Die Chancen von Libra überwiegen

Trotz Bedenken gegenüber der Währung sollten wir auf ihren Erfolg hoffen.

«Millionen von Menschen könnten mit Libra Zugang zu einem sicheren Finanzsystem mit stabiler Währung bekommen», findet Autor Dominik Feusi. (Foto: Keystone)

«Millionen von Menschen könnten mit Libra Zugang zu einem sicheren Finanzsystem mit stabiler Währung bekommen», findet Autor Dominik Feusi. (Foto: Keystone)

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Facebook will zusammen mit anderen Internetfirmen und Kreditkartenkonzernen eine eigene Währung herausgeben. Libra soll eine elektronische Währung sein, die mit echten Werten abgesichert ist. Das Vorhaben ist eine Kampfansage an die Notenbanken und ihr Monopol, Geld herzustellen – und an Staaten, die sich bei ihren Notenbanken bedienen.

Richtig ist, dass Facebook keinen besonders guten Ruf hat, was Datenschutz angeht. Im Gegenteil: Die Liste mit fragwürdigen Praktiken des Konzerns im Umgang mit Daten ist lang. Darum ist gegenüber dem Projekt gesunde Skepsis angesagt. Dass der Schweizer Datenschutz jetzt von Libra zusätzliche Informationen verlangt, ist richtig.

Libra hat das Zeug, korrupte Politiker, geldgierige Banker und willfährige Notenbanker zu entmachten.

Hingegen ist die Schweiz ein Rechtsstaat, in dem grundsätzlich erlaubt ist, was nicht verboten wurde. Sollte Libra eine Bewilligung der Finanzmarktaufsicht erhalten und den Datenschützer von ihren Vorkehrungen überzeugen, soll die Währung an den Start gehen dürfen. Bei Geld spielt das Vertrauen seiner Nutzer noch eine viel grössere Rolle als bei einem sozialen Netzwerk. Auch die beste Absicherung einer Währung nützt nichts, wenn das Vertrauen fehlt. Eine Libra ist nur so viel wert, wie ich mit ihr kaufen kann. Wenn sie niemand will, ist sie wertlos.

Bei allen nachvollziehbaren Vorbe­halten: Libra hat das Zeug, korrupte Politiker, geldgierige Banker und willfährige Notenbanker zu entmachten. Millionen von Menschen könnten mit Libra Zugang zu einem sicheren Finanzsystem mit einer stabilen Währung bekommen, zumal in auto­ritären Staaten. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die finanzielle Unabhängigkeit der Einzelnen und für die wirtschaftliche Entwicklung. Der Wettbewerb zwischen Libra und Papiergeld dürfte auch Letzteres werthaltiger machen. Damit ist vor allem jenen gedient, die wenig haben. Wenn Libra ein Erfolg wird, könnte sie mehr bewirken als die gesamte Entwicklungshilfe zusammen. Wir haben alles Interesse daran, dass das gelingt.

Erstellt: 19.07.2019, 20:33 Uhr

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