Die Ikea-Erben stehen unangefochten an der Spitze. Ihren Reichtum beziffert die «Bilanz» mit rund 54 bis 55 Milliarden Franken als rund doppelt so hoch wie das der Familien Hoffmann und Oeri, die hinter dem Pharmariesen Roche stehen. Neu in den Top Ten ist Gennadi Timtschenko. Er wurde mit der in Genf domizilierten Ölhandelsfirma Gunvor reich. Knapp nicht geschafft hat es die Familie Blocher. Die «Bilanz» schätzt ihr Vermögen auf rund 11 bis 12 Milliarden Franken.

Was viele der Reichsten miteinander gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie nicht nur in der Schweiz beheimatet sind. Gleich zwei in den Top Ten listet die «Bilanz» etwa für Brasilien auf: die Familie Safra und Jorge Lemann. Damit sind mehr Personen aus den Top Ten in Brasilien zu Hause, als Reiche aus dem Kanton Jura überhaupt Eingang in die Liste gefunden haben. Der jüngste Schweizer Kanton sowie Uri, Appenzell Innerrhoden und Neuenburg haben keinen Vertreter in der Rangliste der 300 Reichsten. Dagegen sind in Zürich, Genf und Schwyz am meisten Reiche ausgewiesen.


Die Gewinner und Verlierer

Auch Vermögende haben mal ein schlechtes Jahr. Da kann es schon einmal sein, dass 1 Milliarde Franken weniger an Vermögen da ist, wie etwa bei der Uhrenfamilie Hayek.

Auf der anderen Seite gab es aber auch Vermögende, die mehrere Milliarden zulegten. Das hat vor allem mit der Situation an den Börsen zu tun. So profitierte etwa der Telecomunternehmer Patrick Drahi von seiner Firma Altice. Der Wert der Aktie hat im Verlauf des Jahres 2019 um 200 Prozent dazugewonnen.

Wie die «Bilanz» schreibt, hat nur jeder Sechste in der Rangliste wirklich an Vermögen zulegen können. Der Rest stagnierte oder verlor sogar Geld. Allgemein ist das Vermögen aller 300 Gelisteten um 27 Milliarden angestiegen, auf zusammen 702 Milliarden Franken.


Die Ärmsten der Reichen

Wo jemand an der Spitze einer Rangliste steht, muss auch jemand am Ende stehen. Zugegeben ist dies natürlich verschmerzbar, wenn weiterhin ein Vermögen von 100 bis 150 Millionen vorhanden ist. Unter den Ärmsten der Reichsten gibt es viele Prominente, die man nicht in erster Linie mit Reichtum in Verbindung bringt.

So etwa auch Hausi Leutenegger. Ja, Sie haben richtig gelesen: Der ehemalige Schauspieler – Übername: «Burt Reynolds der Alpen» – und Bobfahrer, der gern und oft seinen Olympiasieg betont, ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er besitzt dank seiner Hans Leutenegger AG 100 bis 150 Millionen Franken. Die Firma beschäftigt rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bietet Personaldienstleistungen in verschiedenen Branchen. Leutenegger, bald 80 Jahre alt, hat die Firma selber aufgebaut.

Auch Michelle Hunziker und ihr Ehegatte Tomaso Trussardi schafften es noch knapp auf die Liste. Trussardi wurde mit der italienischen Modemarke Trussardi reich. Allerdings sind die beiden weniger vermögend als auch schon. Im vergangenen Jahr schätzte die «Bilanz» das Vermögen der beiden auf noch 250 bis 300 Millionen Franken. Der Grund: Trussardi verkaufte 60 Prozent seiner Modemarke. Dabei wurde die Firma weit tiefer bewertet als gedacht.

