Hintergrund

Schweizer zahlen für Aktienhandel viel zu viel

Teure Transaktionen von Aktien in der Schweiz: Seit kurzem gibt es eine preiswerte Alternative. Die Banken wollen davon aber nichts wissen.

Wer seine Börsengeschäfte bei der BX Swiss tätigt, fährt günstiger: Passanten beim Konsultieren von Aktienkursen an der Zürcher Bahnhofstrasse.

Wer seine Börsengeschäfte bei der BX Swiss tätigt, fährt günstiger: Passanten beim Konsultieren von Aktienkursen an der Zürcher Bahnhofstrasse. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Drei Börsenaufträge im Gesamtwert von 120'000 Franken – der Auftraggeber könnte über 2000 Franken an Courtagen und Wechselkursgebühren sparen, wenn ihn seine Hausbank gut beraten würde. Doch keine tut es, wie eine Stichprobe des «Tages-Anzeigers» zeigt.

Das war die Vorgabe: Ein Kunde beauftragt seine Hausbank, 60 Aktien von Apple und 320 von Allianz zu kaufen. Zusätzlich gibt er die Anweisung, 2700 Titel von Sony zu verkaufen. Die meisten Banken gehen nach dem Best-Execution-Prinzip vor – die bestmögliche Ausführung von Kundenorders. Zuvorderst steht dabei nach dem Verständnis der Banken nicht der Preis, sondern die Liquidität. Es müssen so viele Aktien auf dem Markt sein, dass der Handel reibungslos funktioniert. Käufe oder Verkäufe müssen möglichst schnell abgewickelt werden. In der Regel ist das am Heimmarkt gegeben: im Fall der Apple-Aktie in New York, bei Allianz in Frankfurt, bei Sony in Tokio.

Das schafft für den Kunden ein Problem. Die Gebühren an diesen Handelsplätzen sind hoch. Kleinere Schweizer Banken sind an diesen Börsen nicht angebunden. Sie wickeln deshalb das Geschäft über einen Makler vor Ort ab, was zusätzlich kostet. Handel an ausländischen Börsenplätzen bedeutet für den Schweizer Kunden aber auch Wechselkursgebühren. Werden seine Sony-Aktien in Tokio verkauft, zahlt er für den Wechsel der gelösten Yen in Schweizer Franken eine Gebühr. Kauft seine Hausbank die Apple-Aktien in New York, müssen dafür die Franken des Kunden in Dollars gewechselt werden.

Handel ohne Wechselgebühren

All das wäre nicht nötig. Wenn Deutsche ausländische Aktien kaufen oder verkaufen, tun sie das in der Regel in Deutschland. Und sie tun es in ihrer Währung, dem Euro. Was in Deutschland möglich ist, müsste auch in der Schweiz machbar sein, sagten sich die Verantwortlichen der Berner Börse. Im November starteten sie unter dem Namen BX Swiss den Handel mit über 1000 ausländischen Aktien. Ob Apple oder Allianz, Google oder Gazprom, Sony oder Singapore Airlines – alle diese Titel und viele mehr können über BX Swiss in Schweizer Franken und zu Schweizer Handelszeiten erstanden oder verkauft werden. Und das zu Gebühren, die sich sehen lassen. Bis zu einem Handelsvolumen von 100'000 Franken gilt eine pauschale Börsengebühr von 10 Franken pro Auftrag. Da der Kunde auch diese Aufträge über eine Bank abwickeln muss, zahlt er dieser zusätzlich eine Courtage. Inlandcourtagen sind aber immer günstiger als Auslandcourtagen. Da der Handel über BX in Schweizer Franken erfolgt, fällt die Wechselkursgebühr weg. Genauer: Sie ist in der Börsengebühr eingepreist. Luca Schenk, Geschäftsführer der Berner Börse, sagt: «Mit BX fährt der Anleger immer besser.»

Finanziell muss man Schenk recht geben, wie das Beispiel der Berner Kantonalbank (BEKB) zeigt (siehe Tabelle). Die BEKB kauft die Apple-Aktien in New York. Das kostet den Kunden mit Gebühren 30'438.23 Franken. Würde die Bank den Kauf statt in den USA über BX Swiss in Bern tätigen, käme das den Kunden auf 29'777.05 Franken zu stehen – 661.18 Franken weniger. Beim Kauf der Allianz-Aktien würde der Auftraggeber über 900 Franken sparen, beim Verkauf der Sony-Aktien weit über 600 Franken mehr lösen. Würden alle drei Transaktionen über BX Swiss abgewickelt, könnte der Kunde 2233 Franken an Gebühren sparen.

