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Bitcoin legt sein Schattendasein ab

Erstmals lanciert ein Vermögensverwalter einen Anlagefonds in der Kryptowährung, und bis Ende Jahr sollen in den USA Termingeschäfte in Bitcoin über die Börse abgewickelt werden.

Bitcoin gewinnt zusehends an Verbreitung, neuerdings auch in Anlagefonds und demnächst als Terminkontrakte an US-Börsen (unser Bild zeigt den Hinweis auf einen Bitcoin-Automaten in Zürich).
Bitcoin gewinnt zusehends an Verbreitung, neuerdings auch in Anlagefonds und demnächst als Terminkontrakte an US-Börsen (unser Bild zeigt den Hinweis auf einen Bitcoin-Automaten in Zürich).
Christian Beutler, Keystone

Der im wortwörtlichen Sinne unheimliche Höhenflug Bitcoins ebnet der Kryptowährung den Weg auf das Parkett der etablierten Märkte. Das Misstrauen vieler Marktakteure gegenüber Bitcoin und anderen virtuellen Währungen ist zwar unverändert gross, weil letztlich niemand den Durchblick in dem Geschehen hat. Auch die enormen Kursausschläge tragen wenig zur Festigung des Vertrauens bei. Doch der immense Wertzuwachs Bitcoins lässt dessen Anhängerschaft rasch anschwellen. Aktuell notiert eine Einheit bei über 8130 Dollar – mehr als das Achtfache seit Jahresbeginn.

So ist es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis der erste europäische Anlagefonds in Bitcoin ins Leben gerufen wird. Eine entsprechende Mitteilung verschickte dieser Tage der kleine französische Vermögensverwalter Tobam. Er habe von der Finanzaufsicht, der Autorité des Marchés Financiers, die Bewilligung zur Lancierung des Fonds erhalten. Der Gründer von Tobam, Yves Choueifaty, sagte zur «Financial Times», er wäre enttäuscht, wenn sein Bitcoin-Fonds in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht über ein Volumen von 400 Millionen Dollar hinauskommen würde.

Hierzulande hat die Onlinebank Swissquote nach eigener Aussage als erste Anbieterin ein Bitcoin-Zertifikat auf den Markt gebracht. Es ermögliche privaten Anlegern, «mittels eines etablierten und an der Schweizer Börse gehandelten Finanzprodukts am Bitcoin-Boom teilzuhaben», wie Swissquote gestern verkündete. Um die Kursschwankungen der Kryptowährung und die damit verbundenen Risiken für Anleger einzudämmen, hat die Onlinebank eigens einen Algorithmus entwickelt. Dieser soll die Kursentwicklung des Bitcoins vorhersagen, einerseits mithilfe der Charttechnik und andererseits durch die Auswertung von Kommentaren in den sozialen Medien. Geht die Prognose von steigenden Bitcoin-Preisen aus, wird die Anlagesumme des Zertifikats bis zu 100 Prozent in der Kryptowährung gehalten. Im gegenteiligen Fall werden bis zu 40 Prozent der Anlagesumme in US-Dollar gewechselt, um das Verlustrisiko zu begrenzen.

Türöffner für Grossinvestoren

Der nächste Durchbruch für Bitcoin – dessen Marktvolumen wird auf 120 Milliarden Dollar geschätzt – dürfte noch vor Ende dieses Jahres geschehen. Die beiden grossen, in Chicago ansässigen Terminbörsen CME und CBOE Global Markets liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wer als erste Terminkontrakte (Futures) für Bitcoin anbieten darf. Erteilt die US-Aufsichtsbehörde, die Commodity Futures Trading Commission, dazu ihren Segen, so könnte der Handel mit Bitcoin erstmals über den zentralisierten Abwicklungsmechanismus einer Börse laufen. Die Kryptowährung würde damit einen wichtigen Schritt aus ihrer Schmuddelecke machen, in der sie nach wie vor steckt. Gerade ihr unkontrollierter, unregulierter und dezentralisierter Handel setzt sie dem Verdacht aus, für Transaktionen mit kriminellem Hintergrund und Geldwäscherei genutzt zu werden.

Vor allem aber würden Bitcoin-Futures vielen institutionellen Investoren die Tür zu einer neuen Anlageklasse öffnen. Denn gibt es erst mal solche Terminkontrakte, wäre es nach Ansicht von Marktbeobachtern wesentlich einfacher, Exchange Traded Funds (ETFs) in Bitcoin zu kreieren. Die bisherige Knappheit an börsenkotierten Anlagevehikeln in der virtuellen Währung, die bislang viele Investoren am Einstieg hinderte, könnte dadurch in absehbarer Zeit überwunden werden.

Schluss mit dem Eigenleben

Davon abgesehen, ist es mit Bitcoin-Futures erstmals möglich, Wetten auf den künftigen Wert der Kryptowährung abzuschliessen, ohne dass man in Besitz derselben ist. Wie sich dies auf die Kursentwicklung Bitcoins auswirken wird, darüber gehen die Meinungen unter Experten auseinander. Die einen rechnen mit einer nochmaligen Höherbewertung, weil der Vorstoss Bitcoins auf etablierte Börsenplätze ihre Attraktivität erhöhen und so die Nachfrage nach ihnen ankurbeln dürfte. Für diese Sicht mag auch sprechen, dass sich mit einer solchen virtuellen Währung für Investoren eine weitere Möglichkeit eröffnet, das Anlageportefeuille zu diversifizieren.

Es gibt indes auch viele warnende Stimmen. Diese besagen, dass kritisch zum Bitcoin eingestellte Investoren, die seinen Höhenflug stets als Spekulationsblase erachteten, nur darauf warteten, um mittels Futures auf den Absturz der Kryptowährung zu wetten. Tatsächlich wird sich das Publikum, das mit Bitcoin in Berührung kommt, nach der Lancierung entsprechender börsenkotierter Terminkontrakte wohl fundamental verändern. Es wird sich nicht mehr um eine eingeschworene Fangemeinde (aus unterschiedlichsten Gründen) handeln. Vielmehr werden neu auch Akteure dazu gehören, für die Bitcoin ein gewöhnliches Handels- und Spekulationsobjekt ist wie Wertpapiere, Rohstoffe, Immobilien oder Kunstwerke.

Das wieder heisst: Die Kryptowährung dürfte künftig kein Eigenleben in einem abgeschotteten Geviert mehr führen, sondern den gleichen Gesetzen und Kräften unterworfen sein wie alle mehr oder minder offenen Märkte. Angesichts der vielen Unklarheiten in der Funktionsweise Bitcoins ist diese Aussicht nicht eben vielversprechend für die Besitzer der Kryptowährung.

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