Es gibt keine Ausreden gegen höhere Löhne

Arbeitgeber dürfen erste Anzeichen für einen Abschwung nicht missbrauchen.

Auch Frauen im Gesundheitswesen sind vergleichsweise schlecht bezahlt. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Auch Frauen im Gesundheitswesen sind vergleichsweise schlecht bezahlt. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Der Spielraum für Lohnerhöhungen sei eingeschränkt. So reagiert der Arbeitgeberverband auf die Forderungen der Gewerkschaften, die Löhne um mindestens 2 Prozent zu erhöhen. Das Geschäft sei in vielen Export­branchen eingebrochen, der starke Franken vermindere die Gewinne, die Ungewissheit als Folge des Handelsstreits und des Brexit sei zunehmend spürbar.

Doch das sind Ausreden. Fakt ist: Vom Abschwung sind bisher nur einige wenige Sektoren erfasst worden, namentlich die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Den meisten Branchen geht es hingegen blendend, darunter der Pharma-, der Chemie-, der Nahrungsmittel- und der Uhrenindustrie, den Banken und Versicherungen, dem Gastgewerbe, dem Tourismus und dem Baugewerbe. Selbst in der Maschinenindustrie sind längst nicht alle Firmen von der Flaute betroffen, wie die neusten Zahlendes Bundes belegen.

«Die Arbeitgeber sollten von der unguten Tendenz abkehren, nur individuelle Lohnerhöhungen zu gewähren.»

Nehmen wir die Arbeitgeber beim Wort: Sie argumentieren stets, Lohnerhöhungen könnten nur in Branchen und Firmen gewährt werden, in denen die wirtschaftliche Lage es zulasse. Wenn dieses Argument auch dieses Jahr gilt, dürfen sie nun auch nicht gegen höhere Löhne Stimmung machen. Zudem: Die Arbeitgeber schmetterten in den vergangenen Jahren die Forderungen nach deutlichen Lohnerhöhungen mit dem Argument ab, die Arbeitsproduktivität stagniere. Damit hatten sie in den Jahren rund um die Finanz- und die Frankenkrise einen Punkt. Doch in den vergangenen zwei Jahren stieg die Produktivität überdurchschnittlich um 2,2 beziehungsweise 2,4 Prozent. Damit sind kräftige Lohnerhöhungen auf breiter Ebene gerechtfertigt.

Und: Die Arbeitgeber sollten von der unguten Tendenz abkehren, nur individuelle Lohnerhöhungen zu gewähren. Generelle Lohnerhöhungen sind angebracht. Erstens, um die anziehende Teuerung auszugleichen. Zweitens, weil Leistungen in Teams erbracht werden und nicht von Einzelmasken.

Erstellt: 06.09.2019, 20:49 Uhr

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