Banken meiden Berner Börse

Bleibt die Frage, weshalb die Banken nicht auf diesen für den Kunden interessanten Handelsweg aufmerksam machen. Es ist keineswegs nur die Berner Kantonalbank, die den Weg über die teuren ausländischen Börsenplätze geht. Auch UBS, Credit Suisse, Julius Bär, Zürcher Kantonalbank und Postfinance tun es. Raiffeisen ist die einzige angefragte Bank, welche die Transaktionen über BX Swiss von sich aus überhaupt angeboten hat. Aber auch Raiffeisen, die den Handel über die Bank Vontobel abwickelt, propagiert den Weg über BX Swiss nicht aktiv. Weniger als 1 Prozent der Aktientransaktionen nähmen heute diesen Weg, heisst es bei Raiffeisen.

Auf die Frage, warum die Banken BX Swiss meiden, ist wenig Substanzielles zu erfahren. Julius Bär will sich nicht äussern. Die beiden Grossbanken argumentieren, dass die Liquidität, die Kursgarantie, die Sicherheit der Ausführung an der Hauptbörse der jeweiligen Aktie am ehesten gegeben sei. Postfinance und die Zürcher Kantonalbank sind nicht am BX-System angebunden. Die Kundennachfrage sei zu gering, die Investitionen für eine Aufschaltung deshalb nicht lohnenswert, heisst es bei der ZKB. Die BEKB verweist ebenfalls auf die Kosten und bezweifelt, dass das Handelsvolumen und die Liquidität an der Berner Börse gross genug seien.

Sache ist, dass die Berner Börse BX Swiss zusammen mit der Baader Bank betreibt, dem führenden Market Maker an den deutschen Börsen mit einem Marktanteil in diesem Bereich von 45 Prozent. Der Berner-Börse-Chef Luca Schenk sagt: «BX ist immer liquide, Baader stellt immer genügend Volumen.» Und er verweist darauf, dass auch New York nicht liquide sei, wenn der dortige Börsenplatz geschlossen sei. Bei BX Swiss können ausländische Aktien von 9.15 bis 17 Uhr gehandelt werden.

Lukrativ für die Banken

Der wichtigste Grund, weshalb die Schweizer Banken das Handelssystem BX Swiss links liegen lassen, dürfte woanders liegen: Mit Transaktionen an ausländischen Börsenplätzen verdienen sie gutes Geld. Auslandcourtagen sind nicht nur höher als Inlandcourtagen, sondern für den Kunden intransparent. Gebühren lassen sich gut verstecken. Beim Handel im Ausland verdienen die Banken zudem am Geldwechsel und das zweimal: beim Kauf und beim Verkauf einer ausländischen Aktie. Schenk sagt: «Kauft ein Kunde zum Beispiel Apple-Aktien, muss er zuerst viel Geld hinlegen, damit er sie bekommt. Und er muss noch einmal viel Geld hinlegen, um sie wieder loszuwerden.»

Dem Anleger bleibt in dieser Situation nur eines: Er muss bei seiner Hausbank beim Kauf oder Verkauf von ausländischen Aktien darauf bestehen, dass dieser über BX abgewickelt wird. Aber auch das hat seine Tücken. Während die BEKB beim Handel über BX Swiss eine Courtage von 0,2 Prozent des Auftragsvolumens beziehungsweise mindestens 50 Franken in Rechnung stellt, sind es bei der UBS 1,2 Prozent.

Erstellt: 10.02.2014, 18:04 Uhr

Transaktionen über Berner Börse sind billiger. (Für Detailansicht auf Grafik klicken.) (Bild: TA-Grafik)

Artikel zum Thema

Vekselberg kauft 20 Prozent der Aktien von Schmolz+Bickenbach

An der GV des Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach stellten sich die Aktionäre gegen Vekselbergs Renova. Unmittelbar danach kaufte die Gesellschaft 20 Prozent der Firmen-Aktien. Mehr...

Das Zauberwort, das nichts versteckt

Analyse Julius Bär hat wenig berauschende Zahlen vorgelegt. «Adjustiert», seien diese zu verstehen, so die Bank. Die Probleme schimmern trotzdem hervor – und wie. Mehr...

«Aktien werden noch 22 Sekunden gehalten»

Interview Der Zürcher Finanzprofessor Marc Chesney kritisiert die Banken scharf. Er findet es zudem falsch, dass sich die Uni von der UBS sponsern lässt, und macht einen Vergleich zwischen Banken und Restaurants. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Kommentare

Die Welt in Bildern

Warten auf den Papst: Ein Mann schaut aus seinem Papst-Kostüm hervor. Der echte Papst verweilt momentan in Bangkok und die Bevölkerung feiert seine Ankunft. (20. November 2019)
(Bild: Ann Wang) Mehr...