Von Zürich nach Lugano für 19 Euro

Fernbusfahrten innerhalb der Schweiz sind in der Regel verboten. Ein juristischer Grenzbereich lässt Passagiere trotzdem billig ins Tessin reisen.

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Mit dem Fernbus ins Ausland zu reisen, ist für viele Touristen attraktiv. Da die Unternehmen oft in mehreren Schweizer Ortschaften anhalten, können Fernbusreisen aber auch als billige Inlandfahrten missbraucht werden. Denn Fernbusse bieten, bei Strecken wie Zürich–Lugano, eine günstigere Alternative zum öffentlichen Verkehr.

Der Fernbusverkehr in der Schweiz ist reguliert. Strecken innerhalb der Schweiz sind nicht erlaubt, ausser der Anbieter besitzt eine Konzession. Diese erhält ein Unternehmen nur, wenn der bestehende subventionierte öffentliche Verkehr nicht konkurrenziert wird. Bewilligt werden zum Beispiel Busverbindungen von Schweizer Flughäfen direkt in Tourismusgebiete. Trotzdem gibt es hier eine Grauzone. Denn wer eine Fahrt ins Ausland bucht, aber den Bus bereits in der Schweiz wieder verlässt, ist schwer aufzuhalten.

Zugfahrten teurer als Fernbus-Alternativen

Ein Busticket ins nahe Ausland lösen, aber nur in der Schweiz fahren – auf vielen Reisen kommt das günstiger. Das deutsche Unternehmen Mein Fernbus bietet zwei Strecken aus der Schweiz nach Mailand mit Stopp in Lugano an. Wer in Zürich startet, bezahlt für die Reise nach Norditalien nur 19 Euro. Demgegenüber zahlt der Zugreisende nach Lugano mit Halbtax 32 Franken. Geht die Fahrt von Chur bis nach Lugano, kostet dieses SBB-Ticket 32.40 Franken. Mein Fernbus verlangt für die Strecke von Chur bis Mailand 18 Euro. Wer den Bus nach Mailand bucht und in Lugano aussteigt, spart in beiden Fällen Geld.

Beim Bundesamt für Verkehr (BAV) ist man sich dessen bewusst. «In der Schweiz gilt für internationale Busverbindungen weiterhin das sogenannte Kabotageverbot», sagt BAV-Sprecherin Florence Pictet. Es dürfen keine Passagiere nur auf einer Teilstrecke mit Start und Ziel in der Schweiz befördert werden. Im gegebenen Fall müsse das Transportunternehmen entsprechende Massnahmen treffen, damit Missbräuche nicht vorkommen. Zum Beispiel, indem Gepäck abgeben werde, das bis zur Zieldestination im Kofferraum bleibe. «Auch wenn Missbräuche nie auszuschliessen sind, ist es ebenfalls im Interesse des betroffenen Transportunternehmens, dass sein Angebot nicht missbraucht wird.»

Im Falle eines Missbrauchverdachts kann beim BAV Anzeige erstattet werden. «Sollten wiederholt Verstösse begangen werden, kann das BAV seine Zustimmung an einen Linienverkehr rückgängig machen oder bei einer Erneuerung verweigern», so Pictet.

«Wir können niemanden im Bus einsperren»

Auch die Fernbusunternehmen kennen das Problem. «Unsere Busfahrer sind aber auf diese Situation sensibilisiert», erklärt Marie Gloystein, Sprecherin bei Mein Fernbus. Man werde sich jedoch nie 100 Prozent sicher sein, ob jemand nicht vorher aussteigt. «Wir können niemanden im Bus einsperren», so Gloystein.

Beim Schweizer Anbieter Expressbus kann die Fahrt von Zürich nach München mit Zwischenhalt in St. Gallen für 20 Franken gebucht werden. Zum Vergleich: Ein SBB-Ticket von Zürich nach St. Gallen kostet 30 Franken. Wer ein Halbtax-Abo hat, zahlt hier aber mit 15 Franken weniger als mit dem Fernbus. Im Unterschied zum regulären öffentlichen Verkehr fahren die Fernbusse zudem weniger häufig, in der Regel ein- bis zweimal pro Tag. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.03.2015, 17:21 Uhr)

Deutsche Bahn verliert immer mehr Kunden im Fernverkehr

Die Deutsche Bahn verliert im Fernverkehr weiter Kunden. Im vergangenen Jahr nutzten nur noch 129 Millionen Fahrgäste das IC- und ICE-Angebot des Konzerns, fast zwei Millionen weniger als 2013, wie der «Spiegel» berichtete.

Der Umsatz im Kerngeschäft der Deutschen Bahn sei trotz Preiserhöhungen leicht auf vier Milliarden Euro zurückgegangen, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) sogar von 323 Millionen Euro um ein Drittel auf 212 Millionen Euro eingebrochen.

Der Deutschen Bahn setzen derzeit vor allem die Fernbusse stark zu. Allein durch die Billigkonkurrenz auf der Straße entgingen dem Konzern im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 120 Millionen Euro an Umsatz.

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