Mutmasslicher Erpresser im Fall Sarasin verhaftet

Ermittler nahmen einen deutschen Ex-Banker fest. Er soll eine Million Euro Schweigegeld gefordert und erhalten haben.

Zeigte nach jahrelangem zögern den Erpresser an: Die Basler Bank J. Safra Sarasin. (Archivbild)

Zeigte nach jahrelangem zögern den Erpresser an: Die Basler Bank J. Safra Sarasin. (Archivbild)

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Er nannte sich «Jürgen Schmidt», aber das war nicht sein richtiger Name. Der Unbekannte drohte damit, Informationen an den deutschen Fiskus weiterzugeben, die auch die Basler Bank J. Safra Sarasin betrafen. Das Geldinstitut zögerte jahrelang, zeigte Schmidt dann aber an. Schweige­geld war zuvor schon geflossen.

Jetzt ist in Deutschland ein Tatverdächtiger verhaftet worden, wie TA-Recherchen zeigen. Es handelt sich um einen deutschen Steuerexperten, der heute mit einem Partner ein Vermögensverwaltungsbüro betreibt, früher aber als Banker bei der australischen Bank Macquarie gearbeitet hat.

Mit der Festnahme ist im Fall Sarasin die nächste Eskalationsstufe erreicht. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt inzwischen gegen mehr als 30 Personen; vor zwei Wochen durchsuchten über 100 Polizisten und Staatsanwälte Wohnungen und Büros in einem Dutzend Ländern. Letzte Woche folgten die Schweizer Ermittler, die ebenfalls an 20 Örtlichkeiten zuschlugen.

«Hohe Provisionen erhalten»

Im Zentrum stehen Vorwürfe gegen die Spitze der Bank Sarasin sowie deren Berater. Das Geldinstitut habe mit betrügerischen Geschäften eigene Kunden und den deutschen Fiskus geschädigt. Neue Details zum Fall machte gestern das Anwaltsportal Juve.de publik: Im Durch­suchungsbeschluss sei neben den sogenannten Cum-Ex-Deals ein weiterer Komplex von mutmasslichen Straftaten genannt. Es gebe Anhaltspunkte, dass die Initiatoren der Geschäfte bei jeder Transaktion hohe Provisionen erhielten, «mit denen das Kundenkapital nahezu aufgebraucht wurde».

Die mutmassliche Erpressung ist eigentlich ein Fall im Fall. Jürgen Schmidt soll Bescheid gewusst haben über die Geschäfte der Bank, über das «Projekt Gipfelsturm», wie die Cum-Ex-Strategie intern hiess. Und er versuchte, sein ­Wissen zu versilbern. Am 2. Mai 2011 erreichte eine Mail das Haus Sarasin. Daran angehängt eine «Güte- und Vertraulichkeitsvereinbarung». Schmidt sollte 1,2 Millionen Euro erhalten – und im Gegenzug schweigen. Einen Tag später folgte die Abwicklung: Die Bank Sarasin verzichtete gegenüber zwei Fonds auf Honorare, und diese schoben eine Million Euro an Schmidt weiter.

Die Bank Sarasin sagte in früheren Stellungnahmen, dass sich die Erpressung nie gegen die Bank gerichtet habe. Auch habe man «weder direkt noch indirekt Zahlungen an Dritte getätigt».

Cum-Ex-Deals sind komplexe Börsengeschäfte kurz vor und nach dem Dividendenstichtag. Durch raffiniertes Handeln von Wertpapieren mit (cum) und ohne (ex) Dividende war es in Deutschland möglich, die einmal bezahlte Kapitalertragssteuer doppelt zurückzuerhalten. Der deutsche Fiskus soll so um 462 Millionen Euro geschädigt worden sein, und eine Reihe prominenter Kunden, darunter Investor Carsten Maschmeyer und Drogerie-König Erwin Müller, soll Millionenbeträge verloren haben.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.10.2014, 21:26 Uhr

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