EZB belässt Leitzins bei null Prozent

Seit März befindet sich der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) auf dem Rekordtief. Präsident Mario Draghi behält den Kurs bei.

Gefahr durch Brexit und faule Kredite: EZB-Chef Mario Draghi nahm an einer Pressekonferenz in Frankfurt Stellung zum Zinsentscheid.
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hält trotz wachsender Konjunktursorgen nach dem Brexit-Votum ihr Pulver vorerst trocken. Die Währungshüter beliessen den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent.

Die jüngsten Ereignisse hätten die Wirtschaft der Euro-Zone nicht aus der Bahn geworfen, erklärte Notenbankpräsident Mario Draghi nach der EZB-Ratssitzung in Frankfurt. Die Finanzmärkte seien der erhöhten Unsicherheit und Volatilität mit «Mut und Belastbarkeit» begegnet. Allerdings erhöhe der geplante EU-Austritt Grossbritanniens die Konjunkturrisiken.

Erwartungsgemäss tastete die EZB den Leitzins nicht an. «Wir kamen zum Schluss, dass wir noch nicht genügend Informationen haben, um Entscheidungen zu treffen», sagte Draghi weiter. Die Notenbank werde die Entwicklung an den Finanzmärkten und die Konjunktur genau beobachten.

Die vorliegenden Daten würden ein anhaltendes Wachstum im zweiten Quartal signalisieren. Es dürfte aber geringer ausfallen als zu Jahresbeginn. Die Lage könnte in den kommenden Monaten besser bewertet werden, wenn weitere Konjunkturdaten vorliegen.

EZB im Notfall bereit

Draghi machte aber auch klar, dass die EZB alles tun werde, um der Wirtschaft der Eurozone auf die Beine zu helfen. «Ich möchte unsere Bereitschaft, den Willen und die Fähigkeit dazu unterstreichen», sagte der EZB-Präsident.

Experten rechnen damit, dass eine Wirtschaftsabkühlung in Grossbritannien auch die Konjunktur im Euro-Raum bremsen wird. Damit dürften auch die Inflationsaussichten gedämpft werden. Nach Ansicht von Ökonomen könnte die EZB ihre ultralockere Geldpolitik möglicherweise schon im September weiter lockern.

Strafzins bleibt unverändert

Erst im März hatten die Währungshüter ihren Kurs gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche drastisch verschärft. Erstmals wurde der Zins, zu dem Banken frisches Zentralbankgeld bekommen, auf null gesenkt. In Staatsanleihen und andere Wertpapiere steckt die EZB noch mehr Geld: 80 Milliarden Euro monatlich.

Seit Juni kauft die Notenbank auch Unternehmensanleihen. Das milliardenschwere Kaufprogramm soll bis mindestens März 2017 laufen und notfalls darüber hinaus aufrechterhalten bleiben, wie die EZB am Donnerstag bekräftigte. Der Strafzins, den Banken und Sparkassen zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, liegt ebenfalls weiterhin bei 0,4 Prozent.

Vorwurf: EZB zu optimistisch

Die Geldflut soll die Kreditvergabe ankurbeln und so Wachstum und Inflation anschieben. Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Konjunkturrisiko. Darum strebt die EZB mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Im Juni lag die Inflation im Euroraum gerade einmal bei 0,1 Prozent.

Der geringe Preisanstieg ist zum grossen Teil auf drastisch gesunkene Ölpreise zurückzuführen. Zwischenzeitlich wurde der Schmierstoff der Weltwirtschaft zwar etwas teurer, seit dem Brexit-Votum schwanken die Ölpreise.

Die sinkenden Ölpreise und die Verunsicherung der Wirtschaft nach der Entscheidung der Briten könnten der EZB einen Strich durch ihre zuletzt etwas optimistischeren Erwartungen machen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und zahlreiche Ökonomen von Banken haben ihre Konjunkturprognosen bereits gesenkt. (kat/sda)

Erstellt: 21.07.2016, 16:05 Uhr

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