Auf diese Aktientitel sollten Sie 2020 ein Auge haben

Während der Zins auf dem Bankkonto gegen null geht, gibt es bei manchen Aktien eine grosse Dividendenrendite: die Anleger-Tipps.

Wie erkennt ein ­Anleger Unternehmen, die regelmässig eine attraktive Dividende ausschütten? Foto: Getty Images

Wie erkennt ein ­Anleger Unternehmen, die regelmässig eine attraktive Dividende ausschütten? Foto: Getty Images

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Vergangenes Jahr erhielten die Besitzer Schweizer Aktien dank der Dividenden eine durchschnittliche Rendite von 3 Prozent bezogen auf den Aktienkurs. Die steuerfreien Kursgewinne sind dabei noch nicht berücksichtigt. Von solchen Renditen können Anleger nur träumen, die aus Angst vor Kursverlusten ihr Vermögen lieber auf dem Bankkonto parkieren.

Angesichts des ausbleibenden Zinsertrags und gestiegener Kontogebühren dürfte nun die Verlockung zunehmen, mit den Ersparnissen die eine oder andere Dividendenperle zu kaufen. Doch es ist nicht ratsam, sich von der Dividendenhöhe eines Titels blenden zu lassen. «Das ist ein typischer Fehler – manche Anleger reagieren überrascht, wenn sie trotz hoher Dividende kein Geld verdienen», sagt Bruno ­Milesi von der Vermögensberaterin Milesi Asset Management AG. Er rät stattdessen, in einem ersten Schritt den Zustand eines Unternehmens oder einer Branche kritisch zu hinterfragen und erst im zweiten Schritt aus soliden Firmen jene Titel mit attraktiver Dividende auszuwählen.

Doch woran erkennt ein ­Anleger Unternehmen, die auch in Zukunft regelmässig eine attraktive Dividende ausschütten? «Entscheidend ist, dass sie ihre Marktposition verteidigen können und in einer Branche ­tätig sind, die durch Konjunkturschwankungen nicht so leicht aus der Spur geworfen wird», sagt Timo Dainese vom Vermögensverwalter Zugerberg Finanz.

Jahrzehntelange Kontinuität

Von verschiedenen Fachleuten werden dabei immer wieder die Schweizer Titel Nestlé, Roche und Novartis genannt. «Nestlé zahlt seit gut 58 Jahren eine ­Dividende und hat diese nie ­gekürzt», erläutert Sven Hanselmann, der bei der Berner Kantonalbank für Anlageberater Ideen ausarbeitet. Roche habe die ­Dividende im Geschäftsjahr 2018 zum 32. Mal in Folge erhöht. Und Novartis bereits zum 22. Mal in Folge. Für diese Titel rechnen Analysten auch in den nächsten Jahren mit rund 3 Prozent Dividendenrendite – das ist das Verhältnis der Dividende zum aktuellen ­Aktienkurs. «Solche Dividenden-Aristokraten, die seit langer Zeit kontinuierlich Dividenden ausschütten, sind gewiss prüfenswert», meint Timo Dainese.

Noch interessanter wäre es natürlich, jene Titel zu kaufen, die sich in den kommenden Jahren zu Dividendenperlen entwickeln. Dafür braucht es neben Glück eine kluge Interpretation von Unternehmensdaten und Marktinformationen. Die folgenden Einschätzungen zu einer Auswahl von Schweizer Aktien mit hoher Dividende bieten eine Interpretationshilfe.

Obwohl die Zurich Insurance Group bereits eine attraktive Dividende ausschüttet, sieht Timo Dainese von der Zugerberg Finanz AG für diesen Titel weiteres Steigerungspotenzial. Der Versicherungskonzern zähle in einem Marktumfeld mit historisch tiefen Zinsen zu den ­Gewinnern, da sein Gewinn nur zu einem vergleichsweise kleinen Teil von der Zinsentwicklung abhänge. Dank Fortschritten in einzelnen Sparten und einem grossen Anteil an flüssigen Mitteln rechnet Dainese auch in den kommenden Jahren mit einer ­hohen Dividende.

Analysten erwarten, dass die UBS im kommenden Jahr ihre Dividende nochmals erhöht. Die Dividendenrendite soll gar auf rund 6 Prozent steigen. Das wäre unter den SMI- und SPI-Titeln ein Spitzenwert. Dennoch warnen Experten vor einem Kauf. Bruno Milesi von der Milesi ­Asset Management AG nennt die schärfere Regulierung, das nicht enden wollende Klagerisiko und den wachsenden Konkurrenzdruck durch neue Technologien, welche die Geschäftsaussichten trüben.

