Sonst könnte man die 2. Säule abschaffen

Die Guthaben der Pensionskasse sollten eigentlich höher verzinst werden. Es ist daher gut, dass der Bundesrat den Mindeszinssatz nicht gesenkt hat.

Der Mindestzins der beruflichen Vorsorge ist derzeit sehr tief. Es ist richtig, dass der Bundesrat ihn nicht weiter senkt.

Der Mindestzins der beruflichen Vorsorge ist derzeit sehr tief. Es ist richtig, dass der Bundesrat ihn nicht weiter senkt.

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Einmal pro Jahr werden die Sparguthaben der zweiten Säule verzinst, dieses Jahr bei 1 Prozent. Das heisst, aus 50'000 Franken werden im Dezember 50'500 Franken. So viel darf man bei einem Jobwechsel aus der Pensionskasse mitnehmen. 500 Franken mehr pro Jahr, das ist nun wirklich fast nichts. Der Mindestzins der beruflichen Vorsorge (BVG) ist derzeit sehr tief.

Dennoch verlangten die Versicherer vor dem Entscheid des Bundesrats gestern allen Ernstes eine Senkung des Mindestzinses auf ein Viertel­prozent. Das wären bei 50'000 Franken Kapital noch 125 Franken. So wenig zu erzielen, das schafft man sogar privat, indem man sein Geld ein Jahr auf das Sparkonto gewisser Banken legt. Dafür braucht es keinen milliardenteuren 2.-Säule-Apparat.

Zudem werden Gelder der 2. Säule nicht auf ein Jahr, sondern auf 40 Jahre hinaus investiert. Ein solcher Horizont ändert alles. Die Experten aller Couleur sind sich einig, dass bei der zweiten Säule mehr herauszuholen ist als bloss der Sparkontozins. Pensionskassen und BVG-Sammelstiftungen können Anlagerisiken eingehen, um 2 Prozent bis 5 Prozent Performance herauszuholen, je nach Strategie, Altersverteilung der Kasse und Reserven.

Sonst könnte man die 2. Säule abschaffen.

So gesehen, ist der vom Bundesrat beschlossene Mindestzins noch zu tief. Er spiegelt nur den risikolosen Zins beziehungsweise die jetzige Teuerung. Das wissen auch die Chefgremien der allermeisten unabhängigen Pensionskassen: die Stiftungsräte. Sie entscheiden über die Verzinsung ihrer Kassen und konnten in den letzten Jahren den Mindestzins immer ums Doppelte bis Dreifache überbieten. Für sie hat der BVG-Mindestzins bloss Signalwirkung.

Direkt wirkt sich der Entscheid aber für 1,2 Millionen Berufstätige aus – nämlich für solche, die bei einer Sammelstiftung von Swiss Life, Helvetia, Pas, Baloise oder Allianz Suisse versichert sind. In der Vergangenheit haben die Versicherer fast nur den Mindestzins offeriert. So leuchtet ein, dass der Bundesrat ihn belässt. Sonst könnte man die 2. Säule abschaffen. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 07.11.2018, 21:58 Uhr

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