Schweizer Bauern sind auf Hitzesommer nicht vorbereitet

Die Trockenheit führt schweizweit zu Ernteausfällen und verdorrten Weiden. Bisher tun die Landwirte zu wenig, um sich für den Klimawandel zu wappnen.

Das Gemüse wächst schnell, die Nachfrage ist ferienbedingt gering: Entsorgung von Tomaten im Kanton Genf. Foto: Fabrice Coffrini (AFP)

Das Gemüse wächst schnell, die Nachfrage ist ferienbedingt gering: Entsorgung von Tomaten im Kanton Genf. Foto: Fabrice Coffrini (AFP)

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Bei der Trockenheit ist der Handlungsbedarf gross. Das steht in einem Strategiepapier des Bundes zur Anpassung an den Klimawandel. Es wurde bereits zu Beginn dieses Jahrzehnts verfasst. Und nun, im Sommer 2018, sagt Annelie Holzkämper, Leiterin des Projekts Klimarisiken und Anpassung bei der Forschungsstelle Agroscope: «Die Schweizer Bauern müssen sich auf steigende Temperaturen und eine ungleichere Verteilung der Niederschläge einstellen. Dieser Fakt ist seit Jahren bekannt.»

Am Montag zeigte sich der Schweizer Bauernverband froh darüber, dass sich der Bund angesichts verdorrter Schweizer Weiden unter anderem dazu bereit erklärt hatte, die Zölle auf importiertes Kuhfutter zu senken. Tags darauf forderte der Verband wegen der grossen Trockenheit als Sofortmassnahme zur Unterstützung der Landwirte unter anderem einen Solidaritätsbeitrag von 5 Rappen an den Milchpreis.

Da stellt sich natürlich auch die Frage, ob die Schweizer Landwirtschaft in der Vergangenheit genug getan hat, um sich auf einen Hitzesommer vorzubereiten.

Ein Lob für die Winzer

Viele Aprikosen, zu viele Tomaten: Die grosse Hitze und die Trockenheit in diesem Sommer führen nicht in allen Bereichen der Landwirtschaft zu Ernteausfällen. Gewisse Pflanzen kommen deutlich besser mit den Bedingungen zurecht als andere. Deshalb besteht eine der wichtigsten Strategien für die Landwirtschaft im Umgang mit dem Klimawandel darin, robustere Sorten einzuführen.

Der Bauernverband sagt dazu: Im Bereich Bewässerung habe sich in den letzten Jahren viel getan. Die Systeme seien sparsamer geworden. Wo die Bauern aber noch zulegen müssten, sei die Umstellung auf trocken- und hitzeresistente Sorten. Gemäss dem Bundesamt für Landwirtschaft verhalten sich die Bauern hier eher passiv.


Video: Helikopter bringen Wasser auf die Alpen

Wegen der anhaltenden Trockenheit drohen immer mehr Wasserquellen in den Bergen zu versiegen. Video: SDA/Tamedia


Wissenschaftlerin Annelie Holzkämper sagt, nicht alle Bereiche der Landwirtschaft befassten sich bislang gleich stark mit dem Thema Klimawandel. Sehr aktiv seien seit Jahren die Weinbauern. Viele setzten zum Beispiel schon jetzt auf neue Rebsorten. Anders sehe die Situation im Ackerbau aus: «In Gesprächen mit Bauern hat sich gezeigt, dass hier die Sensibilisierung für das Thema Klimawandel noch nicht sehr stark ist», sagt Holzkämper. Andere Probleme hätten bei den Ackerbauern eine höhere Priorität. «Im Bereich Klimawandelanpassung ist bislang bedingt viel passiert.»

Nur wenige sind versichert

Das Bundesamt für Landwirtschaft spricht bei der Anpassung an den Klimawandel von einem laufenden Prozess. Das Ziel sei, dass die Bauern in einigen Jahrzehnten mit einem Sommer wie in diesem Jahr umgehen könnten. Dann, wenn solche Sommer nicht mehr ein extremes Ereignis, sondern fast normal geworden sind.

Sofort Abhilfe bei Ernteausfällen bringt für die Bauern dagegen eine Versicherung gegen Trockenheit. Eine solche Versicherung existiert schweizweit erst seit 2013. Sie ist in der teuersten Variante der Ernteversicherung der Schweizer Hagelversicherung enthalten. Pro Hektare und Jahr kostet sie zum Beispiel im Kanton Zürich rund 120 Franken.

Versicherung sei zu wenig attraktiv

Die Nachfrage ist in den letzten Jahren zwar stark gestiegen. Zwischen 2015 und 2018 nahm die Zahl der Policen gemäss der Hagelversicherung um 192 Prozent zu. Insgesamt ist der Anteil der gegen Trockenheit versicherten Bauern aber weiterhin tief. Nur 12 Prozent der Ackerflächen in der Schweiz sind versichert. «Die Abdeckung ist zu tief», sagt der Bauernverband. Die Versicherung sei für viele Landwirte zu wenig attraktiv. Der Bund will nun alternative Versicherungsmodelle prüfen.

Um kurzfristig Schäden abzuwenden, ist die Vorwarnzeit entscheidend. Aktuell existieren Prognosen zur Trockenheit für die nächsten fünf Tage. Technisch möglich wäre laut Massimiliano Zappa vom Eidgenössischen Institut für Wald, Schnee und Landschaft ein Monat. Dazu fehle in der Schweiz aber die Infrastruktur. Ob und wie schnell sie aufgebaut wird, ist offen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.08.2018, 06:37 Uhr

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