Gold erstrahlt in neuem Glanz

Das Edelmetall ist so teuer wie letztmals vor sechs Jahren. Alles deutet darauf hin, dass die Hausse weitergeht – Gold ist auf bestem Wege, wieder ein Liebling der Anleger zu werden.

Der Goldpreis bewegt sich bei 1418 Dollar pro Unze. Foto: Keystone

Der Goldpreis bewegt sich bei 1418 Dollar pro Unze. Foto: Keystone

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Im letzten Jahr kauften die ­Zentralbanken laut dem World Gold Council weltweit 650 Tonnen Gold im Wert von 27 Milliarden Dollar auf. Das waren 74 Prozent mehr als im Vorjahr. So stark wie 2018 haben Zentralbanken ihre Goldreserven seit den Siebzigerjahren nicht mehr aufgestockt. Damals gab Amerika die Anbindung des Dollars an den Goldstandard auf. Bis Ende 2018 ­kletterte der Wert der globalen Zentralbank-Goldreserven auf 1400 Milliarden Dollar. Im laufenden Jahr nahmen die Reserven bis Mai um weitere 250 Tonnen zu.

Zentralbanken kaufen im grossen Stil Gold, weil sie einen Teil ihrer Reserven umschichten wollen. In den unsicherer gewordenen Zeiten mit schwelenden Handelskriegen zwischen den USA, China und Europa, mit Brexitchaos und Kriegsgefahren im Nahen Osten wollen sie weniger Dollar halten – sie wollen Gold, und das in grossen Mengen.

Raus aus dem Dollar drängt es speziell aufstrebende Länder wie China, Indien, aber auch Russland und die Türkei. Diese vier Länder haben ihre Goldreserven seit 2015 um zwei Drittel auf 4960 Tonnen aufgestockt – wovon Russland allein 2066 Tonnen hortet. Die zugekauften Goldtonnagen der Zentralbanken haben dem Goldpreis kräftig Auftrieb verliehen. Zuvor dümpelte der Preis für das Edelmetall jahrelang vor sich hin – gefangen in einem Preisband zwischen 1150 und 1350 Dollar für eine Unze Gold (31 Gramm).

Tiefe Zinsen helfen Gold

Erst jüngst durchbrach er die Schwelle von 1400 Dollar und bewegt sich nun bei 1418 Dollar pro Unze. Kurz: Gold ist so teuer wie seit sechs Jahren nicht mehr. Vom Allzeithöchst von 1900 Dollar 2011 ist der Preis für eine Unze Gold zwar noch ein gutes Stück entfernt. Es gibt aber gute Gründe dafür, dass der Aufwärtstrend anhalten dürfte.

Wichtigster Treiber für die Goldhausse seien jedoch die starken Signale auf eine Leitzinssenkung der US-amerikanischen Zentralbank Fed, sagte UBS-Goldexpertin Joni Teves diese Woche der «Financial Times». Wenn die Zinsen tief bleiben oder gar ­weiter sinken, werde Gold attraktiver als Beimischung, um Risiken der gegenwärtigen Grosswetterlage zu reduzieren.

Speziell Profianleger wie Anlagefonds, Pensionskassen und Versicherungen können dem Gold wieder mehr abgewinnen. Die meisten Börsen steigen seit 2009. Wer in dieser Zeit Gold hielt, verpasste das Kursfeuerwerk und musste froh sein, wenn er nicht Verluste machte. Der Dollar ist seit 2014 stark, was den Auftrieb von Gold lange Zeit ­begrenzte.

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Das ändert sich jetzt. Die Aussicht, dass die US-Zentralbank Fed Ende Juli den Leitzins wegen geopolitischer Unsicherheiten und rückläufiger Verkäufe von Häusern und Autos erstmals seit 2008 wieder senkt, sorgt für ein Umdenken. Hinzu kommt, dass die Europäische Zentralbank EZB gestern signalisierte, dass sie die Negativzinsen im Herbst womöglich verschärft. Schon jetzt müssen Banken der EZB 0,4 Prozent Strafzins zahlen, wenn sie bei dieser überschüs­sige Gelder parkieren wollen.

Derzeit sind laut Zahlen der britischen Bank Barclays Obli­gationen mit Negativzinsen im Umfang von 13'000 Milliarden Dollar im Umlauf, doppelt so viel wie letzten Herbst. Wenn Investoren mit Obligationen drauflegen, schichten sie einen Teil ihres Portefeuilles um und kaufen vermehrt Gold. Das Argument, Gold bringe weder Zinsen noch Dividenden ein und verursache Lagerkosten, verliert derzeit an Bedeutung. In Zeiten grassie­render Negativzinsen wird Gold als Beimischung im Portefeuille wieder wichtiger, um das Risiko grosser Verluste zu reduzieren, sollte es an den Börsen krachen.

Die Verbindung zwischen ­Negativzinsen und steigenden Goldpreisen ist jedenfalls augenfällig. So sehen dies auch die ­Käufer von sogenannten ETFs; das sind Anteile, die mit Gold ­hinterlegt und an der Börse ­handelbar sind. Der Zufluss in solche Vehikel ist derart angeschwollen, dass ihr Volumen auf ein Fünfjahreshoch von 80 Millionen ­Unzen Gold gestiegen ist– was schon nahe an die Rekordmarke von 92 Millionen Unzen Gold herankommt, die von Gold-ETFs im 2011 gehalten wurden.

Über die Hausse des Edel­metalls freuen sich denn auch jene, die zu Hause seit Jahren ein oder mehrere Goldvreneli horten. Das 20er hat derzeit einen Wert von 274.50 Franken. Vor 15 Jahren lag der Wert noch unter 100 Franken.

Erstellt: 26.07.2019, 19:30 Uhr

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