«Da die UBS ihre Eigenkapital-Basis stärken muss, ­bezweifle ich, dass sie längerfristig eine derart hohe Dividende ausschütten kann», ergänzt er. Allenfalls für kurzfristige Spekulation könne die UBS-Aktie interessant sein. Dainese interpretiert die hohe Dividende gar als ein «Warnsignal» – die Bank wolle damit die Aktionäre für die schlechte Kursentwicklung entschädigen.

Für kleinere Banken geben Experten aber durchaus auch Empfehlungen ab. Zum Beispiel die Basler Kantonalbank sei ein unterschätztes Finanzinstitut, sagt Dainese. «Grundsolid, kapitalstark, tief bewertet und mit einer voraussichtlichen Dividendenrendite von über 4 Prozent deutlich attraktiver als ein Sparkonto.»

Starke Position in Logistik

Auch Kühne & Nagel kann bei Analysten und Vermögensberatern punkten. Der Logistik­konzern baue seine führende Position in Luft- und Seefracht laufend aus und investiere vorbildlich in die Digitalisierung, stellt Dainese fest. Er geht deshalb davon aus, dass dieses Unternehmen seine starke Position behaupten und die Margen sogar noch steigern kann. Auch Milesi lobt den Titel.

Er zweifelt aber daran, dass Kühne & Nagel die momentan hohe Dividende langfristig halten kann. Die Payout-Ratio steigt gemäss Prognosen im kommenden Jahr auf über 90 Prozent. Das bedeutet, dass fast der gesamte Gewinn in Form von Dividenden ausgeschüttet wird. Firmen mit tieferer Pay-out-Ratio können mehr Mittel für Investitionen einsetzen. Eine hohe Pay-out-Ratio – bei einigen Titeln liegt sie sogar über 100 Prozent – deutet darauf hin, dass die Dividendenausschüttung bald sinken könnte.

Bei den Telecomunternehmen Swisscom und Sunrise sagt Dainese trotz hoher Dividende: «Hände weg.» Als Gründe nennt er unter anderem ein «schrumpfendes» Geschäftsfeld und die gescheiterten Pläne von Sunrise, die Kabelgesellschaft UPC zu kaufen, die Schaden hinterlassen hätten. Zudem spricht bei Sunrise die hohe Pay-out-Ratio gegen eine stabile Dividende. Das sind auch nicht die Lieblings­titel von Milesi, er hält sie aber für «eher unterbewertet».

Drohende Währungsverluste

Bei ausländischen Titeln riskieren Anleger aufgrund des anhaltend starken Frankens nach wie vor Währungsverluste. Milesi ist deshalb bei seinen Kunden mit einer Dividendenstrategie für ausländische Titel eher zurückhaltend. Dainese weist darauf hin, dass die Dividendenrendite in Europa tendenziell höher ist als in den USA. Der Grund dafür ist, dass in den USA mit Aktienrückkäufen gearbeitet wird und damit der Anreiz stärker auf Kursgewinne ausgerichtet wird.

Wer im europäischen Ausland nach Dividendenperlen sucht, ist womöglich mit dem SPDR S & P Euro Dividend Aristocrats gut bedient. Dieser Exchange Traded Fund (ETF) enthält ausschliesslich Titel, bei denen die Dividende während mindestens 25 Jahren kontinuierlich gestiegen ist.

Erstellt: 05.01.2020, 17:34 Uhr

Ab dem Jahr 2020 weniger steuerfreie Dividenden

Mit seinem knappen Ja zur Unternehmenssteuerreform II im Februar 2008 ermöglichte das Stimmvolk die steuerfreie Ausschüttung von Dividenden. Die Aktionäre waren seither von der Einkommenssteuer befreit, wenn die Dividende aus Kapitaleinlage­reserven finanziert wurde. Dies war politisch von Beginn weg umstritten, da die damit verbundenen Steuerausfälle höher waren als vor der Abstimmung angekündigt. Wäre das wahre Ausmass frühzeitig bekannt gewesen, hätte es an der Urne womöglich ein Nein gegeben. Mit der Zustimmung zur neuen Unternehmenssteuerreform 2019 werden die Steuerausfälle nun reduziert. Neu dürfen ab diesem Jahr in der Schweiz börsennotierte Unternehmen nur noch steuerfrei Kapitaleinlage­reserven an Aktionäre auszahlen, wenn sie in gleicher Höhe steuerbare Dividenden ausschütten. (ki)

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