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Die Verlierer der bargeldlosen Gesellschaft

In kaum einem anderen Land verschwindet das Bargeld so rasch wie in Schweden, doch viele Bürger drohen abgehängt zu werden.

Die Schweden verzichten auf ihr Bargeld: Es sind immer weniger Schwedische Kronen in Umlauf.
Die Schweden verzichten auf ihr Bargeld: Es sind immer weniger Schwedische Kronen in Umlauf.
Bob Strong, Reuters

Wer mit Kronen nach Schweden reist, erkennt bald, dass er dort keine Münzen und Geldscheine mehr braucht. Ob in Kaffees, Kleidergeschäften oder Supermärkten – überall wird lieber eine Kreditkarte oder die weit verbreitete Bezahl-App Swish akzeptiert als Bargeld entgegengenommen. Bei vielen Bankfilialen können Kunden nicht einmal mehr Bargeld einzahlen.

Viele Schweden wissen gar nicht mehr, wann sie das letzte Mal Kronen in der Hand hatten. Laut einer Studie von Insight Intelligencebezahlen 36 Prozent der Schweden nie oder höchstens einmal im Jahr mit Bargeld.

Viele können nicht auf Bargeld verzichten

Doch das rasche Ende des Cash bereitet den Schweden zunehmend Kopfzerbrechen. Wenn das Bargeld zu schnell aus dem Alltag verschwinde, könne es zunehmend schwierig werden, die Cash-Infrastruktur aufrechtzuerhalten, so Mats Dillen gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Ökonom Dillen ist Chef einer schwedischen Kommission, die die Wirkungen des Bargeld-Endes untersucht. Ein entsprechender Bericht soll im Sommer erscheinen. Welche Massnahmen daraus hervorgehen könnten, gibt Dillen aber nicht bekannt.

Doch schon heute mahnt der Ökonom zur Vorsicht. Laut Dillen könne es zu einer Negativspirale kommen, wenn die Schweden stärker auf Noten und Münzen verzichten. Viele Schweden drohen vom wirtschaftlichen Leben ausgeschlossen zu werden. Nicht alle können oder wollen auf bargeldlose Zahlungsmittel setzen. Das können beispielsweise ältere Menschen sein, die Mühe mit Smartphones haben.

Bargeldmenge sinkt rasant

Auch die schwedische Zentralbank Riksbank beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle ihr in der bargeldlosen Gesellschaft zukommt. Die Riksbank analysiere die Entwicklung, so Stefan Ingves, Chef der schwedischen Notenbank, gegenüber Bloomberg. Schweden sollte darüber nachdenken, die Banken dazu zu zwingen, den Kunden Bargeld auszuhändigen. Derzeit würde die Notenbank strukturelle Veränderungen in Bereichen beobachten, die einst als besonders stabil galten.

In der Schweiz steigt die Bargeldmenge im Gegensatz zu Schweden an. Der Grund dafür ist nicht das steigende Bedürfnis nach Barzahlungen, auch hier steigt der Anteil der Kartentransaktionen an, sondern hängt mit der 1000-Franken-Note zusammen. Sie ist für rund 60 Prozent der Bargeldmenge verantwortlich.Die grosse Verbreitung wird aber auch oft kritisiert, denn die Note sei bei Kriminellen und Terroristen beliebt. Ihre Geschäfte würden durch die 1000-Franken-Note erleichtert, so der oft geäusserte Vorwurf.

Ein spannender Nebeneffekt des Umstiegs der Schweden auf digitale Bezahlmethoden zeigt sich beim Falschgeld: Die Anzahl der gefälschten Banknoten, welche die Zentralbank aus dem Verkehr gezogen hat, hat sich in den letzten fünf Jahren von etwas mehr als 1000 auf rund 500 halbiert. Auch in der Schweiz ist in diesem Zeitraum die Zahl der gefälschten Noten zurückgegangen. 2013 blieben rund 3700 gefälschte Noten hängen, 2016 waren es nur noch rund 2400.

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