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Die erste grosse Notenbankerin tritt ab

Janet Yellen hat die Geldpolitik in den USA und weltweit massgeblich geprägt.

Versierte Ökonomin: Janet Yellen im Juni in Washington. Foto: AP/Susan Walsh,
Versierte Ökonomin: Janet Yellen im Juni in Washington. Foto: AP/Susan Walsh,

Janet Yellen wird das Fed, die US-Notenbank, im nächsten Jahr gleich ganz verlassen – sobald Jerome Powell, ihr Nachfolger als Präsident der mächtigsten Wirtschaftsinstitution der Welt, das Amt übernimmt. Ihre Amtszeit als Präsidentin läuft im nächsten Februar ab. Als ­gewöhnliche Gouverneurin hätte die 71-jährige Yellen noch bis ins Jahr 2024 im obersten Gremium des Fed, dem Board, verbleiben können.

Mit dem Abgang von Yellen endet die erste Amtszeit mit einer Frau an der Spitze der US-Notenbank nach nur rund drei kurzen Jahren wieder. Erst im Jahr 2014 wurde sie vom damaligen Präsidenten Barack Obama für den Posten nominiert und vom Senat bestätigt. Dabei wollte Obama eigentlich nicht sie, sondern seinen ökonomischen Chef­berater Larry Summers auf den Posten hieven. Doch dieser stiess vor allem wegen seiner Nähe zu den Banken in seiner Zeit als Finanzminister von Bill Clinton in den 90er-Jahren auf Widerstand im Senat und hat deshalb von sich aus auf den Posten verzichtet. Auch ihr Abgang vom Chefposten des Fed war nicht freiwillig. Es kommt selten vor, dass ein amtierender Notenbankchef nach Ablauf einer Amtszeit vom Präsident nicht bestätigt wird.

Das Ende der Top-Ökonomen

Mit Janet Yellen tritt aber nicht nur eine Frau vom höchsten Amt beim Fed zurück, es endet auch die Zeit der ökonomischen Top-Experten auf diesem Posten. Schon Yellens Vorgänger Ben Bernanke hat sich vor seiner Zeit bei der US-Notenbank während seiner akademischen Karriere vertieft mit geldpolitischen Fragen auseinandergesetzt und galt als einer der führenden Ökonomen in diesem Thema. Das Gleiche gilt für ­Janet Yellen. Bernanke und Yellen waren es schliesslich auch, die die Finanzkrise letztlich gemeistert haben, obwohl es für ein abschliessendes Urteil ihrer Leistung noch zu früh ist. Yellens Nachfolger Jerome Powell hat jedenfalls in Sachen Geldpolitik deutlich weniger vorzuweisen. Er ist Jurist und erst seit 2012 beim Fed. Karriere hat er bisher als Banker und Investor gemacht. Dass man ihn auf den Kapitalmärkten mag, liegt vor allem daran, dass er sich als Gouverneur bisher stets hinter die Politik von Chefin Yellen gestellt hat. Doch ab dem nächsten Jahr wird sie nicht mehr da sein.

Janet Yellen ist nicht nur eine ausserordentlich versierte Ökonomin, sie war auch weit über ihre Präsidentschaft hinaus mit der US-Notenbank verbunden. In ihrem Rücktrittsbrief an Präsident Donald Trump schreibt sie: «Ich hatte das grosse Privileg und die Ehre, dem Federal Reserve System über drei spannende Jahrzehnte zu dienen.»

Tatsächlich war Yellen schon in den Jahren 1977 bis 1978 zum ersten Mal für die US-Notenbank tätig – damals noch als Ökonomin. Zuvor und danach arbeitete sie als Professorin an verschiedenen Top-Universitäten wie Harvard in Boston, der London School of Economics und Berkeley in Kalifornien. 1994 nominierte sie der damalige demokratische US-Präsident Bill Clinton zum ersten Mal als Gouverneurin für das Fed, wo sie unter dem damaligen Fed-Chef Alan Greenspan bis 1997 verblieb und danach Clintons ökonomischen Beraterstab leitete. Im Jahr 2004 übernahm sie für sechs Jahre die Leitung des Fed-Ablegers von San Francisco. 2010 kehrte sie erneut ins Führungsgremium der Notenbank zurück und wurde deren Vizepräsidentin unter Ben Bernanke.

Die Arbeitslosigkeit im Zentrum

Vielen galt Yellen als Taube beim Fed, weil man von ihr glaubte, der Inflationsgefahr weniger Gewicht beizumessen als der Sorge um die Arbeitslosigkeit. Andere Notenbanken, wie etwa die Europäische Zentralbank (EZB), haben einzig die Inflation im Fokus. Der Auftrag der US-Notenbank lautet immerhin, gleichzeitig auch die Arbeitslosigkeit im Auge zu behalten. Unter Ökonomen war es lange Zeit äusserst umstritten, ob die Geldpolitik hier überhaupt etwas bewirken kann.

Es war nicht zuletzt die Forschung von Janet Yellen als Akademikerin und ihrem Mann George Akerlof, die hier zu einem Umdenken geführt hat. Akerlof hat Yellen in der Kantine der US-Notenbank im Jahr 1977 kennen gelernt, wo beide damals als Ökonomen tätig waren. Der Gatte von Yellen erhielt im Jahr 2001 den Wirtschaftsnobelpreis gemeinsam mit zwei weiteren Ökonomen. Selbst der Sohn von Yellen und George Akerlof, ­Robert Akerlof, ist heute als Wirtschaftsprofessor tätig.

Yellens stärkerer Fokus auf die Arbeitslosigkeit erwies sich vor allem im Nachgang der Finanzkrise als richtig. Trotz der massiven Geldschwemme – auch durch das Fed – bewegte sich die Teuerung nicht. Die Arbeitslosigkeit konnte damit aber deutlich reduziert werden. Auf Yellen geht letztlich auch die Doktrin zurück, wonach die US-Notenbank (wie auch jene in Europa) nicht eine Inflationsrate von null Prozent, sondern von rund zwei Prozent anstreben sollte.

Janet Yellens Abgang bedeutet nicht nur den Verlust einer versierten Ökonomin für das Fed. Nun wächst auch der Einfluss, den Präsident Trump auf die Institution nehmen kann. Jetzt kann er im obersten Gremium eine Mehrheit neu besetzen.

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