So sehen Versicherte die Reform der 2. Säule

Eine Umfrage zur beruflichen Vorsorge zeigt: Rentenkürzungen kommen schlecht an. Auch gibt es erhebliche Wissenslücken.

Auch einer Erhöhung des Rentenalters steht die Bevölkerung gemäss Umfrage skeptisch gegenüber. <nobr>Foto: Raisa Durandi</nobr>

Auch einer Erhöhung des Rentenalters steht die Bevölkerung gemäss Umfrage skeptisch gegenüber. Foto: Raisa Durandi

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Die Vermögensverwalterin Axa Investment Managers, die zur Axa-Gruppe gehört, legte gestern zum neunten Mal eine Bevölkerungsumfrage über Pensionskassen vor. Bei der Umfrage, die das Institut GFS Zürich durchgeführt hat, geht es vor allem darum, wie gut die Versicherten über ihre berufliche Vorsorge Bescheid wissen.

Die Resultate geben aber auch Hinweise darauf, welche Lösungsansätze in der aktuell heiss diskutierten Rentenreform bei der Bevölkerung auf grössere Akzeptanz stossen und welche nicht. Vor allem aufgrund der demografischen Entwicklung wird es je länger je schwieriger, Renten im gleichen Umfang wie bisher zu finanzieren.

Weniger Rente? «Sicher nicht»

Aus dem Papier geht klar hervor, dass Rentenkürzungen einen sehr schweren Stand hätten: 80 Prozent der Befragten sagten dazu «sicher nicht» oder «eher nicht». Reformvorschläge zur zweiten Säule mit Rentenkürzungen hat die Bevölkerung schon vor Jahren an der Urne klar verworfen. Wie die aktuelle Umfrage zeigt, dürfte sich an der ablehnenden Haltung gegenüber einer solchen Lösung wenig geändert haben.

Auch einer Erhöhung des Rentenalters steht die Bevölkerung gemäss Umfrage skeptisch gegenüber. In diesem Punkt sind die Mehrheitsverhältnisse aber weniger deutlich: 59 Prozent lehnen diesen Ansatz sicher oder eher ab, während sich 41 Prozent damit anfreunden könnten.

«Starre Vorschriften dürften kaum auf Akzeptanz stossen.»Werner E. Rutsch, Axa IM

Werner E. Rutsch, Leiter institutionelles Geschäft bei Axa Investment Managers, interpretiert diese Resultate dahingehend, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung durchaus mit einer Flexibilisierung des Rentenalters anfreunden könnte. «Dafür müssen aber gute Bedingungen geschaffen werden – starre Vorschriften dürften kaum auf Akzeptanz stossen», sagt Rutsch.

Auf mehrheitliche Zustimmung stossen zusätzliche Beiträge von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern (54 Prozent Zustimmung), eine Beitragspflicht, die schon vor dem 25. Lebensjahr beginnt (77 Prozent) und freiwilliges Sparen durch zusätzliche Steuervergünstigungen (82 Prozent).

Viel Vermögen, wenig Wissen

Als weiteres Ergebnis zeigt die Umfrage, dass die Bevölkerung heute etwas besser über die berufliche Vorsorge Bescheid weiss als noch vor einigen Jahren. Doch wie Rutsch feststellt, gibt es immer noch erhebliche Wissenslücken. Das ist bemerkenswert, da die meisten Versicherten in ihrer zweiten Säule am meisten Vermögen angespart haben.

Wenn beispielsweise eine Mutter oder ein Vater zugunsten des Kindes für eine gewisse Zeit auf bezahlte Arbeit verzichtet, entsteht eine Lücke in der beruflichen Vorsorge. Als möglichen Schritt, diese Lücke zu schliessen, nannten die meisten Einzahlungen in die dritte Säule. «Offenbar ist nur wenigen bewusst, dass sie grössere Summen in die zweite Säule einzahlen und damit zusätzlich auch Versicherungsleistungen stärken können, zum Beispiel für den Fall einer Invalidität», erläutert Werner E. Rutsch.

Erstellt: 28.08.2019, 14:45 Uhr

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