Migros und Coop zeigen Visa und Mastercard bei der Weko an

Neue Tarife von Visa lassen die Kosten der Händler um 8 Millionen Franken pro Jahr ansteigen. Nun sollen die Wettbewerbshüter einschreiten.

Bezahlen mit der Karte ist nicht teurer als mit Bargeld – die Händler aber müssen Gebühren abliefern. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Bezahlen mit der Karte ist nicht teurer als mit Bargeld – die Händler aber müssen Gebühren abliefern. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Kaum haben die wichtigsten Schweizer Händler klein bei­gegeben und auf ­Aufschläge für Kreditkartenzahlungen verzichtet, legt sich der Verband Elektronischer Zahlungsverkehr (VEZ) wieder mit den Kreditkartenriesen Visa und Mastercard an. In der Interessengruppierung VEZ sind unter anderem Migros, Coop und Gastrosuisse vertreten. Der VEZ hat vor wenigen Tagen bei der Wettbewerbskommission (Weko) eine Anzeige gegen Visa und Mastercard eingereicht. Dies geht aus Dokumenten hervor, die dieser Zeitung vorliegen.

Der Anlass dafür ist eine in diesen Tagen eingeführte Preiserhöhung von Visa. Die Gebühren, die Schweizer Händler an die Kreditkartenfirmen bezahlen, steigen deutlich, wenn Kunden Bezahlkarten aus dem EWR-Raum benutzen. Zum Teil werden die Tarife verdoppelt.

Händler fürchten weitere Tariferhöhung

Die Schweizer Händler haben die neuen Tarife zum Anlass genommen, die Kosten unter die Lupe zu nehmen, die Schweizer Händlern beim Bezahlen mit ausländischen Karten von Visa und Mastercard entstehen. Die Gebühren von Visa gleichen sich laut einer Auswertung des VEZ denjenigen von Konkurrent Mastercard an. Der Schluss liege nahe, dass die beiden Unternehmen ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzen, heisst es in der Anzeige.

Die Schweizer Händler fürchten, dass Visa und Mastercard die Gebühren zukünftig weiter erhöhen könnten. Daher richtet sich die Anzeige gegen beide Unternehmen. Visa und Mastercard kommentieren eine Anfrage dieser Zeitung nicht.

Konsumenten sollen zahlen

Die Preiserhöhung hat es in sich. Heute werden rund 12 Prozent aller Zahlungen in der Schweiz mit Karten aus dem EWR-Raum abgewickelt. Ihr Anteil wächst. Die Detailhändler gehen daher davon aus, dass alleine Visa 8 Millionen Franken pro Jahr mehr einnimmt – Tendenz steigend. Das sollen auch die Konsumenten spüren. So heisst es in der Anzeige der Detailhändler: «Der einzige Ausweg der Kartenakzeptanten ist es, entweder eine Schmälerung der eigenen Marge hinzunehmen» oder die höheren Kosten «durch generelle und für alle Kunden geltende Preiserhöhungen weiterzugeben».

Wenn Kunden Bezahlkarten aus dem EWR-Raum benutzen, steigen die Tarife deutlich.

Schweizer Händler können ausländische Karten nicht einfach ablehnen und keine speziellen Zuschläge für sie einfordern. Und gar keine Karten mehr entgegenzunehmen, ist auch keine Option. Damit würden sich die Händler selbst schaden, weil die Kunden das nicht verstehen würden und zu einem Konkurrenten gehen könnten, der ihre Karte akzeptiert. Für die Händler gibt es zudem keinen unmittelbaren Anlass für den Aufschlag. Bei Mastercard und Visa stünden keine bedeutenden technischen Neuerungen an.

Im Gegenteil: Weil in der EU die Tarife für ausländische Kartenzahlungen gesunken sind, sehen sich die Detailhändler in der Schweiz noch stärker benachteiligt. Der VEZ geht davon aus, dass die Schweizer Händler pro Jahr rund 100 Millionen Franken Gebühren weniger bezahlen müssten, wenn für sie die gleichen Tarife wie für EU-Händler gelten würden.

Alter Streit

Ein jahrelanger Streit zwischen den Schweizer Händlern und den internationalen Kreditkartenfirmen flammt damit neu auf. Dabei schien er gerade erst beendet. Jahrelang stritten sich die Parteien darum, wie teuer eine Kreditkartenzahlung für einen Händler sein kann und ob er seinen Kunden einen Zuschlag für das Bezahlen per Karte verrechnen darf.

Die Schweizer Händler, Banken und die Bezahlindustrie einigten sich vor mehr als vier Jahren auf einen von der Wettbewerbskommission vermittelten Kompromiss. Die Kosten der Händler für das Bezahlen mit Kreditkarten sind danach bis ins Jahr 2017 schrittweise gesunken. Als Gegenleistung verpflichteten sie sich, keinen Aufschlag von ihren Kunden zu verlangen, die mit Kreditkarte bezahlen. Bis ­dahin war das üblich, um die Mehrkosten zumindest teilweise aufzufangen.

Der Handel sollte damit um 50 bis 60 Millionen Franken pro Jahr entlastet werden. Und die Kunden hatten den Vorteil, nicht mehr darauf achten zu müssen, wie sie etwas bezahlen – ob mit Karte, bar oder per Rechnung: Für die Konsumenten kostet alles gleich viel.

Swiss wehrte sich lange

Vor wenigen Wochen gab mit der Airline Swiss der letzte bedeutende Verkäufer in der Schweiz klein bei. Die Fluggesellschaft führte jüngst ein neues Preis­modell ein, wie die «SonntagsZeitung» berichtete. Die Kreditkartenzahler kostet ein Flug nun nicht mehr automatisch 1,4 Prozent mehr als für Passagiere, die auf Rechnung bezahlen.

Ganz gleich werden die Kreditkartenzahler aber immer noch nicht behandelt: Neu gibt es spezielle Rabatte – je nach Zahlungsmittel.

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Erstellt: 06.04.2019, 07:46 Uhr

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