Bär-Banker diente Maduros Familie

Rund 200 Millionen Dollar habe er für die Stiefsöhne von Venezuelas Staatschef waschen sollen. Das gestand der in Miami verhaftete Ex-Julius-Bär-Kadermann vor Gericht.

Im Zentrum der Affäre steht der staatliche Ölkonzern. Foto: Getty Images

Im Zentrum der Affäre steht der staatliche Ölkonzern. Foto: Getty Images

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Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro hat drei Stiefsöhne: Yosser, Walter und Yoswal Gavidia Flores. Zusammen sind sie als «Los Chamos» bekannt, zu Deutsch: «die Jungs». Der Familienname Flores stammt von ihrer Mutter, der Politikerin Cilia Flores, die seit 2013 mit dem Präsidenten verheiratet ist.

Matthias Krull, Relationship Manager bei der Schweizer Privatbank Julius Bär, sollte für die drei Sprösslinge der mächtigsten Familie des Landes arbeiten: Er sollte für sie Gelder in Höhe von 200 Millionen Dollar verschieben. So steht es in einem Geständnis, das Krull vor Gericht in Miami unterzeichnet hat.

In seinem Geständnis bekannte sich Krull der Verschwörung zur Geldwäscherei schuldig. Er entschied sich zu reden, nachdem amerikanische Fahnder ihn Ende Juli am Flughafen von Miami festgenommen hatten.

Die US-Ermittlungsbehörden werfen ihm vor, Teil eines Geldwäscherings gewesen zu sein, der Venezuelas Ölkonzern Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA) bis zu 1,2 Milliarden Dollar entzogen haben soll.

TV-Mogul als Strohmann

Im Geständnis heisst es, Krull habe für die Julius Bär Privatkunden angeworben, primär aus Venezuela. Als «Türöffner» habe er unter anderem vier Kunden an Bord geholt, welche die US-Fahnder nun als «Mitverschwörer» des Geldwäscherings behandeln. Einer davon, in den Dokumenten nur als «Conspirator 7» bezeichnet, ist laut «Miami Herald» Raúl Gorrín, ein venezolanischer TV-Mogul.

Gorrín soll Banker Krull zu einem Treffen in Venezuela eingeladen haben. Er habe nach einer dringenden Lösung für 200 Millionen Dollar aus der Geldwäscheoperation gesucht, die verschoben werden sollten. Krull sollte die wahren Eigentümer der Gelder kennen lernen.

An der Sitzung, die weder datiert noch genauer verortet ist, lernte Krull zunächst einen weiteren Strohmann kennen. TV-Mogul Gorrín erklärte Krull, dass dieser die «Chamos» vertrete. Wenn er, Gorrín, ein Problem mit Staatspräsident Maduro habe, wende er sich jeweils an die «Chamos», die dann bei ihrer Mutter Cilia intervenierten.

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Die Familienmitglieder sind in den US-Dokumenten nicht namentlich genannt, und sie sind auch nicht als Beschuldigte bezeichnet. Maduro selbst beispielsweise taucht nur als «Venezuelan Official 2» auf.

Raúl Gorrín stellte dann Krull die «Chamos» persönlich vor, die in einem Nebenraum warteten. Der Strohmann sollte für die «Chamos» auftreten, etwa bei der Eröffnung von Konten.

Krull, so das Geständnis, «stimmte zu, bei der Verschwörung zur Geldwäsche mitzumachen». Er habe den Strohmann und Gorrín mehrfach getroffen, um das Verschieben der Millionen einzufädeln. Krull habe gewusst, dass die Gelder aus krimineller Quelle stammten.

Bis zu zehn Jahre Gefängnis

Die venezolanische Botschaft in Bern reagierte am Donnerstag nicht auf eine Anfrage zur Präsidentenfamilie. Der US-Anwalt von Raúl Gorrín war nicht erreichbar. Dem «Miami Herald» hatte er gesagt, dass sein Klient «in keinerlei Geldwäscherei­aktivität involviert» sei.

Ex-Julius-Bär-Banker Krull kooperiert nun mit der US-Justiz. Er muss mit bis zu zehn Jahren Gefängnis rechnen.

Schweizer Bundesanwaltschaft verhängte Strafbefehl

Das Schuldeingeständnis Krulls ist eine weitere schlechte Nachricht für die Julius Bär. Der Venezuela-Spezialist ist bereits der dritte Fall von strafrechtlichen Ermittlungen gegen Bär-Banker in jüngster Zeit. Der ­Argentinier Jorge Arzuaga, von 2012 bis 2015 bei der Privatbank, hat sich 2017 in den USA schuldig bekannt, weil er im Zusammenhang mit dem Fifa-Skandal korrupten Funktionären das ­Verschieben von Schmiergeld ermöglichte. Auch die Schweizer Bundesanwaltschaft verhängte einen Strafbefehl. Arzuaga wartet derzeit in den USA auf die Bemessung seiner Strafe.

Ebenso hat die Bundesanwaltschaft den Ex-Moskau-­Büroleiter der Bär ins Visier genommen. Ihm wird vorgeworfen, nebenbei Waffengeschäfte abgewickelt zu haben.

Verfahren eingeleitet

Die Häufung der Fälle deutet auf strukturelle Probleme hin. Die Finma hat bereits vor einiger Zeit ein Enforcementverfahren gegen die Bank eingeleitet, wie die NZZ im April berichtete. Und: Es gab in der Bank mehrere Unter­suchungen von Revisoren und Anwälten.

Die Bank selbst schreibt zum Fall Krull: «Die Verhaftung des Ex-Mitarbeiters basiert auf einer Anklage gegen diesen und eine Reihe weiterer Personen. Die Anklage nimmt keinen Bezug auf die Bank, ausser, dass Herr Krull bei der Bank angestellt war. Die Bank führt eine interne Untersuchung (...) und kooperiert mit den zuständigen Behörden.» Zum Treffen Krulls mit den «Chamos» und zu den vier mutmasslichen «Mitverschwörer»-Kunden nimmt die Bank keine Stellung.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.08.2018, 22:38 Uhr

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