Anders sieht die Situation bei UBS-Chef Sergio Ermotti aus. Er ist neu bei den 300 Reichsten dabei. Die «Bilanz» rechnet vor: Allein in den acht Jahren als Chef der UBS erhielt er 90 Millionen Franken. Dazu kommt ein Aktienpaket mit einem Wert von fast 40 Millionen Franken. Und auch vor seiner Zeit bei der UBS hat Ermotti schon gut verdient. Deshalb schätzt man sein Vermögen auf 100 bis 150 Millionen Franken.


Die Auffälligen: Babyernährer, Viehzüchter und Tennisgott

Unter den 300 Reichsten gibt es etliche Familien. Zwei davon verbindet seit neustem eine gemeinsame Branche. Die Familie Hipp macht seit Jahren vor allem mit Babynahrung richtig viel Geld. Ihr Vermögen wird auf 900 bis 1000 Millionen Franken geschätzt. Konkurrenz im Geschäft mit der Babynahrung macht neuerdings ein Spross aus der Familie Jacobs, die selber über 10 Milliarden schwer ist. Nathalie Albin-Jacobs ist Verwaltungsratspräsidentin bei Nübee. Sie gründete 2017 die Firma, die zurzeit in einer grossangelegten Kampagne für ihre Bio-Babynahrung wirbt.

Ganz anders zu Geld ist Daniel Vasella gekommen. Er war jahrelang an der Spitze des Pharmakonzerns Novartis und verdiente in seiner Doppelrolle als Verwaltungsratspräsident und CEO viel Geld. Er erhielt teilweise über 40 Millionen Franken pro Jahr, was ihm entsprechende Kritik einbrachte. Nach seinem Rücktritt war er für einige Zeit aus dem öffentlichen Fokus verschwunden. Heute lebt Vasella wieder in der Schweiz und betreibt in Uruguay eine Viehzucht. Zudem sitzt der Neo-Bartträger im Verwaltungsrat von Pepsi. Sein Vermögen wird auf 350 bis 400 Millionen Franken geschätzt.

Noch etwas mehr Vermögen als Vasella hat Roger Federer. Der Maestro besitzt laut den Berechnungen der «Bilanz» rund 500 bis 600 Millionen Franken. Neben den Preisgeldern bringen Federer vor allem die lukrativen Werbedeals mit etlichen Firmen, darunter Rolex, Lindt, Mercedes oder auch Kaffeemaschinenhersteller Jura, Einnahmen im hohen zweistelligen Millionenbereich. Nach seinem Rücktritt muss sich Federer also keine Gedanken um seine Finanzen machen. Neuerdings will Federer sein Geld auch unternehmerisch einsetzen. Er ist unter lautem PR-Getöse beim Turnschuhfabrikanten On eingestiegen.


Die Schweizer im internationalen Vergleich

Mit ihren 54 bis 55 Milliarden Franken sind die Kamprads unbestritten reich. Doch der Vergleich mit den Vermögendsten auf der Welt zeigt: Es geht noch deutlich reicher. Amazon-Gründer Jeff Bezos, der bei der «Forbes»-Liste The World’s Billionaires obenaus schwingt, besitzt 131 Milliarden Dollar. Die Kamprads tauchen auf der Liste nicht auf: Das hat allerdings auch damit zu tun, dass eine andere Berechnung zugrunde liegt, die einen direkten Vergleich schwierig macht.

Auffallend an der «Forbes»-Liste: Dort findet sich mit Michael Bloomberg einer, der zurzeit abseits seines angestammten Mediengeschäfts für Schlagzeilen sorgt. Er war schon Bürgermeister von New York und will nun Präsident der USA werden. Laut «Forbes» besitzt er über 55 Milliarden Dollar.

Auch wenn keine Schweizer auf den vordersten Plätzen der «Forbes»-Liste auftauchen: Die Schweiz hat laut dem «World Ultra Wealth Report» den zweithöchsten Anteil an Reichen auf der Welt.

Auf eine Million Einwohner zählt man in der Schweiz 848 Personen, welche 30 Millionen Dollar oder mehr besitzen. Nur gerade Hongkong hat eine höhere Quote.

Erstellt: 28.11.2019, 21:58 Uhr

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