Diesem Schweizer traut Mark Zuckerberg alles zu

Der in Genf aufgewachsene David Marcus entwickelt bei Facebook Zukunftsprojekte. Jetzt die Weltwährung Libra.

Möchte mit seinen Innovationen Milliarden von Menschen erreichen: David Marcus. Foto: PD

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Zu Facebook zu wechseln, war für David Marcus ein kolossaler Abstieg. Er war Chef von Paypal, dem Internet-Bezahldienst mit 15'000 Mitarbeitern; mit Privatflugzeug und allem, was dazugehört. Bei Facebook sollte er den Messenger managen, das hässliche Entlein in Mark Zuckerbergs Reich. Anzahl Angestellte der Abteilung: 100. Aber Zuckerberg überzeugte Marcus bei einem Nachtessen im eigenen Heim. Es gab Lachs. Ausschlaggebend aber war Zuckerbergs Vision, wie er Facebook in die Smartphone-Zukunft führen wollte. Die zentrale Rolle dabei sollte David Marcus übernehmen.

Das war 2014. Der Messenger hatte 300 Millionen Nutzer. Heute funktioniert er unabhängig vom sozialen Netzwerk und wird von 1300 Millionen Menschen gebraucht. Aber Marcus ist längst einen grossen Schritt weiter. Er leitet das Projekt Libra, die zuckerbergsche Vision einer Weltwährung – ein verschlüsseltes Zahlsystem für alle und alles, einfach zu nutzen übers Mobiltelefon, auch für Menschen ohne Konto. Libra wird ohne Banken auskommen, aber nicht ohne Facebook.

Ein grundsolider Mensch

David Marcus wurde vor 46 Jahren in Frankreich als Sohn eines Rumänen und einer Iranerin geboren. Die Familie zog nach Genf, wo David schon als Achtjähriger Computer zu programmieren begann. Jedenfalls wird das so von verschiedenen Quellen berichtet. Marcus ging an die Universität, schmiss aber das Studium schon nach einem Jahr, um als Banker die Familie zu unterstützen. Mit 23 gründete er sein erstes Start-up, das Internetanschlüsse verkaufte. Schon bald verlegte sich Marcus auf Bezahldienste im Netz. Seine letzte Gründung hiess Zong. Paypal kaufte das Unternehmen für umgerechnet 240 Millionen Franken. Marcus wechselte mit und entwickelte für Paypal in Kalifornien das Bezahlen via Smartphone. Schliesslich wurde er Chef des Unternehmens, das einst von den Silicon-Valley-Legenden Elon Musk und Peter Thiel gegründet worden war.

Der Schweizer «Bilanz» gab Marcus 2015 eines seiner raren Interviews. Darin sagte er, was ihn antreibt: Dienstleistungen zu entwickeln, die intuitiv zu bedienen sind und Millionen, ja Milliarden von Menschen erreichen. Der Wechsel zu Facebooksei eine Chance gewesen, die es nur einmal im Leben gebe. Es war auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln als Unternehmer: «Als Paypal-Chef habe ich 90 Prozent meiner Zeit damit verbracht, Mitarbeiter zu managen. Bei Facebook kann ich mich zu 90 Prozent um das Produkt kümmern.» Ehemalige Mitunternehmer bei Zong und Paypal bezeichnen Marcus als grundsoliden Menschen, der seine Vorstellungen überzeugend vermitteln könne.

Diese Fähigkeiten hat Marcus bei der Libra-Präsentation demonstriert. Aber er steht erst ganz am Anfang. Die Finanzbranche wird sich wehren. Sie zittert schon lange vor einem Konkurrenten wie Facebook, der ihren Markt dank digitalem Vorsprung und Milliarden schon bestehender Kunden komplett neu aufmischt. Und Amazon, Google, Apple werden eigene Währungen lancieren – in China ist Alibaba schon so weit. Umgekehrt hängt für Mark Zuckerberg von Libra alles ab. Als soziales Netzwerk allein wird Facebook nicht überleben. «Zuck» legt sein Schicksal in die Hände von einem, dem er alles zutraut.

Erstellt: 19.06.2019, 19:29 Uhr

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