Dauerkritik an Negativzins: Jetzt äussert sich SNB-Jordan

Sparer, PK, Immo-Blase – die SNB-Politik sorgt für Aufruhr. Erstmals nimmt Thomas Jordan ausführlich Stellung. Und er stellt die rhetorische Frage.

Thomas Jordan spricht während der GV der Schweizerischen Nationalbank in Bern. (24. April 2015)

Thomas Jordan spricht während der GV der Schweizerischen Nationalbank in Bern. (24. April 2015) Bild: PETER KLAUNZER /Keystone

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«In der gegenwärtigen Situation ist der Negativzins genauso wie unsere Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, ... unerlässlich», sagte SNB-Präsident Thomas Jordan gemäss Redetext an der Generalversammlung am Freitag in Bern.

Nur so könne die SNB in der Schweiz die Zins- und Wechselkursbedingungen aufrechterhalten, die zur Erfüllung ihres Auftrags notwendig seien, nämlich die Preisstabilität zu gewährleisten und dabei der konjunkturellen Entwicklung Rechnung zu tragen. «Hielten wir den Negativzins zur Erfüllung unseres Mandats nicht für absolut notwendig, würden wir auf ihn verzichten», sagte Jordan.

«Wichtiger Beitrag für Wirtschaft»

Für Jordan steht «ausser Frage», dass der Negativzins in der Vergangenheit einen wichtigen Beitrag geleistet hat, die Schweizer Wirtschaft «gut durch eine schwierige Zeit» zu führen. Und er trage auch heute noch «ganz wesentlich» dazu bei, dass sich die Schweizer Wirtschaft trotz vieler internationaler Unsicherheitsfaktoren gut entwickle. Vor den Aktionären stellte Jordan dann die (rhetorische) Frage, ob es den Bürgern in der Schweiz ohne den Negativzins besser gehen würde. Nicht überraschend kommt er zum Schluss, dass dem nicht so wäre.

«Eine Aufhebung des Negativzinses würde der Schweizer Wirtschaft heftig zusetzen», sagte der SNB-Präsident. Die kurzfristigen Zinsen in der Schweiz lägen dann wieder höher als in anderen Ländern, was die Attraktivität von Anlagen in Franken deutlich steigern würde.

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Dadurch würde sich der Franken aufwerten, was die Wirtschaftsdynamik in der Schweiz beeinträchtigen, die Arbeitslosigkeit erhöhen und die Teuerung in den negativen Bereich drücken würde, folgert Jordan.

Kaum Auswirkungen für Pensionskassen

Unter dem Strich würde sich gemäss Jordan auch die Lage von Sparern, Pensionskassen, Lebensversicherungen und Banken «kaum wesentlich verbessern». So wären wegen der stark abgeschwächten Konjunktur die Gewinnaussichten der Unternehmen getrübt.

Ausserdem würden sich die Kapitalmarktzinsen sich wegen den verschlechterten Wirtschaftsaussichten «wenig verändern», auch wenn die kurzfristigen Zinsen in der Schweiz nicht mehr negativ wären.

Gleiches gilt laut Jordan auch für den Immobilienmarkt. Zwar könnte eine Aufhebung des Negativzinses die Dynamik hier etwas dämpfen. Da sich jedoch am tiefen Zinsniveau wenig ändern würde, bliebe die Wirkung beschränkt. Alles in allem kommt der höchste Schweizer Währungshüter zum Schluss: «Die Aufhebung des Negativzinses in der heutigen Situation wäre nicht im Gesamtinteresse unseres Landes.» (aru/sda)

Erstellt: 26.04.2019, 10:28 Uhr

Bankratspräsident mahnt Unabhängigkeit der SNB an

Die Unabhängigkeit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist für den abtretenden Bankratspräsidenten Jean Studer die primäre Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldpolitik. Eine von der Politik vereinnahmte Notenbank könnte ihren Auftrag im Gesamtinteresse des Landes nicht mehr erfüllen, sagte Studer an der SNB-Generalversammlung.

«Der Gesetzgeber war sich der zentralen Bedeutung der Unabhängigkeit schon bei der Gründung der Nationalbank vor über 100 Jahren bewusst», sagte Studer gemäss Redetext. Das Gegenstück zur Unabhängigkeit sei aber die Pflicht der SNB, über die Erfüllung ihres Auftrags Rechenschaft abzulegen und über ihr Handeln zu informieren. Denn die Unabhängigkeit basiere letztlich auf dem Vertrauen, das dem Noteninstitut entgegengebracht werde - und dieses müsse sich die SNB immer wieder verdienen. (sda)

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