Damit sich der Einkauf in die Pensionskasse lohnt

Mit freiwilligen Einzahlungen lassen sich Steuern sparen und die Leistungen im Alter aufbessern. Worauf man dabei achten sollte.

Die Altersrente lässt sich mit freiwilligen Beiträgen in die Pensionskasse kaum erhöhen. Foto: Getty Images

Die Altersrente lässt sich mit freiwilligen Beiträgen in die Pensionskasse kaum erhöhen. Foto: Getty Images

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Wer in den nächsten Jahren in Pension geht, muss mit einer deutlich tieferen Rente aus der Pensionskasse rechnen als heutige Pensionäre. Zum einen führen die seit langem anhaltend tiefen Zinsen dazu, dass die ­Altersguthaben der 2. Säule langsamer ansteigen. Zum ­andern haben etliche Kassen den Umwandlungssatz gesenkt oder werden dies noch tun: Das schmälert die Renten zusätzlich.

Viele können es sich nicht leisten, freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse zu tätigen, um so die Leistungen zu verbessern. Und wer es sich erlauben kann, muss sich bewusst sein, dass Einzahlungen sich nicht in jedem Fall positiv auswirken; zudem gibt es rechtliche Schranken. Einkaufswillige sollten deshalb die folgenden Aspekte beachten:

  • Vorsorgelücke: Freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse sind nur möglich, wenn eine Vorsorgelücke besteht. Meist steht im jährlichen persönlichen Pensionskassenausweis, ob das der Fall ist beziehungsweise wie hoch der maximale Einkaufs­betrag ist.

Um die Vorsorgelücke zu ­ermitteln, mache die Pensionskasse eine hypothetische Berechnung, sagt Heinz Barmettler vom Bundesamt für Sozialversicherungen. Dabei gehe die Kasse vom aktuellen Lohn der versicherten Person aus und schaue, wie viel die Person auf dem ­Alterskonto haben würde, wenn sie diesen Lohn ab dem Alter von 25 Jahren gehabt hätte. «Ist das hypothetische Sparguthaben grösser als das tatsächliche, entspricht die Differenz der Vorsorgelücke.»

  • Gesetzliche Vorgaben: Wer sich mit Vorsorgegeldern ein Eigenheim finanziert hat, muss diese Bezüge erst vollständig ­zurückzahlen, bevor er sich einkaufen kann. Auch wer auf einem Freizügigkeitskonto weitere ­Vorsorgegelder deponiert habe, müsse dies angeben, sagt Barmettler. Dadurch verringere sich der mögliche Einkaufsbetrag entsprechend.

  • Wohin der Einkauf geht: Eine zentrale Frage ist, wie die Kasse den Einkaufsbetrag verbucht. Pensionskassen, die mehr als das gesetzliche Obligatorium bieten, legen dies selber fest. Sie könnten den Betrag aufteilen zwischen dem obligatorischen und dem überobligatorischen Guthaben oder ihn gänzlich dem Überobligatorium zuteilen, so Barmettler.

Was sehr technisch tönt, wirkt sich direkt auf die Leistungen aus. Verbucht die Kasse den Einkaufsbetrag nur im überobligatorischen Guthaben, gibt es dafür keinen gesetzlich garantierten Mindestzins. Auch der Umwandlungssatz, mit dem die Rente berechnet wird, ist im Überobligatorium meist deutlich tiefer als im Obligatorium. Dort schreibt das Gesetz 6,8 Prozent vor. Dies kann dazu führen, dass die Altersrente trotz Einkauf kaum grösser wird. Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, sollten Versicherte sich vorgängig informieren, wie die Kasse den Einkauf verbucht und welche Konditionen dafür gelten.

  • Tod vor dem Rentenalter: Was passiert mit den freiwilligen Einzahlungen, wenn die versicherte Person vor der Pensionierung stirbt? Auch das legt jede Kasse selber fest, das Gesetz macht keine Vorgaben. In der ­Regel werde das Geld nicht dafür eingesetzt, um die Renten von Witwen oder Waisen zu verbessern, sagt Pensionskassenexpertin Liliane Grossmann, die im Vorstand des Vereins BVG-Auskünfte sitzt. Zwar zahlten heute viele Kassen die Einkaufsbeträge den Hinterbliebenen bar aus. Dennoch rät Grossmann, dies rechtzeitig ­abzuklären.

  • Vorsicht bei Unterdeckung: Auch die finanzielle Situation der Pensionskasse gilt es zu prüfen. Entsprechende Auskünfte erhält man aus dem Geschäftsbericht oder beim Stiftungsrat der Kasse. Entscheidend ist etwa der Deckungsgrad. Liegt dieser deutlich unter 100 Prozent, heisst es: aufpassen, sagt Liliane Grossmann. «Da besteht das ­Risiko, dass sich die Versicherten an der Sanierung beteiligen müssen», was den Wert der freiwilligen Einzahlungen schmälern könne.

  • Zeitpunkt des Einkaufs: Ist das Geld in der Pensionskasse, bleibt es dort bis zur Pensionierung. Vorbezüge sind nur ausnahmsweise möglich – etwa zur ­Finanzierung von Wohneigentum. Deshalb seien Einkäufe erst ab dem Alter von 50 Jahren sinnvoll. «Sonst ist das Kapital zu lange gebunden», sagt Karl Flubacher, Geschäftsleiter Region Nordwest- und Westschweiz beim VZ Vermögenszentrum. Zudem gebe es in der 2. Säule derzeit eine Umverteilung. Aktiv Versicherte müssten oft Einbussen hinnehmen, damit die Renten der Pensionierten finanziert werden könnten. Auch dies spricht laut Flubacher dafür, Einkäufe nicht zu früh vorzunehmen. Zu beachten ist aber, dass Einzahlungen, die weniger als drei Jahre vor der Pensionierung stattfinden, nur als Rente bezogen werden können.

  • Steuern sparen: Ein wesentlicher Vorteil von freiwilligen Einzahlungen sind die Einsparungen bei den Steuern. Einkäufe in die 2. Säule können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Flubacher rät dazu, grössere Beträge möglichst auf mehrere Jahre aufzuteilen. «So lassen sich meist mehr Steuern sparen, als wenn man alles aufs Mal einzahlt.»

Vorsorge-Experte Karl Flubacher ist überzeugt: Gut gewappnet, sei es sinnvoll, sich in die Pensionskasse einzukaufen. Er ergänzt aber: «Während man früher ­damit auch die Altersrente erhöhen konnte, lässt sich heute meist nur der Besitzstand wahren.»

Erstellt: 02.12.2019, 08:25 Uhr

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