Familie Blocher verlor eine Milliarde Franken

Die Bilanz hat ihr alljährliches Rating veröffentlicht. Das sind die reichsten Schweizer.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Unternehmer- und Politikerdynastie Blocher gehört nicht mehr zu den zehn reichsten Familien im Land. Ihr Vermögen schrumpfte im laufenden Jahr um rund 1 Milliarde Franken. Das lag vor allem am rückläufigen Aktienkurs der Ems-Chemie, die von Christoph Blochers Tochter, Nationalrätin Magdalena Martullo, geleitet wird. Die Aktie büsste fast ein Fünftel ihres Werts ein. Starke Kursverluste erlitten auch die Aktien des Feinchemikalien-Herstellers Dottikon ES unter der Leitung von Blocher-Sohn Markus.

Im letzten Jahr war die Familie Blocher dank des Aufschwungs der Ems-Aktie noch die Aufsteigerin des Jahres in der alljährlichen Erhebung «Die 300 Reichsten» des Wirtschaftsmagazins «Bilanz».


Anklicken zum Vergrössern.

An der Spitze der neusten Rangliste hat sich eher wenig verändert. Die Familie des Ikea-Gründers Ingvar Kamprad hält seit 17 Jahren ununterbrochen den ersten Rang als reichste Familie der Schweiz, mit geschätzten 50 bis 51 Milliarden Franken Vermögen. Der Firmengründer ist im Januar dieses Jahres gestorben. Seine drei Söhne Jonas, Peter und Mathias – alle mit Schweizer Pass – leiten das Unternehmen, das kontinuierlich an Wert gewinnt.

Auf Rang zwei stehen die Familien Hoffmann und Oeri, die Besitzerfamilien des Basler Pharmakonzerns Roche, mit geschätzten 25 bis 26 Milliarden Franken Vermögen.

Die Basler haben Jorge Lemann überholt, den Zweitplatzierten 2017. Der Brasilien-Schweizer mit Wohnsitz am Zürichsee ist 2018 der grösste Absteiger. Sein Vermögen schrumpfte um rekordhohe 6 bis 7 Milliarden Franken. Das lag vor allem an seiner wichtigsten Beteiligung, einem Aktienpaket von rund 10 Prozent an der weltgrössten Brauerei AB Inbev, die stark an Wert verlor. Auch der Nahrungsmittelkonzern Kraft Heinz, an dem Lemanns Investmentfirma 3G Capital beteiligt ist, büsste an Börsenwert ein.

Absteiger Vekselberg

Ein weiterer Verlierer ist der russische Unternehmer Viktor Vekselberg. Am 6. April setzte ihn die US-Regierung auf die Russland-Sanktionsliste und fror seine Vermögen ein. US-Bürger und -Firmen dürfen keine Geschäfte mehr mit seiner Beteiligungsfirma Renova und deren Töchtern betreiben. Vekselberg musste Anteile an den Industrieunternehmen Sulzer, OC Oerlikon und Schmolz + Bickenbach abgeben. Sein Vermögen schrumpfte um rund 3 Milliarden auf etwa 10 bis 11 Milliarden Franken. Damit musste er seinen langjährigen Platz in den Top 10 räumen.

Ebenfalls unter den Absteigern figuriert Ivan Glasenberg. Der Chef und zweitgrösste Aktionär des Baarer Rohstoffkonzerns Glencore büsste rund 1 Milliarde an Vermögen ein, nachdem der Kurs der Glencore-Aktie im laufenden Jahr gesunken war.

Neue Namen und Wertungen

Die Reichstenliste 2018 enthält 15 neue Namen. Darunter Urs Hölzle, Technologiechef der Google-Muttergesellschaft Alphabet, die Familie Bossard, Besitzerin des Schraubenhändlers Bossard in Zug, der Immobilienunternehmer Hermann Hess, der 2017 als FDP-Nationalrat zurücktrat, und Max Rössler, Hauptaktionär des Baukonzern Implenia.

In der Finanzkrise hatten die Superreichen grosse Einbussen hinzunehmen. Seither sind ihre Vermögen wieder stark gewachsen, im Durchschnitt um über 5 Prozent pro Jahr. Doch 2018 sind sie praktisch stagniert, sie nahmen um lediglich 0,2 Prozent auf zusammen rund 675 Milliarden Franken zu, wie die «Bilanz» berechnet hat.

Das Magazin veröffentlicht die Reichsten-Liste dieses Jahr bereits zum 30. Mal. Wer in die Rangliste aufgenommen werden will, braucht einen Schweizer Pass oder eine Niederlassungsbewilligung und ein Vermögen von mindestens 100 Millionen Franken. Die Angaben beruhen grösstenteils auf Schätzungen, denn nur die wenigsten der Reichen geben Auskunft zu ihrem Vermögen.

134 Milliardäre

Dieses Problem liefert auch die Begründung für den grössten Aufsteiger des Jahres. Das Vermögen von Gérard Wertheimer ist seit der letzten Ausgabe um enorme 8 Milliarden Franken angewachsen, weil seine Beteiligung am Modehaus Chanel neu bewertet werden musste. Der Konzern veröffentlichte im Juni erstmals Ertragszahlen – und die waren weit besser als bisher geschätzt.

Von den 300 Reichsten können sich 134 als Milliardäre bezeichnen. In der Mehrheit sind es Wahlschweizer, die sich hier niedergelassen haben. Von den über 2200 Milliardären, die das US-Magazin «Forbes» weltweit ortet, lebt also jeder sechzehnte in der Schweiz.


Die Reichsten in der Region Zürich

In der Region Zürich hat sich die Familie Jacobs den ersten Platz unter den Reichsten wieder zurückerobert. Vor allem dank ihrer Mehrheitsbeteiligung am weltgrössten Schokoladeproduzenten Barry Callebaut nahm das familiäre Vermögen im laufenden Jahr um rund 2 Milliarden auf 12 bis 13 Milliarden Franken zu. Der letztjährige Spitzenreiter, die Familie Blocher, wurde damit auf Rang zwei verwiesen.

Auf Rang drei unter den Reichsten der Region Zürich folgen mit einem Vermögen von je 5 bis 6 Milliarden Franken der deutschstämmige Müllermilch-Beherrscher Theo Müller und der Glencore-Chef Ivan Glasenberg.

Während sich das Vermögen von Müller seit dem letzten Jahr nicht verändert hat, verlor Glasenberg wegen der sinkenden Aktienkurse des Baarer Rohstoffkonzerns Glencore rund eine Milliarde Franken.

Von den 300 Reichsten der Schweiz sind 47 in der Region Zürich wohnhaft. Ihr Gesamtvermögen beläuft sich auf ungefähr 70 Milliarden Franken, wie aus der 30. Ausgabe der Reichstenliste des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» hervorgeht. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 29.11.2018, 21:56 Uhr

Artikel zum Thema

Die Erbin, die die Welt verändern will

#12 Paula Schwarz ist jung und extrem reich. Ihr Ziel: Geld für alle Menschen arbeiten zu lassen, statt nur für Millionäre und Banker. Mehr...

So reich ist der Vatikan

Immobilien, Museen, Fanartikel: Ein Blick auf das Vermögen des Gottesstaates. Mehr...

Sie sind nicht reich? Dann liegt das vielleicht an Ihren Genen

Ökonomen haben einen Zusammenhang zwischen Reichtum und Genetik festgestellt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Das erste Weisshandgibbon Baby des Skopje Zoos steht in seinem Gehäge neben seiner Mutter. (20. Mai 2019)
(Bild: Robert Atanasovski) Mehr...