Mit Geldkoffern nach Andorra – und zur CS

Die spanische Justiz ermittelt gegen den Sohn des früheren katalanischen Landesfürsten Jordi Pujol. Und fordert Informationen von der Credit Suisse.

Erhielt Transaktionen aus Katalanien: Die Credit Suisse in der Schweiz.

Erhielt Transaktionen aus Katalanien: Die Credit Suisse in der Schweiz. Bild: Keystone

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Ein neuer potenzieller Skandalfall erschüttert Spaniens Establishment, das katalanische im Besonderen. Es ist eine Geschichte zwischen Steuerhinterziehung, möglicher Korruption und Geldwäscherei, die auch die Schweizer Grossbank Credit Suisse tangiert. 32,4 Millionen Euro soll der Geschäftsmann Jordi Pujol jun., Erstgeborener von sieben Kindern des langjährigen katalanischen Regierungschefs gleichen Namens, bei 118 aufgedeckten Transaktionen in den letzten acht Jahren in insgesamt 13 Länder verschoben haben, unter anderem in die Schweiz, nach Luxemburg, auf die Cayman Islands und nach Andorra.

Untersuchungsrichter Pablo Ruz von der Madrider Audiencia Nacional, einem zentralen Strafgericht, machte den Fall am Dienstag mit einer Verfügung publik. Darin fordert er drei Banken auf, alle Informationen über bestehende oder allfällig aufgelöste Konten ihres prominenten Kunden oder von dessen Firmen binnen zweier Wochen auszuhändigen. Bei den Banken handelt es sich um die Credit Suisse und die italienische Mediolanum, die beide auch in Spanien vertreten sind, sowie um die spanische Grossbank BBVA. Im Fall von Credit Suisse gelangte offenbar kein Geld Pujols auf ein Konto in der Schweiz. Offiziell mochte die Bank aber keine Stellung nehmen.

Politisch brisante Affäre

Richter Ruz schreibt in der Verfügung nicht, die verschobenen Millionen seien illegal erworben worden. Das werde die Ermittlung zeigen. Die Affäre ist politisch dennoch hoch brisant. Verdachtsmomente gegen die Familie Pujol hat es immer gegeben. Jordi Pujol sen., mittlerweile 82 Jahre alt, regierte Katalonien von 1980 bis 2003 und kämpfte in dieser Zeit für eine möglichst breite Autonomie der Region. In Madrid hielt man den katalanischen Nationalisten für einen schlauen, eigensinnigen und taktisch brillanten Politiker.

Pujols Kinder kamen während seiner Regierungszeit immer wieder an lukrative öffentliche Aufträge. Ob dabei stets alles mit sauberen Dingen ablief, ist ungewiss. Manche Geschichten beschäftigen die katalanischen Medien seit vielen Jahren schon. Nachweisen konnte man ihnen allerdings bisher nie etwas.

Um Jordi Pujol jun. kümmert sich die Justiz, seit dessen frühere Lebenspartnerin über dessen häufige Autofahrten nach Andorra berichtete. Er habe dabei jeweils Koffer mitgeführt, die prallvoll mit 500-Euro-Geldscheinen gefüllt gewesen seien.

Erstellt: 10.04.2013, 07:27 Uhr

Die Familie des katalanischen Landesfürsten Jordi Pujol, rechts im Bild ist Jordi Pujol jun. (Bild: PD)

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