Fast 40 Milliarden Gewinn: SNB profitiert vom guten Börsenumfeld

Nach einem Plus von 30,7 Milliarden im ersten Quartal kamen im zweiten Jahresviertel nochmals 7,8 Milliarden dazu.

Die Schweizerische Nationalbank hat ihre Gewinnzahlen für das zweite Quartal bekanntgegeben: Thomas Jordan. (Foto: Keystone)

Die Schweizerische Nationalbank hat ihre Gewinnzahlen für das zweite Quartal bekanntgegeben: Thomas Jordan. (Foto: Keystone)

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat vom guten Börsenumfeld und den sinkenden Zinsen profitiert und in der ersten Jahreshälfte 2019 einen hohen Gewinn erzielt. Für das Gesamtjahr sagt dies aber noch nicht allzu viel aus, da das Ergebnis stark von der weiteren Entwicklung der Finanzmärkte abhängt.

Insgesamt belief sich der Halbjahresgewinn auf 38,5 Milliarden Franken, wie die Nationalbank am Mittwoch mitteilte. Nach einem Plus von 30,7 Milliarden im ersten Quartal kamen damit im zweiten Jahresviertel nochmals 7,8 Milliarden dazu. Der Löwenanteil des Gewinns stammt von den Fremdwährungspositionen mit 33,8 Milliarden Franken. Auf dem Goldbestand der SNB resultierte derweil ein Bewertungsgewinn von 3,8 Milliarden und auf den Frankenpositionen erzielte sie einen Gewinn von 1,1 Milliarden.

Hohe Kursgewinne bei Aktien und Obligationen

Das Ergebnis bei den Fremdwährungspositionen war geprägt von hohen Kursgewinnen bei den von der SNB gehaltenen Finanzpapieren. So resultierte auf Beteiligungspapieren (Aktien etc.) ein Gewinn von 20,8 Milliarden und auf Zinspapieren (Obligationen etc.) einer von 14,2 Milliarden Franken. Dazu kamen Erträge aus Zinszahlungen und Dividenden von zusammen 6,8 Milliarden. Getrübt wurde das Ergebnis allerdings von wechselkursbedingten Verlusten in diesem Bereich von 8,0 Milliarden. Grund ist, dass der Franken per Mitte 2019 sowohl gegenüber dem US-Dollar wie auch gegenüber dem Euro höher lag als Ende 2018.

Auch auf Gold hoher Gewinn

Auf dem mengenmässig unveränderten Goldbestand resultierte ein Bewertungsgewinn von 3,8 Milliarden Franken. So wurde das Kilo Gold per Ende Juni 2019 zu 44'245 Franken gehandelt, nachdem es Ende 2018 noch 40'612 Franken gewesen waren. Der Gewinn von 1,1 Milliarden Franken auf den Frankenpositionen stammt im Wesentlichen aus den Negativzinsen, welche die Banken auf ihren Girokontoguthaben bei der SNB bezahlen müssen.

Das Ergebnis war in etwa so erwartet worden und deshalb keine grosse Überraschung. Die Ökonomen der Grossbank UBS etwa hatten den Halbjahresgewinn mit rund 40 Milliarden Franken gar noch etwas höher geschätzt.

Für das Gesamtjahr heisst der hohe Halbjahresgewinn allerdings noch nichts. Die SNB weist in ihrer Mitteilung wie üblich darauf hin, dass das Ergebnis von der Entwicklung der Gold-, Devisen- und Kapitalmärkte abhängig ist. Starke Schwankungen seien deshalb die Regel und Rückschlüsse auf das Jahresergebnis nur bedingt möglich.

Folge der Geldpolitik

Das SNB-Ergebnis ist vor allem eine Folge ihrer Geldpolitik. Um den Franken zu schwächen bzw. nicht zu stark werden zu lassen, hat die Nationalbank neben der Einführung der Negativzinsen vor allem ihre Devisenreserven in den vergangenen Jahren stark erhöht und damit Anleihen und Aktien in verschiedenen Währungen gekauft. Per Ende Juni 2019 beliefen sich die Devisenanlagen auf umgerechnet 777,9 Milliarden Franken.

Die Hauptwährungen bei den Devisenreserven der SNB sind dabei der Euro und der US-Dollar. Die Gemeinschaftswährung machte per Mitte Jahr 39 Prozent aus, der Greenback 35 Prozent. Grössere Bestände gibt es ausserdem noch in Yen (9%), britischen Pfund (6%) oder kanadischen Dollar (3%), die restlichen Währungen machten acht Prozent aus.

In Bezug auf die Anlageklasse waren 69 Prozent der SNB-Devisenreserven in Staatsanleihen angelegt, 11 Prozent in anderen Anleihen und 20 Prozent in Aktien. Bei den Anleihen haben rund zwei Fünftel das Top-Rating von 'AAA'.

Ausschüttung hängt vom Ganzahresergebnis ab

Die Ausschüttung des SNB-Gewinns an Bund und Kantone hängt dann vom Ganzjahresergebnis ab. Laut der Gewinnausschüttungsvereinbarung erhalten Bund und Kantone jeweils maximal 2 Milliarden pro Jahr, wenn die Ausschüttungsreserve mindestens 20 Milliarden Franken beträgt. Dies sollte auch für dieses Jahr der Fall sein. Sie liegt - ohne den Halbjahresgewinn gerechnet - derzeit bei 45,0 Milliarden.

(sda)

Erstellt: 31.07.2019, 07:49 Uhr

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