Zum Hauptinhalt springen

«Familie durchgeschüttelt»

Der Vater einer ehemals drogenabhängigen Tochter erzählt von seinen Erfahrungen mit den Behörden. Er möchte anonym bleiben.

«1996 bot uns die Zürcher Landgemeinde, von der unsere Tochter Sozialhilfe bezog, zu einem Gespräch auf. Sie wollte, dass wir uns an den Kosten beteiligen. Unsere Tochter verkehrte damals im Letten und war bereits HIV-positiv.

Nach dem Gespräch bat ich den Gemeinderat mit einem Brief, auf die Forderung zu verzichten, weil die ganze Situation für uns so wahnsinnig belastend war. Man muss sich das mal vorstellen: Die ständigen Sorgen um das Leben und die Gesundheit des Kindes, Freunde, die sich abwenden – und im Beruf gilt man als nicht führungsfähig. Wir kamen uns vor wie Verletzte, die am Boden liegen und um Hilfe rufen, aber vom Staat noch mit Füssen getreten werden.

Ein paar Monate später kam die schriftliche Forderung: 25'000 Franken für bisherige Aufwendungen der Gemeinde plus monatlich 1500 Franken bis ans Lebensende der Tochter. Die Einzahlungsscheine waren gleich beigefügt, aber wir zahlten nicht. Eine Zahlung wäre für uns wie eine Schuldanerkennung gewesen.

Die Gemeinde ging dann vor Gericht. Ihr Anwalt warf uns in der Verhandlung vor, wir seien schlechte Eltern gewesen. Das war für uns das Schlimmste. Finanziell ging die Sache glimpflich aus: Auf Vorschlag des Gerichts einigten wir uns auf eine Zahlung von 10'000 Franken «per Saldo aller Ansprüche». Nochmal so viel kostete uns unsere Anwältin.

Als unsere Tochter in eine andere Zürcher Gemeinde zog, ging das Ganze von vorne los: Wieder kam ein Brief betreffend Verwandtenunterstützung. Das hat unsere Familie noch mal richtig durchgeschüttelt, meine Frau ist fast durchgedreht. Aber zum Glück gelang es unserer Anwältin, die Gemeinde zum Rückzug zu bewegen.

Seit acht Jahren nimmt unsere Tochter keine Drogen mehr. Jetzt können wir endlich leben.»

ta/tti

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch